Kultur | 04.04.2011

Verliebt, verwechselt, verlassen

Alcina - manche Kritiker schrieben schon, als die Oper 1735 uraufgeführt wurde, dass dieses Werk zu den Besten zählen werde, die Händel im Laufe seines Lebens schreiben würde. Sie sollten Recht behalten. Alcina ist eine grossartige, barocke Oper. Tanzchef Marco Santi inszenierte und choreografierte sie am Theater St. Gallen.
Karate und Ballett: Die Tanzdarbietung bot viel Abwechslung. Alcina (Netta Or, rechts) und Morgana (Andrea Lang, links) überlegen sich, wie Ruggiero verführt werden könnte.
Bild: Toni Suter / T+T Fotografie.

Klassischerweise geht es in dieser italienischen Oper um amore. Der Ritter Ruggiero landet auf einer Insel, die von der Zauberin Alcina (Netta Or) und ihrer Schwester Morgana (Andrea Lang) beherrscht wird. Die Insel stellt eine Oase der Liebe und der Lust dar, und so verfällt auch rasch Ruggiero (Antigone Papoulkas) den Reizen der hübschen Zauberin. Darüber hinaus vergisst er sowohl seine ritterlichen Pflichten als auch seine Verlobte Bradamante (Delphine Galou). Unterdessen ma cht sich diese auf die Suche nach ihrem Verlobten mithilfe von Melisso (Wade Kernot), ihrem Begleiter. Bradamente erscheint auf der Insel aber nicht in ihrer weibliche Gestalt, sondern gibt sich als ihr eigener Bruder aus. Tragischerweise verliebt sich nun Morgana in sie. Damit erweckt sie die Eifersucht des Liebhabers von Morgana. Durch allerlei Intrigen weiss schliesslich niemand mehr, wem er noch trauen kann.

 

Krieger gegen Geister

Melisso sorgt allerdings für Klarheit indem er Ruggiero einen magischen Ring gibt, durch den er Bradamante als seine Verlobte erkennt, die er zuvor nicht erkannt hat. Er stösst sie allerdings noch ein weiteres Mal zurück, bevor er mit der Aufrüstung einer Armee beginnt, um die Insel vom Bann Alcinas zu befreien und zu seiner Verlobten zurückzukehren. Unterdessen versucht Alcina ihre Geister zu beschwören, um die drohende Gefahr abzuwenden, doch die haben sich ihr gegenüber allerdings verschlossen. Sie versucht Ruggiero ein letztes Mal zu überreden nicht von ihr wegzugehen, er weigert sich aber zu bleiben, und so droht sie ihm grausame Strafen an, falls er jemals wieder auf sie träfe. Er ändert seinen Plan allerdings nicht und zerstört mithilfe der Krieger die Herrschaft der Zauberin.

 

Vielfältig getanzt

Im Theater St. Gallen wurde diese Produktion zum ersten Mal aufgeführt. Die Oper wurde klassisch umgesetzt in Bezug auf die Musik (Leitung: Robert Howarth). Im Sinne der Ballettoper von Händel waren auch die Tänzer (Regie und Choreografie: Marco Santi), welche Akzente in der Aufführung setzten und das Ganze sehr lebendig unterstützt hatten. Sie setzten allerdings nicht auf einen durchgehenden Tanzstil, es war vielmehr ein Mix aus unterschiedlichen Sparten, beispielsweise gab es Elemente des Breakdance, des Ballett oder der Kampfsportart Karate. Sie inszenierten sich auf dem sehr einfallsreichen Bühnenbild (Katrin Hieronimus), welches viel Raum und Abwechslung für die Sänger und Tänzer bot.

 

Für alle etwas dabei

Eine insgesamt sehr gelungene Aufführung, die sowohl für den häufigen Opernbesucher, wie auch den Neuling, einen spannenden, abwechslungsreichen und interessanten Abend bietet. Besondere Aufmerksamkeit haben nicht nur die Sänger und Musiker verdient, welche die grossartige Oper wunderbar erklingen lassen, sondern auch die Tanzkompagnie St. Gallen, welche immer wieder auf unterschiedlichste Weise den Zuschauer zu überraschen vermag und ihn in den Bann von Alcina und ihrer Geschichte zieht.

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