Kultur | 23.05.2011

Das Erbe von Oasis

Text von Jeannette Frey | Bilder von beadyeyemusic.com
Als Liam Gallagher nach einem Konzert hinter der Bühne die Gitarre seines Bruders zertrümmerte, war es aus mit Oasis, der Legende des Britpop. Doch aus Kaputtem entsteht bekanntlich Neues, so auch in dieser Geschichte. Liam gründete mit den übriggebliebenen Musikern die neue Band Beady Eye. Ihr Debüt "Different Gear, Still Speeding" ist im März dieses Jahres erschienen.
Beady Eye im Herbst 2010.
Bild: beadyeyemusic.com

Nachdem Noel Gallagher seine Band Oasis im Sommer 2009 verlassen hatte, liessen sich Liam, Noels Bruder, und die anderen Bandmitglieder Andy Bell, Gem Archer (beide Gitarre) und Chris Sharrock (Schlagzeug) nicht entmutigen und machten weiter zusammen Musik. Neu unter dem Namen Beady Eye (engl. Knopfauge), der nicht von allen gleich gerühmt wird. Die meisten Kritiker finden ihn „dämlich“, „unpassend“ oder auch „klanglich nicht überzeugend“. Aber abgesehen von dem umstrittenen Bandnamen machen die vier Briten immer noch hervorragende Musik. Ihr Debüt, „Different Gear, Still Speeding“ beweist dies beim ersten Hören.

 

Dass Liam singen kann, ist keine Neuheit, doch niemand hätte dem grössenwahnsinnigen Musiker das Liederschreiben zugetraut. Liam kann es nämlich, auch wenn dies während Oasis-Zeiten nie so richtig bemerkt wurde. Dennoch bleibt er in der medialen Öffentlichkeit im Schatten seines Bruders Noel. Die Kritik gilt vor allem der fehlenden persönlichen Handschrift der CD. Natürlich kann man nicht erwarten, dass Beady Eye das Rad neu erfinden, trotzdem könnten die Lieder etwas mehr eigenen Charakter haben.

 

Albumtitel ist Programm

Die Wurzeln von Oasis sind offensichtlich, obschon die dreizehn Lieder sehr unterschiedlich klingen. Mal eher gemütlich, wie zum Beispiel der Eröffnungssong „Four Letter Word“, mal nach Rock’n’Roll wie „Beatles And Stones“, und „Millionaire“ schlussendlich klingt wie ein alter Liebling. Das vorab erschienene „Bring The Light“ ist von Anfang an rassig, plätschert dann jedoch ins Endlose.

 

Liam über das neue Album: „We’re not bothered about chart success, but this deserves to be massive“. (Frei übersetzt: „Wir kümmern uns nicht um einen Charterfolg, aber diese CD hat einen riesigen Erfolg verdient“). Nun ja, der EP einen derartigen Erfolg vorauszusagen ist übertrieben, aber es reicht für ein Zufrieden. Der Albumtitel „Different Gear, Still Speeding“ („anderer Antrieb, immer noch laufend“) trifft den Nagel auf den Kopf.

 

Geht’s also auch ohne Noel? Das muss jeder für sich entscheiden. Klar ist: Ein Silberling ist das neue Album nicht und wer Gallaghers zu hören pflegt, bleibt besser bei den alten Oasis-Platten. Wir warten unterdessen auf Noels Solokarriere, falls es sie jemals geben wird. Gönnen tut er seinem Bruder den Erfolg sicher nicht von Herzen.

 

 

Beady Eye in Bern


Am Sonntag, 17. Juli 2011 spielen Beady Eye am Gurtenfestival. Weiter zum Programm.