Gesellschaft | 08.03.2011

Vorher die Miss Schweiz abschaffen

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel
Die Genfer Stadtpräsidentin und Autogegnerin Sandrine Salerno will einen Autosalon ohne Hostessen. Sie empfindet die hübschen Frauen vor den Autos als sexistische Beleidigung für den Besucher. Doch die Hostessen sind mehr als eine überholte Tradition.
Nicht bloss Fleisch, sondern auch Sympathieträgerinnen: Die Hostessen am Autosalon.
Bild: Julian Stiefel

Die Frauen vor den Autos gehören seit eh und je zum Autosalon. Trotzdem stellt sich die Politikerin Sandrine Salerno in einem Interview mit “Le Matin” stark gegen diesen Kult. Sie bezeichnet es als Beleidigung für die Männer: “Das bedeutet, dass das Auto nicht genug interessant genug ist. Wenn Sie auf eine Landwirtschaftsmesse gehen, finden Sie auch keine Hostessen im Mini-Jupe und mit Nadelabsätzen, welche sich auf den Kühen aalen.” Salerno fragt sich vor allem, was für einen Zweck die Hostessen erfüllen. “Ist der Mensch ein Neandertaler, welcher Fleisch nötig hat, um sich am Auto zu interessieren?” Ihrer Meinung nach führen die Damen mit den knappen Kleidern nicht zu besseren Absätzen.

 

Das Objekt “Frau”

Die Feministin findet, dass die Frau zu sehr als Objekt dargestellt wird. Unterstützung erhält sie von der ehemaligen Miss Schweiz Amanda Ammann. Auch sie findet es furchtbar, dass man wie ein Objekt behandelt wird: “Man steht als Schmuckstück neben einem Auto, das sich auf einem Teller dreht.” Salerno stellt sich prinzipiell jedoch nicht gegen die Verwendung des Körpers für einen kommerziellen Nutzen.

 

Wieso Männer die Hostessen mögen

Laut Salerno regen die Hostessen die Fantasie von Männern an. Doch würde dann der Hersteller nicht genau seinen Zweck damit erfüllen? Oder stellen wir es uns umgekehrt vor: Es würde ein Mann vor dem Auto stehen. Macht sich nun irgendwer Gedanken darüber? Eine hübsche Frau und ein bezauberndes Lächeln wecken Sympathie. Es ist wohl nur natürlich, dass da eine gewisse Anziehung bei den Männern vorhanden ist. Grundsätzlich wird aber kaum jemand, abgesehen von Salerno selbst, den Autosalon ohne Interesse an den Fahrzeugen besuchen. Vielleicht sollten wir uns zuerst sogar Gedanken über den Sinn von Miss-Schweiz-Wahlen machen.

 

Das Berufsbild

Man sollte bedenken, dass die Models mit der Tätigkeit am Autosalon Geld verdienen. Oft machen sie es beruflich. Die Arbeit ist zwar hart, der Lohn aber nicht schlecht. Sie sind sich die Blicke der Männer und die Kameras gewohnt. Dass gewisse Männer aufgrund des Sex-Appeals die Kontrolle über sich verlieren, kommt doch äusserst selten vor.

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