Sport | 21.03.2011

“Wenn du heute nicht arbeitest wie ein Profi, wirst du nie einer werden”

Text von Fabian Saner | Bilder von Fabian Saner
Marco Müller muss für "den schönsten Sport der Welt", wie er ihn nennt, hart trainieren. Was ein angehender Eishockeyprofi ausserdem braucht, um Ausbildung, Sport und "Regeneration" unter einen Hut zu bringen.
Gewann letzten Samstag mit den Bern Novizen den Schweizer Meistertitel: Marco Müller.
Bild: Fabian Saner

Frühmorgens um 8 Uhr bereits sprinten, Gewichte heben oder sonstige schweisstreibende Drills ausführen. Der Gedanke an ein derartiges Erwachen schlägt den meisten Jugendlichen auf den Magen. Doch für Marco Müller von der Novizen Elite, einem Team der SCB Future AG, ist dies Alltag.

 

Von Olten über Biel nach Bern

Schon seit seinem dritten Lebensjahr steht der heute 17-jährige Marco auf Schlittschuhen. Durch seinen Vater, den ehemaligen Profi-Eishockeyspieler, der mit dem EHC Olten während sieben Jahren in der Nationalliga A und während sieben weiteren in der Nationalliga B spielte, fand Marco bereits in so jungem Alter Gefallen an der Sportart. Heute noch ist sie für ihn die «schönste der Welt ist-.  Eishockey ist ein schneller körperbetonter Sport, genau nach dem Geschmack des jungen Stürmers, der vielseitig einsetzbar diese Saison oft als Center agierte. So ist für ihn klar, dass der Weg über kurz oder lang, auch ohne Eishockey-begeisterte Familie zu diesem Sport geführt hätte.

 

Vom EHC Olten und über den EHC Biel fand Marco vor drei Jahren zum SCB. In Bern geniesse er die gute Infrastruktur sowie die umfassende Betreuung durch Trainer und Staff. Als Teamleader der Novizen Elite durfte der kräftige Marco, dessen Stärken auf dem Platz in Form von Tempospiel und einem präzisen Schuss zum Ausdruck kommen, bereits diese Saison mit den älteren Elite-Junioren trainieren. Um dann nächste Saison endgültig für die Elite spielen zu können, muss der Vertrag, der zu Hause liegt, nur noch unterschrieben werden.

 

Der Traum von der NHL

Die Stufe der Junioren Elite ist schliesslich die letzte und sogleich auch die einzige Nachwuchsstufe, bei der ein Spieler drei Jahre und nicht nur zwei spielen darf. Ob danach der Schritt in die erste Mannschaft des SCB geschafft wird, ist noch völlig offen und hängt mitunter von der zwischenzeitlichen spielerischen, körperlichen und psychischen Entwicklung der Junioren ab. Meistens schaffen nämlich lediglich ein bis zwei Spieler pro Jahr den Durchbruch und kommen zur Eiszeit in die erste Mannschaft. Von diesen wenigen, die sich auf Schweizer Eis durchsetzen, gibt es einen ganz kleinen Teil, der anschliessend noch versucht in der besten Liga der Welt, der amerikanischen NHL, Fuss zu fassen.

 

“Ein Traum” ist die NHL auch für Marco. Sein Ziel, das wesentlich näher liegt, sei es, zu Einsätzen in der schweizerischen National League zu kommen. Um eines Tages mit Rüthemann, Dube, Vigier und Co. spielen zu können, trainiert die Novizen Elite mindestens einmal täglich. Zusätzlich zu den Eistrainings sind Trainingseinheiten neben dem Eis im Kraftraum, Lauftraining oder sonstiges Konditionstraining Fixpunkte in Marcos Wochenplan. Die Zeit, die Marco wie ein “normaler” Jugendlicher als Freizeit nutzen kann, bezeichnet er bewusst als Regeneration. Nicht zuletzt um Verletzungen vorzubeugen, gibt er enorm Acht auf seinen Körper, der ja schliesslich sein Kapital ist.

 

Schritt für Schritt

Verletzungen oder andere unglückliche und unvorhersehbare Ereignisse haben schon Karrieren von manchen jungen Talenten gebremst oder gestoppt. Damit er “auf zwei Beinen stehen kann” absolviert Marco deshalb zusätzlich eine KV-Lehre bei Energie Wasser Bern. Dank dem Angebot der Sportlerlehre gelingt es ihm, Sport, Berufsausbildung sowie einen Tag Schule in der Woche unter einen Hut zu bringen. “Wenn du heute nicht arbeitest wie ein Profi, wirst du nie einer werden”, sagt er. Deshalb halte er durch.

 

“Bis jetzt konnte ich – nicht zuletzt auch dank meinen Eltern, für deren Unterstützung ich sehr dankbar bin – dieser Belastung gut standhalten”, erzälhlt er. Letztes Wochenende konnte Marco mit seinem Team den Meistertitel feiern, nachdem die Novizen Elite die “Best-of-Three” Finalserie gegen die ZSC Lions bereits nach zwei Spielen für sich entschieden hatten. Damit er persönlich auch zukünftig auf sportlichen Erfolg zählen könne, wolle Marco weiterhin diszipliniert arbeiten und nie restlos zufrieden mit sich und seiner Leistung sein. Schritt für Schritt nähert er sich seinem Ziel, Eishockeyprofi zu werden und wer weiss, vielleicht wird eines Tages sogar der grosse Traum von der NHL wahr.