Kultur | 05.04.2011

Antworten auf dem Silbertablett serviert

Text von Corina Fuhrer | Bilder von zvg
«Hans im Glück. Eine Reise ins Glück und zurück", ist eine Neuauflage des altbekannten Grimm Märchens. Es führt Kinder und Jugendliche auf humorvolle und reflektierte Art in die Denkweisen der Erwachsenen ein, lässt dabei verschiedene Definitionen von Glück zu und besticht durch unbekümmertes Schauspiel.
Dorothée Müggler, Moritz Stäubli und Frank Gerber fragen in "Hans im Glück" ganz grundsätzlich, ob Hans wirklich nur zum Gold will.
Bild: zvg

Hans geht seinem Glück weder zu Fuss entgegen, noch trägt er Wanderschuhe oder stützt sich an einem Holzstock, und lustig pfeifen tut er schon gar nicht. Nein, dieser Hans (Moritz Stäubli) fährt Rollschuh, ist irrsinnig cool, und wird auf seiner Reise von der Mutter (Frank Gerber) auf der Elektrogitarre begleitet. Es ist die zeitgemässe Verkörperung eines jungen, ungeformten Mannes, dessen Charakterzüge direkt aus Grimms Märchenbuch hinaus ins 21. Jahrhundert katapultiert wurden. Gelandet sind sie im Berner Schlachthaus, in einer modernen Inszenierung von “Hans im Glück” der Berner Gruppe Weltalm.

 

Lieber einen Marschall-Verstärker

Hans hat seinen Lohn aus sieben Jahre Lehre – einen Goldklumpen – auf seinem Weg zurück zur Mutter immer wieder unter Wert getauscht, bis er schliesslich mit leeren Händen vor dem Elternhaus steht. Seine kindliche Freude, endlich wieder daheim zu sein, erwidert die Mutter nicht. Sie hatte sich in all der Zeit vor allem auf das Geld gefreut, welches ihr einen neuen Marschall-Verstärker ermöglichen sollte. Sie ist es denn auch, welche die Geschichte rückwärts laufen lässt – und ihren Sohn dazu bewegt, sich den verschenkten Goldklumpen wieder zu holen. Wo das Märchen der Gebrüder Grimm endet, beginnt die Variation der Gruppe Weltalm erst richtig.

 

Beschlagnahmte Rollschuhe

Auf seinem holprigen Rückweg begegnet der Protagonist Frau Chlapfagring (Dorothée Müggler) oder dem Ehepaar Herzensgut – und wird auch mit sich selbst konfrontiert. Was als blinde Jagd auf das Goldstück beginnt, verlangsamt sich immer mehr und mehr, bis hin zu der Frage, wo Hans ganz grundsätzlich hin will.

 

Die Fortsetzung des ursprünglichen Märchens erlaubt den Produzenten zwar viel kreativen Zusatz, verliert dabei aber ein grosses Stück seiner simplen Magie. Die eigene Beschäftigung mit der Frage nach dem Glück wirft durchaus Fragen auf. Fast alle Antworten werden auf dem Silbertablett serviert. Das Stück zielt zwar teilweise in eine neue Richtung und thematisiert im zweiten Teil das Loslösen von den Eltern. Als Metapher dazu dienen ein Paar Rollschuhe, welche von der Mutter beschlagnahmt und festgebunden werden, und erst ganz zum Schluss wieder den Besitzer wechseln. Jedoch dringt diese Absicht der Macher wohl nicht gänzlich bis zu den jungen Zuschauern durch.

 

Die Kernaussagen gehen in diesem Potpourri aus schrägen Figuren und frischer Sprache mit gewollt misslungenen Anglizismen etwas unter. Dafür lässt diese Uraufführung keinen Lachmuskel unbewegt.

 

 

Gruppe Weltalm: Hans im Glück


Weitere Aufführungsdaten: 9.4., 10.4.

Idee: Dorothée Müggler und Matto Kämpf

Spiel: Dorothée Müggler, Philippe Graber, Moritz Stäubli

Regie: Markus Gerber

Musik: Frank Gerber

Licht und Technik: Andy Giger

Ausstattung: Sibylla Walpen