Gesellschaft | 11.04.2011

AKW-Gegner zelten im “Garten” der BKW

Text von Marc Deriaz | Bilder von Lukas Ehrsam
«Wir wollen, dass das AKW Mühleberg sofort abgeschaltet wird!" So lautet die Forderung der Männer und Frauen, die seit letztem Dienstag vor dem Hauptsitz des Stromkonzerns BKW campieren.
Auf dem Rasen am Viktoriaplatz versammelten sich am Samstag die AKW-Gegner bei schönstem Wetter.
Bild: Lukas Ehrsam

Rund 20 Zelte mit über 30 AKW-Gegnern tummeln sich derzeit auf dem Rasen vor dem Hauptsitz der BKW am Viktoriaplatz, Tendenz steigend. Die Demonstranten haben Zelte, mobile Toiletten, eine Küche und viele Solarzellen aufgebaut und es sich auf Matratzen gemütlich gemacht. Viele sind nicht dauerhaft am Campen, sondern kehren immer wieder für kurze Zeit nach Hause zurück, etwa damit sie sich ausruhen oder duschen können.

 

Illegales, bisher friedliches Camp

Gefordert wird gemäss Transparenten an erster Stelle eine Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg bei Bern. Auf die Frage, was wäre, wenn das AKW in fünf Monaten immer noch läuft, fiel die Antwort am Samstag sehr optimistisch aus: “Wenn nur zehn Leute hier wären, wäre dieses Projekt schnell ausgestorben. Aber da immer wieder von neuem Menschen und auch Familien hier campieren, könnte das Projekt durchaus länger als fünf Monate bestehen.” Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) betonte auf Anfrage verschiedener Berner Zeitungen, die Stadtpolizei habe die Zeltstadt nicht bewilligt und diese sei somit illegal. Die BKW kann jederzeit mithilfe der Stadtpolizei Bern das Camp räumen lassen. Die Demonstration ist bisher friedlich verlaufen, was den Dialog zwischen Behörden und Demonstranten begünstigt.

 

Strom sparen hat Priorität

Über Alternativen zur Atomkraft diskutierten die Aktivisten am Wochenende mit den Besuchern, die auf einen Brunch, zur Unterstützung oder einfach aus Neugier am Viktoriaplatz vorbeischauten. Die Umsetzung von Solardächern auf allen Häusern in der Schweiz sei realistisch, fand zum Beispiel ein Demonstrant. Die Preise bei den AKWs seien nur anders verlagert, so ein anderer. Auch Kohlenkraftwerke schadeten der Umwelt und auch diese solle man sofort abschaffen, obwohl es in der Schweiz bereits heute fast keine mehr gibt. Windräder oder Solarzellen seien die Stromzufuhr der Zukunft. Aber im Endeffekt würden solche Massnahmen auch nicht viel nützen. Ein Demonstrant meinte: “Die Bevölkerung sollte einfach nicht so verschwenderisch mit unserem Strom umgehen!”

 

Geld für erneuerbare Energie ja, aber mit Vorbehalt

Was wäre, wenn man in Bern Windkraftwerke bauen würde, was relativ unrealistisch ist, da es hier zu wenig Wind gibt? “Als Projekt wäre das sehr spannend, obwohl man damit der Umwelt grossen Schaden zufügen würde”, so einer der Campierenden. Die meisten Menschen auf dem Viktoriaplatz seien politisch grün eingestellt, “und bereit, etwas mehr zu bezahlen für Solarzellen und Windkraftwerke”. Wenn aber ein Solarpanel oder ein Windkraftwerk vor das eigene Haus gebaut würde, gäben sich die Leute dann wieder sehr skeptisch.

 

Obwohl noch unklar ist, bis wann die AKW-Gegner bleiben dürfen, gaben sich die Leute am Wochenende gelassen und es herrschte eine gemütliche Stimmung. Nicht alle Passanten waren derselben Meinung. Ein Wagen fuhr an dem Campingplatz vorbei und ein junger Mann am Steuer rief aus dem Fenster: “Nur Atomkraftwerke! Nur AKW!”.

 

Heute Dienstag um 12.00 Uhr findet ein “Protest-Picknick” statt – mit musikalischer Begleitung des Berner Rappers Greis.