Gesellschaft | 11.04.2011

Ausweg in die Revolte

Wenn das Leben doch so sinnlos ist, warum dann nicht Selbstmord begehen? Jemand, der sich diese Frage immer wieder stellte, war der 1913 in Algerien geborene Philosoph Albert Camus. Ein kurzer Einblick in sein Werk und eine Liebeserklärung.
Albert Camus (1913-1960).
Bild: nouvellesimages.de Sisyphos auf einem Bild des deutschen Malers und Bildhauers Franz von Stuck. wikimedia.org

Die mythologische Gestalt des Sisyphos ist vermutlich den meisten ein Begriff, hat dieser doch bis heute nicht an Aktualität verloren. Es handelt sich bei Sisyphos um einen Held der griechischen Mythologie, der als Strafe unaufhörlich einen Felsblock einen Berg hinauf rollen muss. Obwohl der Stein, fast oben angekommen, gleich wieder hinunterrollt. Diese literarische Figur, die das Absurde wie auch die Sinnlosigkeit der Welt verkörpert, ist zum Dreh- und Angelpunkt der gesamten Camus’schen Philosophie geworden.

 

Das Absurde

Für Camus beginnt alles mit der Erkenntnis des Menschen, dass nichts auf der Welt einen Sinn hat – insbesondere das Leid und Elend, das schlicht und ergreifend unerklärbar ist. Camus “absurder Mensch” ist folglich immer atheistisch, denn er sieht keine Erklärung für sein Leiden. Der nach Sinn strebende Mensch steckt somit in einem existenziellen Konflikt, denn die sinnlose Aussenwelt kann ihm keine Antworten auf seine Fragen liefern. Fragen wie: Wer bin ich? Worin liegt meine Existenz begründet?

 

Die Revolte

Camus bietet aber auch einen möglichen Ausweg aus der Zwickmühle: Er rät den Menschen, nicht in Verzweiflung und Passivität zu verfallen, sondern aktiv und unabhängig von einer möglichen Existenz Gottes oder dessen Gnade gegen die Sinnlosigkeit zu revolutionieren und sich innerlich aufzulehnen.

 

Wir sollen uns gemäss Camus die mythologische Gestalt des Sisyphos zum Vorbild nehmen, da dieser zwar die Sinnlosigkeit seiner Tätigkeit wie auch seines Daseins annimmt, aber trotzdem nie aufgibt und so das Schicksal in die eigene Hand nimmt. Sein Leben selbst anpacken lautet also die Devise.

 

Der Positivist

Albert Camus spricht mit seiner Philosophie vielen Leuten aus dem Herzen. Dies zeigt auch die hohe Buchauflage seiner beiden Abhandlungen “Der Mensch in der Revolte” und “Der Mythos des Sisyphos”. In seinem philosophischen Gesamtwerk spricht sich Camus immer wieder für Freundschaft und Liebe sowie gegenseitige Solidarität aus, da diese drei Komponenten die Menschen einander näher bringen und sie vereinen. Dies verdeutlicht Camus vor allem in seinem Roman “Die Pest”, in welchem die Revolte alleine nicht mehr ausreicht, um dem Menschen einen Sinn im Leben zu geben. Alles sollte, so der Autor, immer aus Liebe geschehen, so auch das Revoltieren. Albert Camus – trotz pessimistischen Ansichten ein gnadenloser Positivist. Dafür lieben wir ihn.

 

Anzumerken bleibt, dass Camus die Revolte als notwendig bezeichnet, diese jedoch nicht zum eigentlichen Ziel führt, da die Menschen schlussendlich doch einen sinnlosen Tod sterben werden. Dieser wird aber als krönender Abschluss eines absurden Lebens gesehen, da zu diesem Zeitpunkt alle sinnlosen Taten und Auflehnungen gegen das Absurde ein Ende finden.