Kultur | 10.05.2011

Deprimusik mit Deprihugo

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser
Ein Lied soll glücklich oder wütend machen, Erinnerungen hervorrufen, zum Nachdenken bringen oder zum Tanzen animieren. Nur deprimieren soll ein Lied ganz sicher nicht. Die meisten Songs von Hugo Race & the Fatalists taten genau das in der St. Galler Grabenhalle.
Dunkel, schwarz und trist: Hugo Race sollte sich etwas mehr freuen.
Bild: Seraina Manser

Sänger Hugo Race’s Dresscode für sich und seine Band lautet wie folgt: “Erlaubt sind nur schwarze Kleider und Schuhe, weisse Hemden sind nur an ausgewählten Konzerten genehmigt.” Auch die Haare sollten möglichst dunkel und fettig daherkommen. Gibt es in ihrem Tourbus überhaupt ein Shampoo? Pro Tag müssen mindestens zwei Päckchen Zigaretten geraucht werden, somit ist die grauselige Stimmlage gewährleistet.Weiter mit der Mimik: am besten ist es, wenn die Musiker während dem Auftritt an die Beerdigung ihrer Grossmutter denken oder aber so müde sind, dass sie die Augen geschlossen haben müssen.

 

Sänger Hugo Race hat die Voraussetzungen für ein sonniges Gemüt, kommt er doch aus dem Land, wo die Kängurus fröhlich über den Sand hüpfen und jedermann surfen kann. Stattdessen guckt der Australier drein wie sieben Tage Regenwetter. Seine Stimme tönt so, als wäre er gerade erst aufgestanden nach einer durchschrienen Nacht, während der viele Wodkas gebechert wurden.

 

Das Publikum selbst hält sich an Race’s Dresscode, klammert sich an einer Stange Bier fest oder sitzt unbeweglich auf der Seite.

“Hallo, es ist Frühling, lieber Hugo”, möchte ich rufen, “draussen spriessen die Blümelein und zwitschern die Vögel.” Natürlich ist nicht immer alles eitel Sonnenschein, doch gerade an einem Konzert sollte man seine Sorgen vergessen können, indem man tanzt, mitwippt oder gar mitsingt – bei Hugo habe ich höchstens die Augen zusammengekniffen, um ihn durch das düstere Licht besser zu erspähen.