Kultur | 14.03.2011

Musikalischer Striptease

Text von Sara Lisa Schäubli | Bilder von zVg
Palkomuski spielten Donnerstagnacht im Stall 6 an der Releaseparty des polnischen Spielfilms "All that I love". Es gab wummernde Bässe, zappelnde Beine und viel nackte Haut: Gipsypolkadisco nennt das die Band.
Über Kleidung lässt sich streiten, über Musikgeschmack nicht: Palkomuski bringen die Party an die Filmtage.
Bild: zVg

Was tut der Typ mit dem Kräuselkopf? Er scheint ziemlich besoffen zu sein, so wie er rumtorkelt. Moment – jetzt steigt er auf die Bühne. Das kann ja heiter werden.

 

Heiss wie kochend Wasser

Die fünf Herren von Palkomuski lassen zwar einige Zeit auf sich warten, dafür fahren sie nachher umso furioser ein. Angezogen, als seien sie blindlings in ein Brockenhaus gelaufen und hätten sich die erstbesten Stücke gekrallt, stürmen sie die Bühne und legen ohne jegliche Floskeln gleich los. Der sorgfältig platzierte Zylinder des Frontsängers Baptiste Beleffi bleibt dann auch genau bis nach dem ersten Lied auf dem Kopf. Danach stehen seine Haare ungebändigt in alle Richtungen ab. Der Funke springt sofort über. Das Publikum hüpft wie ein Sack voller Flöhe. Der Stall fängt an zu brodeln.

 

Gipsypolkadisco

Gipsy, Polka und Disco – diese Begriffe reichen aus, um Palkomuski zu beschreiben. Die fünf Musiker haben sich ganz der Musik des Ostens verschrieben und interpretieren diese musikalische Tradition auf ihre eigene, verrückte Art neu. Die Bandmitglieder sind schon länger Weggefährten. Matthias Honegger am Bass und an der Klarinette, der Schlagzeuger Dominic Damonte, Keyboarder und Sänger Baptiste Beleffi, sowie Luca Ramella mit der Ukulele spielten jahrelang in der HipHop Formation Vizioso mit. Mario Scarton schliesslich trägt mit seinem Akkordeon zum unverkennbaren Gipsy-Sound bei.

 

Ausser Rand und Band

“I wanna fly to the moon!” schreit Beleffi und das Publikum glaubt’s aufs Wort, so wie er akrobatisch auf einem Bein auf dem kleinen Melkstuhl balanciert. Klar ist auf jeden Fall, dass “The Fire” die Energie einer Rakete besitzt. Je weiter der Abend fortschreitet, desto nackter wird das ganze Bühnenbild. Bei jedem Lied fliegt ein weiteres Kleidungsstück in die tobende Menge, gleich einem musikalischem Striptease. Es scheint Palkomuski völlig egal zu sein, was alle anderen von ihnen denken. Sie sprechen ihre eigene Sprache und das ist vor allem die Sprache des Körpers.

Am Schluss wird dann die Selbstinszenierung in Form von perfektem Chaos doch etwas zuviel und wir verlassen den Stall während Ekstase weiter durch unsere Venen pumpt.