Politik | 28.03.2011

Nach der Wahl ist vor dem Engagement

Vor einigen Wochen hat André Perler, 19, Gymnasiast aus Wünnewil im Kanton Freiburg auf Tink.ch von seinen Erfahrungen im Wahlkampf berichtet. Nun ist die Wahl vorbei, zum Schluss gab es eine kleine Sensation.
Julian Schneuwly und André Perler haben mit ihrer frisch gegründeten "Jungen Freien Liste WüFla" sechs Sitze im neuen Generalrat Wünnewil-Flamatt erobert.
Bild: zvg Ermunternde Gästebucheinträge auf ihrer Webseite. Tink.ch

Mehr als ein halbes Jahr haben unsere Vorbereitungen auf die Generalratswahl in der Freiburger Gemeinde Wünnewil-Flamatt gedauert. Jetzt sind die Wahlen vorüber. Und wir haben eine kleine Sensation geschafft: Von den 50 zu vergebenen Sitzen haben wir sage und schreibe sechs erhalten. Gerechnet hatten wir mit Maximum zwei oder drei.

 

Es war ein richtiger Krimi: Am Wahlsonntag trafen wir elf Kandidaten der Jungen Freien Liste uns kurz nach Mittag, da die Resultate auf den späteren Nachmittag angekündigt worden waren. Einige waren mehr, andere weniger aufgeregt, aber alle gespannt auf das Ergebnis. Bald einmal meldete uns die Gemeindeverwaltung, dass die Stimmen zwar ausgezählt seien, jedoch die Sitzzahlen wegen eines Computerproblems noch nicht berechnet werden könnten. Darum hiess es warten. Es wurde Abend. Wir hatten uns schon damit abgefunden, dass das Resultat wohl erst im Laufe des Montags klar würde. Gerade als wir im Begriff waren zu gehen, erhielten wir einen Anruf aus dem Gemeindehaus: Das Ergebnis sei auf der Gemeindeverwaltung einzusehen.

 

Geschafft!

Man hatte die Sitzverteilung von Hand ausgerechnet. Nur Sekunden später klingelte erneut ein Handy und ein befreundeter Gemeinderat meldete uns die Anzahl der Sitze, die wir erreicht hatten: sechs! Da war natürlich kein Halten mehr und wir machten uns in euphorischer Stimmung auf den Weg zum Gemeindehaus. Dort trafen wir auf die Gemeinderatspräsidentin und andere Kandidaten. Noch wussten wir nicht, welche sechs unserer elf Kandidatinnen und Kandidaten gewählt waren. In einem schmalen Heft, welches die Gemeindeverwaltung auf die Schnelle gedruckt hatte, stand das Wahlresultat im Detail.

 

Mein Co-Initiant, ich und vier weitere Mitkanditaten hatten es geschafft. Noch mehr als über meine persönliche Wahl, freute ich mich über unser Gesamtresultat. Sechs, das heisst, wir sind nun die fünftstärkste Kraft im Generalrat hinter den vier Stammparteien, die stärkste der neu gegründeten Gruppierungen. Mit sechs Sitzen können wir unsere kommenden Aufgaben aus einer guten Position heraus angehen. Die Jugend hat jetzt Gewicht in unserer Gemeindepolitik.

 

Mehr als Floskeln

Nie hätten wir uns das erträumt. Dass die moralische Unterstützung in der Gemeinde recht hoch war, hatten wir immer wieder gehört. Viele, sowohl junge als auch ältere Leute sagten: “ich finde das super, was ihr macht.” Doch wir waren uns nicht sicher gewesen, ob das nur Floskeln waren oder ob man uns dann auch wirklich wählen würde. Vor allem die Jungen galt es zu mobilisieren. Wir starteten mehrere Aktionen in der Stadt und in Sportvereinen. Anscheinend hat sich der ganze Aufwand ausbezahlt.

 

Gross und ziemlich durchmischt war das Echo vor und nach der Wahl. Einige Gleichaltrige sagten uns offen, wir sollten doch in den Ausgang und nicht in die Politik gehen, aber das waren Ausnahmen. Die Allermeisten fanden unser Engagement super und gratulierten uns nach der Wahl herzlich. Sogar im regionalen Radio und in der Presse wurde über die «kleine Überraschung« (Freiburger Nachrichten) berichtet. Auch die übrigen Parteien der Gemeinde haben unseren Erfolg (jedenfalls nach aussen hin) gelobt. Denn es ist auch klar, dass wir einigen von ihnen einen Sitz weggeschnappt haben.

 

Wehmutstropfen Stimmbeteiligung

Was ich sehr schön finde: Wir Jungen haben durch die Wahl von den Einwohnerinnen und Einwohnern der Gemeinde das Vertrauen erhalten. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich, wo man doch immer davon spricht, dass sich die Generationen weiter und weiter voneinander wegbewegten.

 

Tief für eine Wahl mit einer derartigen Medienpräsenz war hingegen die Stimmbeteiligung. Sie lag gerade mal bei 36 Prozent. Auch dass Flamatt, das etwas kleinere Dorf unserer Zweidörfergemeinde mit 8 Sitzen nur schwach im Generalrat vertreten sein wird, ist schade. Doch im Moment zählt vor allem, dass wir uns nicht auf die faule Haut legen, sondern uns weiter engagieren und zeigen, dass wir Jungen auch Politik machen können. Ich freue mich schon auf die ersten Sitzungen des neuen Generalrats.