Kultur | 19.04.2011

Ein weiterer Erneuerer der Malerei

Text von Tobias Söldi | Bilder von zVg.
Es gibt nur wenig Informationen über den deutschen Maler Konrad Witz, der wahrscheinlich von 1400 bis 1446 lebte. Unter anderem in Basel. Trotz der unvollständigen Biographie zählt ihn die Kunstgeschichte zu den einflussreichsten Malern seiner Zeit. Das Kunstmuseum Basel zeigt seine Werke und Nachfolger noch bis zum 3. Juli.
Der wunderbare Fischzug Petri, für einmal am Genfersee. Sibbechais Rüstung glänzt auch nach über 500 Jahren wie am ersten Tag. Magdalena und Katharina in wunderschön fallendem Gewand. Christopherus' Stab war nicht immer gebrochen.
Bild: zVg.

Um Kunstausstellungen anzupreisen, wird nicht selten zu Superlativen gegriffen: Henri Rousseau wurde anlässlich der Ausstellung in der Fondation Beyeler als “wichtiger Wegbereiter der Moderne” bezeichnet; Georg Baselitz ist laut Artinside, einem Basler Kunstmagazin, “einer der “bedeutendsten Erneuerer auf dem Gebiet der zeitgenössischen Malerei”. In diese Reihe illustrer Erneuerer, Revolutionäre und Wegbereiter darf sich nun auch Konrad Witz einreihen. Er zählt zu den “radikalsten Erneuerer der Malerei in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts”. Ein derartiges Ereignis darf man sich natürlich nicht entgehen lassen – diesen Gedanken sollen die vollmundigen Anpreisungen wohl auslösen.

 

Die Errungenschaften von Konrad Witz

Aber hält die Ausstellung auch, was sie verspricht? Noch bevor man die ersten Gemälden im Kunstmuseum Basel sieht, liest der Besucher auf einer grossformatigen Informationstafel von den Errungenschaften, die Konrad Witz in die Malerei von Konrad Witz getragen hat: vollplastische Figuren, Schattenwürfe, dreidimensionale Räume und Oberflächenrealismus. Ausgerüstet mit diesem Wissen wagt man sich in die Ausstellung und tatsächlich findet man all die aufgezählten Charakteristika in vielen Gemälden wieder. Verblüffend ist zum Beispiel der Held Sibbechai aus dem Heilsspiegel-Altar. Die Rüstung des Ritters funkelt und glänzt, als ob sie gerade erst frisch poliert worden sei. Man beachte auch den abgerundeten Schatten des Schwertes auf der Rüstung, dem sie ihren plastischen Eindruck verdankt. Erstaunlich auch, wie gut es Witz gelingt, Kälte und Härte der Rüstung darzustellen.

 

Erstes Landschaftsporträt

An einem der eindrucksvollsten Gemälde der Ausstellung, “die Heiligen Magdalena und Katharina in einer Kirche”, erkennt man das Interesse des Malers an der Beschaffenheit von Stoffen. Beinahe verliert man sich zwischen den Kleiderfalten bei der Betrachtung des am Boden liegenden Gewandes der heiligen Katharina. Diese Beachtung der Oberfläche von Dingen ist bereits in der altniederländischen Malerei zum Beispiel bei Jan van Eyck erkennbar, mit der sich Konrad Witz wohl auseinandergesetzt haben muss. Der Hintergrund, vor dem die Figuren sitzen, ist nicht mehr wie lange Zeit üblich einfach eine Fläche, sondern es öffnet sich ein Raum mit grosser Tiefenwirkung, an dessen Ende man durch eine Tür auf das Treiben in der Stadt sehen kann. Übrigens darf man Konrad Witz auch als Maler des ersten Landschaftsporträts der Kunstgeschichte bezeichnen: Der auf dem Wasser wandelnde Jesus tut das nicht im See Genezareth, sondern in der Schweiz auf dem Genfersee.

 

Einfluss und Nachfolger

Mit Werken allein von Konrad Witz wäre die Ausstellung etwas mager ausgefallen, obwohl das Kunstmuseum Basel den grössten Teil der Werke von Witz zu seinem Besitz zählen darf. So eignet sich Basel hervorragend für eine Witz-Ausstellung, nicht zuletzt auch deshalb, weil Bilder aus dem 15. Jahrhundert aus konservatorischen Gründen zum Teil gar nicht mehr transportiert werden dürfen. Damit war auch das Kunstmuseum konfrontiert, weshalb man sich manchmal mit Reproduktionen in Originalgrösse zufrieden geben muss. Um der Ausstellung eine gewisse quantitative Grösse zu geben, werden auch Werke von anderen Malern gezeigt, die offenkundig von Witz inspiriert wurden oder gar aus seiner Werkstatt stammten. Erhellend sind auch die Infrarotreflektographien, die jeweils die Unterzeichnung, also die Vorzeichnungen eines Gemäldes sichtbar machen. Dadurch kann man die Entstehung der Bilder verfolgen. So muss zum Beispiel die Idee, Christopherus mit einem gebrochenen Wanderstab zu zeigen und damit das Gewicht Jesu und die Anstrengung des Tragenden zu verdeutlichen, erst während dem Entwurf aufgetaucht sein: Auf der Unterzeichnung gibt sieht man nämlich neben dem gebrochenen auch einen intakten Wanderstab.

Links