Gesellschaft | 19.04.2011

Sendestreit

Text von Luzia Tschirky
In Zürich gibt es seit zwei Wochen einen neuen Fernsehsender. In der Schweiz können 306'000 Menschen Joiz TV aber nicht empfangen, weil Cablecom sich weigert den Sender in sein analoges Programm aufzunehmen. Jetzt wehren sich junge Leute für Joiz.
Logo der Kampagne "MyMyMedia" Bleibt er digital oder wird er analog? Sender Joiz. Fotos: Okaj Zürich

Seit Ende März ist Joiz nun auf Sendung. Bis jetzt kann Joiz aber nur digital empfangen werden. Das heisst, jeder und jede, die zu Hause gerne Joiz sehen möchte, muss ein digitales Fernsehgerät haben, oder zumindest ein kleines Gerät, das digitale Daten in analoge umwandelt. Der grösste Anbieter von digitalem Fernsehen in der Schweiz, Cablecom, möchte Joiz nicht ins analoge Angebot aufnehmen.

 

Langer Streit

Joiz hat sich gegen den Entscheid von Cablecom gewehrt und hat beim Bundesamt für Kommunikation verlangt, dass Joiz den Status “Must-Carry” bekommt. Mit diesem Status wäre jeder Fernsehanbieter verpflichtet, Joiz mit ins Programm aufzunehmen. Das Bundesamt für Kommunikation hat Joiz Recht gegeben und von Cablecom verlangt den Sender auch analog anzubieten. Dagegen hat Cablecom nun aber Rekurs eingelegt. Der Entscheid vom Bakom kann sich laut Cablecom noch Monate hinziehen. Im Internet kursieren derweil Gerüchte, dass im Sommer die Reaktion vom Bakom auf den Rekurs folgen könnte.

 

Protest gegen Cablecom

Zwei Wochen nach der Aufschaltung von Joiz hat sich nun eine Gruppe um die Kantonale Kinder- und Jugendförderung in Zürich (Okaj) zusammengeschlossen und wehrt sich gegen den Entscheid von Cablecom. Auf der Homepage “Mymymedia” kann man sich am Protest beteiligen. Laut den Organisatoren geht es ihnen aber eigentlich aber um viel mehr, als technische Details. “Es geht darum, wie grosse Konzerne mit unserer Jugend verfahren.” Auf Facebook und Twitter kann man seine Meinung zur Sache abgeben und mit anderen diskutieren.

 

Hintergrund

Man fragt sich was wohl dahinter stecken könnte. Der grösste Fernsehanbieter der Schweiz wehrt sich gegen einen Jugendsender. Cablecom möchte bis zum Entscheid vom Bakom keine Stellung mehr beziehen. Der Konzern beharrt aber weiterhin darauf, dass Jugendliche von heute doch mit der modernen digitalen Technik vertraut wären und das der Sender Joiz ausserdem im Internet verfügbar sei. Zwei von drei Cablecom Kunden sehen immer noch analoges Fernsehen. Ob sich das ändern wird, wenn die jungen Leute ihren Eltern in den Ohren liegen, dass jetzt unbedingt ein digitales Gerät angeschafft werden müsste, wird sich zeigen. Cablecom verdient sich auf alle Fälle eine goldene Nase mit der Umrüstung auf digitales Fernsehen. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Umsatz von 1.3 Milliarden Franken.