Kultur | 04.04.2011

Ein Abend für Feinschmecker

Text von Tobias Söldi
Das Menü heisst "Bscene'11" und besteht aus Musik. Die Geschmacksrichtung, die Zutaten und das Lokal kann man selber auswählen: 60 einheimische Bands aus verschiedenen musikalischen Ecken von HipHop über Indie bis Jazz auf 15 Bühnen in ganz Basel. Guten Appetit!
Ein Leckerbissen: Das Indie-Trio My Heart belongs to Cecilia Winter. Fotos: Tobias Söldi Fuckup liefert in der "nt*Lounge" ein Potpourri aus Electro und Rock. Im Gare du Nord beigeistert We invented Paris das Publikum. Kunstprojekt inklusive. Reggeamusik von der Band Schwellheim sorgt im Volkshaus für ausgelassene Party- und Tanzstimmung.

Als ersten Gang wählen wir nach einem Blick in die BScene-Speisekarte die kurzfristig eingesprungenen My Heart belongs to Cecilia Winter. Die Indie-Band feierte mit ihrem Debut-Album “Our Love Will Cut Through Everything” von 2010 beachtliche Erfolge im In- und Ausland. Weshalb dies so ist, wird an diesem Abend eindrucksvoll klar. Das Trio gibt Indierock zum Besten, wie man ihn vielleicht von den Kanadiern von Arcade Fire kennt. An letztere erinnern die schwelgenden, harmonietrunkenen, manchmal nachdenklichen, manchmal euphorischen Melodien und die abwechslungsreiche Instrumentierung. Der Sänger wechselt beispielsweise zwischen Klavier, Gitarre und anderen Instrumenten, von deren Existenz man nicht einmal wusste. Während dem Konzert vergewissert man sich immer wieder, ob die Musik wirklich nur von einem Trio kommt, so detailverliebt und voll wirkt der Sound. Das Publikum erschien zahlreich, klatschte artig, war aber noch etwas steif, was sich im Laufe des Abends noch ändern sollte. Fazit: ein Leckerbissen.

 

Junger Nachwuchs

Nach einem Verdauungsspaziergang in die “nt*Lounge” ist man bereit für den nächsten Gang, und der heisst etwas unappetitlich Fuckup. Deren Musik ist ein Potpourri aus Electro und Rock. Schwere Bassläufe ertönen aus den Boxen, begleitet von meist programmierten Drums. Dazu eine Gitarre, elektronische Spielereien und beindruckender Gesang. Im direkten Vergleich wird schnell klar, dass My Heart belongs to Cecilia Winter über mehr Erfahrung verfügen. Nichtsdestotrotz muss man sagen: Ein gutes Gericht, bei dem aber noch ein wenig an den Feinheiten und an der Würze  gearbeitet werden muss.

 

Akustischer Indiepop

Die Überraschung des Abends wird am Schluss aufgetischt: We invented Paris mit ihrem grösstenteils akustischen, ruhigen Indiepop im “Gare du Nord”. Das Publikum war sichtlich begeistert. Gründe dafür gibt es genügend: Der mehrstimmige Gesang, die sanfte Melancholie ihrer Songs, die Melodieverliebtheit und die Energie, dank der auch ruhige Stücke zu packen vermochten. Zum Finale des letzten Stückes trommelt die ganze Band wie wild auf irgendwelchen Gegenständen auf der Bühne, worauf die Zuschauer mit grossem Applaus reagieren und die Band nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen lassen. Eine besondere Würze verleiht dem Auftritt ein Kunstprojekt, das während dem Konzert durchgeführt wird. Die Besucher dürfen jeweils kleine Leinwände nach einem vorgegebenen Muster bemalen, die dann an eine vorbereitete Wand auf der Bühne zusammengefügt werden und ein grosses Bild ergeben. We invented Paris: Eine Entdeckung, die Lust auf mehr macht. “Délicieux”, würde der Franzose dazu sagen.

 

Bis in die Morgenstunden

Zu guter Letzt gibt es leicht bekömmliche Kost von der Reggae-Band Schwellheim, die eigentlich nichts falsch machen kann. Sie  haben das Glück, die einzige Live-Band zu sein, die um diese Uhrzeit noch spielt. Das zahlreich erschienene Publikum im Volkshaus ist gut gelaunt, hat Spass und scheint vor allem eins zu wollen: Tanzen. Schwellheim liefert den geeigneten Sound dazu. Wer danach noch Lust auf ein Dessert hat,  kann zu den DJs gehen, die bis in die frühen Morgenstunden Musik für Tanzwütige auftischen.

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