Gesellschaft | 28.05.2011

Crèmes für die Welt

Text von Miriam Hetzel
Unternehmen sollen nicht nur Profit erwirtschaften, sondern auch Verantwortung übernehmen. Nach diesem Prinzip handelt und produziert The Body Shop. Diese Idee kommt bei den Konsumenten gut an. The Body Shop geniesst grosse Popularität. 1983 importierte Ivan Levy das Konzept aus England in die Schweiz. Bis heute ist er CEO von The Body Shop Schweiz. Tink.ch traf ihn zum Gespräch.
Ivan Levy im Gespräch mit Tink.ch

Tink.ch: Wie wählt das Unternehmen die Themen aus, auf welche es aufmerksam machen will?

 

Ivan Levy: Alle bisherigen Themen, wie zum Beispiel AIDS wurden von Anita Roddick, der Gründerin von The Body Shop, selbst aufgegriffen. Es waren Themen, welche sie persönlich bewegten und interessierten. Nach ihrem Tod haben wir im neuen Management bisher noch kein neues Thema gefunden. Das heisst wir leben eigentlich immer noch auf der ‘legacy’ von Anita.

 

 

Welche Ansprüche stellt The Body Shop an sich und an seine Partner?

Wir wollen keine Seite einnehmen. Wenn wir ein Thema auswählen, muss es neutral sein. Über allen politischen und religiösen Überzeugungen stehen. Enorm wichtig ist, dass mit Partnern gearbeitet wird, welche etwas vom Thema verstehen, Experten darin sind und die Legitimation des Themas unterstützen. Früher haben wir eine Menge Dinge getan, für die wir dann angegriffen worden sind. Es wurde gesagt, es könne nicht legitim sein, dass eine private Firma sich engagiert. Heute wissen wir, wie wichtig es ist mit den NGOs und den verschiedenen Interessengruppen zusammenzuarbeiten. Zudem müssen unsere Projekte zu 100 Prozent überprüfbar sein.

 

 

 

Sie sind seit 28 Jahren im Unternehmen dabei. Wie hat sich The Body Shop und seine Grundwerte in dieser Zeit entwickelt?

Die meisten Werte sind mit dem Unternehmen mitgewachsen. 1983 interessierte sich noch niemand für Kinderarbeit oder für schlechte Arbeitsverhältnisse in China. Je grösser wir und unser Gewinn wurden, desto mehr konnten wir bewegen. Wir hatten nun auch die Finanzen dazu. Wenn ich Ihnen vor 10 Jahren gesagt hätte, dass wir einmal 6 Millionen Unterschriften sammeln werden, hätten Sie mich ausgelacht.

 

Denken Sie der Verkauf des Unternehmens an L’Oréal war mit der Philosophie , den Werten des Unternehmens vereinbar?

 

Das hat nichts mit Werten zu tun. Man hatte die Wahl einen Manager zu finden. Das hat die Familie Roddick drei oder vier Mal versucht und damit jedes Mal schlechte Erfahrungen gemacht. The Body Shop ist ein Unternehmen, das viel Zeit braucht und sich auch erlauben können muss, Zeit zu geben. Als Anita und Gordon sich entschieden hatten, sie seien zu müde dieses Unternehmen weiter zu führen, haben sie sich gefragt: Wem können wir die Firma verkaufen? Wenn sie so viel Geld ausgeben um eine Firma zu kaufen, wie L’Oréal es tat, dann werden sie sehr erpicht darauf sein, dass die Werthaltigkeit der Firma erhalten bleibt.

Klar können sie einen Konzern wie L’Oréal ,der Tierversuche gemacht hat und wahrscheinlich billig produziert, nicht von einem Tag auf den anderen verändern, aber wir haben die Chance, Einfluss auf diese Firma zu nehmen. Der heutige CEO von L’Oréal wollte Body Shop wegen seinen Werten. Darum glaube ich nicht, dass wir durch den Verkauf in einen Interessenkonflikt kommen oder dass es eine falsche Entscheidung war.

 

 

 

Welchen Anteil haben die Philosophie und das Image der Marke am Erfolg?

 

Das ist eine Frage, die mir immer gestellt wird und die wahnsinnig schwer zu beantworten ist. Damit sie Erfolg haben, brauchen sie zwei Dinge, einerseits brauchen sie eine Philosophie und andererseits müssen sie auch ein Produkt verkaufen, dass qualitativ “verhebe tuet” und das preislich akzeptiert wird. Ich habe es letztes Jahr selbst gesehen. Wir lancierten einen neuen Deo, der nur das Gute enthielt. Keine Parabene, kein Aluminium. Aber nach vier Stunden stank man. Der Absatz dafür brach schnell ein.

 

 

Werden Sie auch in Zukunft für Ihre Anliegen auf die Strasse gehen und demonstrieren?

 

Ja, gar kein Problem!