Gesellschaft | 05.04.2011

Die Natur der Natur

Text von Claudio Dulio | Bilder von Julia Weiss
Die Natur ist nicht nur toll und schön. Sie kann auch ganz schön fies sein. Ihre Gemeinheiten richten sich nicht selten nur gegen ganz bestimmte Menschen. So beispielsweise gegen mich.
Bild: Julia Weiss

Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Nein, der Kater ist kein Naturverächter – er ist ein Heuschnüpfeler.

 

Heuschnüpfeler sind Menschen, die mit der Fertilität bestimmter Pflanzen ein Problem haben. Das Problem ist nicht emotionaler, sondern physischer Natur. Beim Kater manifestiert es sich hauptsächlich in Form juckender und geschwollener Bindehäute, Niesattacken sowie temporärer Erlahmung der Gehirntätigkeit.

 

Eigentlich dürfte ich das den Bäumen, Sträuchern und Gräsern ja gar nicht übel nehmen. Die lieben Pflänzlein haben ja auch nur das ganz natürliche Bedürfnis, ihre Gene weiterzugeben.

 

Doch bei der Wahl ihrer Ausbreitungsmethode könnten sie durchaus ein wenig mehr Rücksicht auf die Allergie-geplagten Menschen dieses Erdenrunds haben. Sie könnten sich an uns ruhig ein Vorbild nehmen – ein erstes Rendezvous, einander besser kennen lernen, mit Rotwein und/oder Tequila abfüllen undsoweiterundsofort… Aber nein: Stattdessen verstreuen sie ihr genetisches Material in alle Winde. Sie pollen völlig wahllos drauflos und irgendwelche fremden und ahnungslosen Nachbarbäume damit ein.

 

Und wer befindet sich ausgerechnet zwischen Spender und Empfänger? Ich natürlich. Respektive meine Augen, meine Ohren und mein Atmungsapparat. Und die freuen sich nicht gerade über diesen unerwarteten Besuch.

 

Ich habe schon vieles versucht, um die lästigen Folgen der jährlichen Baum-Brunft-Zeit in ihrer Gravität zu mindern. Homöopathie. Desensibilisierungstherapie. Traditionelle chinesische Akkupunktur und Phytotherapie. Kortisoninjektionen. Hypnose (zuerst an mir, dann mit den Bäumen). Das Tragen von Hochalpin-Sonnenbrillen oder Burkas.

 

In einem Akt der Verzweiflung besuchte ich bereits Baumschulen und gab dort den Sprösslingen Aufklärungsunterricht. Doch hatte ich das Gefühl, ich würde bloss ungehört in einen Wald schreien. Und es erwies sich als ein Ding der Unmöglichkeit, einem Nadelbaum ein Kondom unbeschädigt überzustreifen. Das liegt wohl an der Natur der Natur.

 

Doch habe ich noch nicht aufgegeben. Mein nächster Plan: Ich will die brasilianische Holzindustrie in der Schweiz ansiedeln. Diese würde der einheimischen Wälderpracht – schnipp-schnapp – ein rasches Ende bereiten. Und falls dies nicht klappt, gibt es da ja noch die Exit-Strategie. Ich habe gehört, dass in der Sahara nur wenige Menschen an Heuschnupfen leiden.

 

 

Schwarzer Kater


Tink.ch hat sich ein Haustier angeschafft: Der Schwarze Kater sitzt gerne über dem warmen Kamin und beobachtet, was um ihn herum geschieht. Eigentlich ist er verspielt und verschmust – doch missfällt ihm etwas, zeigt er auch gern die Krallen.