Gesellschaft | 29.03.2011

Wenn Gewinn nicht alles ist

Text von Sonja Nodup
Tink.ch hat Barbara Rosslow, Leiterin Kommunikation bei der Alternativen Bank Schweiz, interviewt.
Barbara Rosslow ist von der Idee der Alternativen Bank überzeugt.

Worin unterscheidet sich die ABS von einer anderen Bank?

Die ABS verkörpert die soziale und ökologische Alternative zu anderen Banken in der Schweiz. Das heisst, sie zeigt Wege auf, wie Geld ethisch korrekt angelegt oder investiert werden kann. Die ABS verzichtet auf Gewinnmaximierung und stellt ihre ethischen Grundsätze in den Vordergrund. Sie finanziert und investiert in nachhaltige Projekte und Unternehmen. ABS-Kunden wissen, was mit ihrem Geld geschieht, denn sämtliche ausbezahlten Kredite werden mit Namen, Verwendungszweck und Betrag im gedruckten Geschäftsbericht veröffentlicht.

 

Heutzutage rühmen sich praktisch alle Schweizer Banken ihrer Nachhaltigkeitspolitik, halten sich an interne Ethik-Richtlinien und bieten sogenannte Ökofonds an. Braucht es da überhaupt noch eine alternative Bank?

Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob das Wort ‘Nachhaltigkeit’ lediglich als Marketinginstrument dient, um einem Trend hinterherzujagen, oder ob die Nachhaltigkeit wirklich durch und durch im Betrieb gelebt wird. Die ABS hat nicht nur einen grünen ‘Fond’ und daneben hundert andere Sachen in ihrem Angebot: Ihr ganzes Geschäftsmodell ist auf die Nachhaltigkeit ausgerichtet. Nachhaltigkeit heisst für uns, die gleichberechtigte Berücksichtigung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedürfnisse. So bewirkt das angelegte Geld Sinnvolles für die Umwelt und den Menschen. Oft wird Nachhaltigkeit vor allem so verstanden, dass etwas langfristig Gewinn abwerfen soll. Auf wessen Kosten das passiert, ist dabei zweitrangig. Zum ABS-Geschäftsmodell gehört aber nicht nur das ‘alternative Wirtschaften’. Genauso wichtig sind für uns die Mitwirkung der Mitarbeitenden, die Gleichstellung der Geschlechter sowie die transparente Entlöhnung.

 

Sind Finanzkrise, Schwarzgeld und überbordende Managerlöhne Probleme, von denen eine alternative Bank wie die ABS nicht betroffen ist?

Schwarzgeld nehmen wir nicht an, wir verfolgen seit der Gründung vor 20 Jahren eine konsequente Weissgeldstrategie. Überbordende Managerlöhne sind bei uns sowieso kein Thema: Die Lohnspanne zwischen dem höchsten und dem tiefsten Gehalt beträgt heute 1 zu 3,5. Ausserdem herrscht Transparenz über die Lohnbezüge: Alle Mitarbeitenden haben Einblick in die Lohnprotokolle und die Löhne der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates werden zusätzlich extern publiziert.

In den letzten Jahren haben verschiedene Krisen die Menschen dazu bewegt, sich Gedanken über ihren Umgang mit Geld zu machen. Die Finanzkrise hat uns viele neue Kundinnen und Kunden und somit auch sehr viele Gelder beschert. Während der Zuwachs an Kundschaft und Geldern zeigt, dass die ABS als transparente, soziale und ökologische Bank auf grosses Interesse stösst, stellt sich die anhaltende Tiefzinsphase als Herausforderung dar, da sich die ABS primär über ihr realwirtschaftlich ausgerichtetes Zinsdifferenzgeschäft finanziert.

 

Die Gründung der ABS rief in der Schweizer Wirtschaftswelt wenig Begeisterung hervor, die Bank wurde mit ihrem alternativen Geschäftsmodell als kaum überlebensfähig eingeschätzt.  Wo steht die ABS heute?

Wir haben bewiesen, dass unser alternatives Geschäftsmodell nicht nur einfach im Markt bestehen kann, sondern darüber hinaus auch ziemlich erfolgreich ist: 1990 starteten wir mit acht Personen. Zwanzig Jahre später sind wir 80 Mitarbeitende, zählen über 25’000 Kundinnen und Kunden, rund 4’400 Aktionärinnen und Aktionäre, sowie eine Bilanzsumme von über einer Milliarde. In der Schweiz sind wir führend in Sachen ökologische und soziale Kredite. Das ist doch ziemlich erstaunlich, oder?

 

In welche Richtung wird sich die ABS weiterentwickeln? Werden Sie weiterhin beim klassischen Bankgeschäft bleiben?

Wir sind hauptsächlich eine Spar- und Kreditbank. Wir überlegen jedoch stets, welche Produkte wir der Kundschaft anbieten können. Seit 2007 haben wir ein Anlageberatungsgeschäft aufgebaut, welches wir vor allem in diesem Jahr noch weiterentwickeln werden, um weniger vom Zinsdifferenzgeschäft abhängig zu sein.

Aus unserer Sicht gibt es aber auch noch einiges im klassischen Bankgeschäft zu tun. Ebenso gibt sich die ABS einen gesellschaftspolitischen Auftrag, sie möchte eine Plattform bieten, um Themen rund um das Geld in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Eine Veranstaltungsreihe ist bereits in Vorbereitung.

 

Wie sehen Sie die Schweizer Finanzwelt der Zukunft? Gibt es einen Trend in Richtung nachhaltiges, verantwortungsbewusstes Handeln?

Sicher hat die Finanzkrise etwas ausgelöst. Der Staat versucht nun mit Regulierungen, die Banken zu weniger risikoreichem Wirtschaften zu zwingen. Tatsächlich scheint sich aber nicht allzu viel verändert zu haben: Viele Banken wirtschaften fast gleich wie vor der Krise. Das hat vielleicht auch mit der herkömmlichen Bankenausbildung  zu tun, wo vor allem die Profitmaximierung im Vordergrund steht. Somit ist der Rückfall in alte Verhaltensmuster vorprogrammiert und der Lerneffekt der Krise hält nur sehr kurzfristig an. Solange den Kundinnen und Kunden  der Zins bzw. ‘der Preis’ am Wichtigsten ist, wird sich nichts ändern. Um wirklich etwas ändern zu können, wäre der Druck der Kundschaft notwendig.