Kultur | 14.03.2011

High Noon in St.Gallen

Text von Christine Albrecht | Bilder von Susann Albrecht
Monika Sennhausers Werke lassen Nebensächliches zur Hauptsache werden und laden ein, innezuhalten und zu beobachten. Staunen und mitschauen kann man im Nextex in St.Gallen.
Während bei einem Bildschirm die Aufmerksamkeit dem Zentrum gilt... ...zieht auf der anderen Seite das Drumherum den Blick auf sich.
Bild: Susann Albrecht

Innehalten und Beobachten sind wichtige Bestandteile der Kunst. Noch genauer nimmt dies die St.Galler Künstlerin Monika Sennhauser beim Wort. Schon seit Jahren beschäftigt sie sich mit dem Beobachten der Laufbahn der Sonne und der Sterne. So auch in ihrer aktuellen Ausstellung im Nextex. Auf Fotografien zeigt sie die Laufbahn von Sternen, sichtbar gemacht durch Langzeitbelichtung. Jeweils im Stundentakt aufgenommen, sieht man die Bahn, die ein Stern am Himmel zieht und das allmähliche Anbrechen des neuen Tages.

Doch das Gefühl des Beobachtens trügt, denn nicht wir sind das bewegungslose Zentrum, sondern die vermeintlich reisenden Sterne, die uns “beobachten”.

 

High Noon in doppelter Ausführung

In einem weiteren Raum präsentiert Monika Sennhauser ihre Videoarbeit. Während eines Aufenthalts im Texanischen Marfa im Januar 2009 filmte sie durch die Tür eines dunklen Raumes den von der Sonne beschienenen Platz vor dem Gebäude. Das Geschehen auf dem Platz ist eingerahmt von der Dunkelheit des Hausinneren, das unberührt vom Sonnenlicht bleibt.

Durch die Art Einrahmung zieht der Platz sofort den Blick des Beobachters auf sich. Während einer Stunde, gefilmt zur Mittagszeit, also “High Noon”, nimmt die Kamera pausenlos die Vorgänge auf ihm auf. Autos, Lastwagen und Leute durchqueren diesen Rahmen, mal vollständig, mal nur teilweise. Alles unter der heissen texanischen Mittagssonne. Obwohl nichts Spezielles passiert, ist es schwierig, den Blick abzuwenden.

 

Während auf der einen Stirnseite des rechteckigen Raumes diese Aufnahme läuft, wird an der gegenüberliegenden Wand der Filmklassiker “High Noon” gezeigt. Jedoch abgedeckt durch ein schwarzes Rechteck, das – entsprechend zum Ausschnitt der Türe  von Marfa – in die Mitte des Bildschirmes geklebt wurde. So entsteht ein Umkehrbild der Aufnahme in Marfa. Während dort die Mitte des Bildes den Blick auf sich zieht, gehört hier dem Drumherum die volle Aufmerksamkeit. Man achtet plötzlich auf die Einrichtung einer Szene oder auf andere «anscheinend« unwichtige Details. Dem Betrachter wird plötzlich bewusst, wie stark der Film aus dem Jahre 1952 auf die Mitte des Bildschirmes fokussiert ist. Das schwarze Rechteck verdeckt immer das Hauptgeschehnis. Küsst sich ein Paar, bekommt man nur deren Hinterköpfe zu sehen. Spricht ein Darsteller, sehen wir nur seine zwei Ohren. Man widersteht nur schwer dem Verlangen, das schwarze Papier wegzunehmen.

 

Scheinbar Nebensächliches im Rampenlicht

Die beiden Arbeiten lenken unsere Aufmerksamkeit auf Dinge, die man nicht oder erst auf den dritten Blick wahrnimmt: Die Laufbahn der Sterne, die man mit dem menschlichen Auge nicht erfassen kann, die Requisiten und Einrichtung eines Spielfilmes, auf die man in der Regel nicht bewusst achtet, oder einen scheinbar gewöhnlichen Platz, dem man sonst nur wenig Beachtung schenken würde.

Eine Anregung, auch im Alltag den Blick auf vermeintlich nebensächliche Dinge zu richten.

 

 

Info


Das Nextex befindet sich an der Schmiedgasse 15 in St.Gallen und versteht sich als Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Aktuell sind dort bis Anfang April Werke von Monika Sennhauser und Daniela Gugg ausgestellt. Für weitere Infos: www.nextex.ch.

 

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