Kultur | 11.04.2011

Die Tragik eines Strommastes oder: Die Komik eines Stromausfalls

Zur Sonne hoch klettern ist eine von über 500 Interpretationen des Themas "Energie" am Wettbewerb des internationalen Comicfestivals Fumetto. Aus Luzern weht diese Woche ein dringend nötiger, frischer Wind voller Humor in die Energiedebatte.
Eine Blitzgöttin übt Rache im Comic von Wettbewerbsteilnehmer Michael Ross.
Bild: Flavia Flückiger Die Ausstellung der eingesendeten Beiträge ist als pfeilförmiger Tunnel angelegt.

Reisen, Liebe, Wahnsinn, Heimat. Wie verarbeitet man solch universelle Begriffe zu einem knappen Comic? Das internationale Comicfestival Fumetto fordert jährlich in einem Wettbewerb angehende Künstler auf der ganzen Welt auf, ihre Comics einzusenden. 589 haben sich dieses Jahr mit dem Thema Energie auseinandergesetzt.

 

Alarmlämpchenrot schimmert der Gang im Festivalzentrum Kornschütte an der Reuss, wo in drei Alterskategorien eingesandten Werke noch bis am Sonntag ausgestellt sind. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich diesem Ding um einen Pfeil. Beim Durchwandern entdeckt man Ideen, wie der Energiehaushalt der Erde in Zukunft aussehen könnte. Die Zukunft, sie hängt auch von der Antwort auf die Frage nach der Energie ab.

 

Fantasie trifft auf Pragmatismus

Energie. Lassen die Wettbewerbsthemen sonst einen allzu grossen Spielraum offen, hat die Jury zum 20. Geburtstag des Fumetto Festivals den Nagel schlichtweg auf den Kopf getroffen. Wer jetzt an Atomkraft, Sonne, Wind, Energiesparlampen etc. denkt, liegt richtig. Wer eher in Richtung Blitzgöttinnen, aufeinandergestapelte Pferde und Glühwürmchen tendiert, auch.

 

Die Wettbewerbseilnehmenden schreiben dem Thema nicht nur die politische, technische oder moralische Dimension zu, mit welcher uns die Nachrichten tagtäglich versorgen. Wir sehen – bei aller Mannigfaltigkeit der verwendeten Techniken – eine junge bis ganz junge Generation von Künstlerinnen und Künstlern, deren Fantasie noch überhaupt nicht verblasst ist, die aber gleichwohl von einem ungeahnt zynischen Pragmatismus gezeichnet ist.

 

Energie und -losigkeit

Gewusst, dass der Mensch nur gerade 40 Watt mehr Energie abgibt als eine gewöhnliche Glühbirne (60 W)? Dies fragt Cécile (1989) aus Forest Bruxelles in ihrem Comic über “L’énergie humaine” in einer Kette von humorvollen Schlussfolgerungen. Wenn Menschen jede innere Energie verlieren, nennt man das auch Burnout – die Gegenseite ist am Fumetto in Bildern ebenfalls vertreten. Eine geballte Ladung Energie bekommt ein irdischer Jüngling ab, als er eine Blitzgöttin betrügt.

 

Andere versuchen sich in die stromfressenden Geräte hineinzuversetzen. So zeigt Janne Marie (1995) aus Göttingen in einer feinen Zeichnung in Grau, Schwarz und Weiss, wie sich ein Strommast fühlen muss, “nie dorthin zu können, wo das ankommt, was alles durch ihn fliesst”. Düster geht die Geschichte bei Lola (1993) aus St.Argue aus: Ein Staubsauger konfisziert das Kind seiner Besitzerin, als diese ihm keinen Strom mehr füttern kann.

 

Auf der Sonnenseite

Lösungsorientiert sieht es Alison (2001) aus Zürich und stapelt in leuchtenden Wasserfarben so viele Pferde aufeinander, bis der Tierturm hoch zur Energiequelle Sonne reicht. Zwei junge Teilnehmerinnen sehen auf die Sonnenseite: Bei Eric (2001) gelingt es Glühwürmchen und Menschen, mit vereinten Kräften neue Energie zu gewinnen. Und in Ronjas (1994) Comic verhindert der Stromausfall einen Diebstahl.

 

Es gibt Sachen, die gibt es nur im Comic, wäre man nach einem Rundgang durch den roten Pfeil geneigt zu sagen. Wenn nur nicht so real wäre, was Eva Rust (1986) in ihrem Comic über den Einkauf von Erdbeeren schonungslos auf den Punkt bringt: Die Kundin würde ja sofort die Erdbeeren aus der Region kaufen, wären die importierten (aber sonst gleich teuren) Produkte im Preis nur nicht um 15 % reduziert.

 

 

Wettbewerb: Die Gewinner


Ab 18 Jahren:

  1. Mathilde Vangheluwe, BE
  2. Cloe Alliez, BE
  3. Michael Ross, DE

 

13 bis 17 Jahre:

  1. Paul Wiesner, DE
  2. Linus Maurmann, CH
  3. Samuel Schuhmacher, CH

 

Bis 12 Jahre:

  1. Sina Stähli, CH
  2. Eric Reutener, CH
  3. Elias Gaberthuel, CH

Szenariopreis: Elenore Ware (1976), FR