Kultur | 14.03.2011

“Man muss sich immer ein bisschen beweisen”

Seit zwei Jahren versucht der 19-jährige Christian Herren im Kunstgeschäft Fuss zu fassen. Mit viel Einsatz, Selbstbewusstsein und Durchhaltewillen scheint er nun seinem Ziel näher zu sein. Tink.ch erzählt er von seinem Traumberuf und dem langen Weg dahin.
Investiert zwei bis drei Tage pro Woche in seine Kunsthandelsfirma: Christian Herren.
Bild: Rahel Schnidrig

Vergangenen Samstag feierte Christian Herren mit seinen Geschäftspartnern Kevin Muster (20) und Arthur Fink (19) die Eröffnung ihrer eigenen Kunsthandelsfirma “Eletto” in der Rathausgasse in Bern.

 

Christian, wie bist du darauf gekommen, aus deiner Leidenschaft ein Geschäft zu machen?

Christian Herren: Einerseits, weil ich sammle. Dafür muss man Geld generieren und das macht man am besten auch wieder mit der Kunst. Zweitens, weil ich die Bilder auch gerne in den Händen halten möchte und nicht nur in den Museen sehen. Und drittens ist es mir gerade bei der jungen Kunst sehr wichtig, auch mal einen Künstler kennenzulernen, der nicht tot ist, der das Bild in dem Moment malt.

 

Hat der Schritt ins Geschäft etwas an deiner Beziehung zur Kunst verändert?

Ich werde aufmerksamer, und zwar überall, auch in Museen, und ich vergleiche mehr. In der zeitgenössischen Kunst gehe ich öfter an Vernissagen. Was gibt es in Italien, was gibt es nördlich der Alpen? Aber nicht in der Beziehung, was es mir persönlich sagt, eher aus dokumentatorischer Sicht.

 

Die Matura hast du letzten Sommer abgeschlossen, nun studierst du Kunstgeschichte in Bern. Glaubst du, bereits ein genügend fundiertes Wissen über Kunst zu haben, um dich in der Kunstszene zu behaupten?

Im Kunsthandel und vor allem im Museums- bzw. Ausstellungswesen der zeitgenössischen Kunst ist es, in der Form, wie wir es heute machen, möglich. Aber nicht an einer Universität, da kann ich noch viel lernen.

 

Bereitet dir dein junges Alter Probleme in deiner Arbeit als Kunsthändler?

Man muss sich immer ein bisschen beweisen. Den Leuten zeigen, dass wir die Werke gut beschrieben haben und sie wirklich echt sind, dass wir auch Experten beigezogen haben. Aber wenn dieser Schritt einmal überwunden ist, sind die Leute wahnsinnig offen.

 

Wofür steht der Name “Eletto”?

Es ist ein vielseitiger, italienischer Begriff, aber der Kernpunkt der Übersetzung ist: “ausgewählt”. Das heisst für uns, nicht nur teure Kunstwerke zu haben, sondern auch Künstler zu nehmen, bei denen wir das Gefühl haben, die Kunst sei ihre Leidenschaft. In der Alten Kunst versuchen wir Nischen zu finden, wie zum Beispiel seltene Sachen oder Werke, die ein bekannter Künstler im Alter von 19 Jahren gemacht hat. Es ist wichtig, dass es nicht einfach um Geld geht. Wir versuchen über die Kunst den Zugang zu wählen.

 

Die Führung einer Firma verlangt viel Disziplin und Engagement. Kannst du uns einen Einblick in die Aufgaben geben, die für dich und deine beiden Geschäftspartner anstehen?

Im Moment ist es ja nur der Kunsthandel, da sind Kevin und ich dabei. Dort geht es einerseits darum, Werke anzuschaffen, über die Wege, die ich vorher erwähnt habe. Dann das Katalogisieren, also herauszufinden, von welchem Künstler das Werk ist, was für eine Technik gewählt wurde, wie gross es ist, eine Provenienzforschung (Herkunft, Anm. d. Red.) zu machen, das alles kunstgeschichtlich und -historisch einzuordnen und schlussendlich den Preis zu machen.

 

Wie viel Zeit musst du im Durchschnitt pro Woche aufwenden für die ganze Arbeit, die du eben geschildert hast?

Etwa 20 bis 25 Stunden, sicher so zwei bis drei Tage.

 

Soeben konntest du die Eröffnung deiner eigenen Kunsthandelsfirma am neuen Standort in der Rathausgasse feiern. Was bedeutet das für dich persönlich?

Hoffnung. Und Zuversicht. In dem Sinn, dass wir diesen grossen Schritt geschafft haben. Wir sind nun über zwei Jahre lang dran gewesen. Am Anfang haben wir in kleinen Räumen im Mattequartier versucht, direkt zu verkaufen. Dass am Samstag so viele Leute gekommen sind, hat uns auch gezeigt: ja, doch, man kann schon was machen.

 

Woher holen sich drei junge Studenten das Startkapital für die Gründung einer Firma?

Das waren eigentlich Kevin und ich. Wir haben je mit 400 Franken angefangen, konnten aber nicht von Anfang an das machen, was wir jetzt tun. Es hat zwei Jahre gedauert, dabei haben wir immer etwas auf die Seite gelegt und jetzt hat es geklappt.

 

Wie soll man sich die Anschaffung eurer Kunstwerke vorstellen?

Es hat sich mittlerweile etwas herumgesprochen, was wir machen. Es sind private, viel ältere Leute, die gerne eine Sammlung auflösen möchten oder einen neuen Schwerpunkt setzen, die uns fragen, ob wir ihre Werke verkaufen können. Dann kaufen wir ihnen die Werke entweder ab, oder nehmen sie in Kommission, das heisst wir bekommen einen Prozentsatz vom Gewinn, wenn wir die Kunstwerke verkaufen können. Oder über einen klassischen Weg via Auktionshäuser, Internet, Flohmärkte, Galerien. Aber primär über Direktankäufe bei Privaten und in Auktionshäusern oder auf Märkten.

 

Zum Schluss noch ein Wort zur Zukunft von “Eletto” und zu deinen persönlichen Erwartungen an diesen, man könnte sagen, neuen Lebensabschnitt.

Zuerst einmal hoffe ich, dass wir diesen Raum behalten können, dass alles gut kommt, dass das Geschäft finanziell tragbar ist und dass Kunsthändler später zu meinem Hauptberuf wird. Ich möchte immer junge und alte Kunst beibehalten und daraus in Zukunft einmal ein Gesamtkunsthaus machen.

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