Kultur | 19.04.2011

Musikalischer Südstaat

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist.
Das South by Southwest Festival in Austin ist kein gewöhnliches Musikfestival - es ist gigantisch. Tink.ch hörte sich quer durch die 2-~000 Bands und versuchte, die Nadel im Heuhaufen zu finden. Man darf sich freuen: Einige heisse Eisen kommen demnächst in die Schweiz.
Die berühmte 6th Street in Austin, Club an Club. Retro-Momente mit OMD (und Moby).
Bild: Martin Sigrist.

Diesen März traf sich die internationale Musikszene zum 25. Mal zum South by Southwest Festival (SXSW) in Austin, Texas. Das Festival ist eine Plattform für Musik noch Film und die digitale Szene. Von Interesse sind insbesondere die fünf Tage Musik, da das SXSW mit über 2’000 Bands in gegen 100 Clubs zu den grössten Musikfestivals der Welt zählt.

 

Die schiere Masse an Konzerten verlangt, dass Bands meist nur Showcases von 20 Minuten spielen, dafür mehrmals an unterschiedlichen Orten. Die grossen Namen der Szene dürfen auch mal länger spielen. Das zeigt den Zweck des SXSW: Neben der Unterhaltung der ca. 80’000 Besucher geht’s um Geschäft. Die Musiker wollen sich dem Musikbusiness präsentieren und so entweder einen ersten Vertrag abschliessen oder ihre Präsenz verbessern. Mehr Präsenz vor mehr Leuten lautet hier die Devise.

 

Pimp my Parkhaus

Die Konzerte finden mehrheitlich in Clubs statt, das SXSW ist kaum mit den hiesigen Musikfestivals im Sommer zu vergleichen. Austin gilt als eine der Musikkapitalen der USA, trotzdem reicht die Masse an Konzerthäusern schlicht nicht aus. Es wird auf Wiesen, Parks, Hinterhöfe und Garagen ausgewichen, MTV nutze kurzerhand ein Parkhaus um, Deutschland lud auf eine Dachterrasse, Dickies in einen Hinterhof eines Einfamilienhaus (die VIPs durften sich im Haus vergnügen).

 

Der Eintritt zu diesem Spektakel ist nicht kostenlos, jedoch bezahlbar. Ein einfacher Dauereintritt für alle Konzerte kostet 165 US-Dollar, Eintritt zu den einzelnen Orten ist damit jedoch nicht garantiert. Wer auch die Promo-Parties und weitere Veranstaltungen besuchen oder einfach das Anstehen überspringen möchte, kauft sich einen Badge für rund 700 US-Dollar.

Zahlreiche Konzerte und Parties lassen sich mit guter Organisation kostenlos besuchen, Gästelisten gibt es für fast alles, lange Schlangen dafür auch. Findige Firmen bieten gegen Bezahlung den Service, sich um die Gästelistenplätze zu kümmern.

 

Twin Shadow, Zowie, James Blake

Bei Temperaturen von über 30 Grad dürfen die Bands nicht vergessen werden. Wer ist denn nun aufgefallen? Wer konnte in der Masse von über 2’000 Bands einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Es blieb bei einem Versuch, vor Ort tatsächlich nichts zu verpassen. Eine kleine Auswahl der besuchten Konzerte: Zowie aus Neuseeland sind unbekannt, ohne Album, aber definitiv im Auge zu behalten. Twin Shadow waren bereits in der Schweiz, wer sie nicht gesehen hat, soll dies bei nächster Gelegenheit nachholen! Toro Y Moi sind in den USA seit längerem ein Hype, dies nicht ohne Grund. James Blake ist bei uns ein Hype, sein Konzert in Zürich diese Woche seit längerem ausverkauft. Es darf sich freuen, wer fürs Plaza ein Ticket hat. Und ja, Owen Pallett ist bezaubernd und glücklicherweise bald im Fri-Son zu sehen. Enttäuschend war das 80er Duo OMD, welches trotz Gastmusiker Moby nicht überzeugen konnte. The Kills sollten ihr neues Album vorstellen, der Versuch ist tontechnisch jedoch misslungen.

 

Es gab sehr viel zu sehen und zu hören in fünf Tagen: Musik, Essen, Trinken, Sonne, Menschen und das ganze mit amerikanischem Charme. Austin bleibt zwar in Texas, doch zumindest die Musik kommt bald und zahlreich auch nach Europa.

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