Kultur | 14.03.2011

Geschichten und die Kraft der Bilder

Text von Tobias Söldi | Bilder von Katharina Meyer
Sie sind unter 25 Jahre, haben keine Ausbildung an einer Filmschule gemacht und bringen trotzdem erstaunliche Filme auf die Leinwand. Die Qualität schwankt zwar ein wenig, doch gibt es zwischen erzählenden und experimentellen Filmen einiges zu entdecken.
Die Filme der Kategorie D beweisen es: Man braucht keine Filmausbildung, um einen Saal zu füllen.
Bild: Katharina Meyer

“Schweizer Filme sind zwar formal meist gut, was aufgrund der technischen Entwicklungen auch immer einfacher wird, inhaltlich aber gibt es noch Verbesserungspotential. Das wichtigste ist das Drehbuch, der Inhalt”, sagt Wolfram Knorr, bekannter Journalist und Filmkritiker auf die Frage nach dem Zustand der Schweizer Filmszene. Der grösste Teil der gezeigten Filme dieser Kategorie sind erzählende Filme, sei es in Form eines Spielfilms oder eines Dokumentarfilms: Da geht es um eine Zufallsbegegnung im Zug, in einen Keller eingesperrte Widerstandskämpfer oder um seltsame, surrealistische Erlebnisse eines Liebespaares nach ausgiebigem Feiern. Besonders auffallend ist hier der Film “Can I Say Something?” von Lorena Simmel aus Biel. Der 20-minütige Dokumentarfilm porträtiert die 28-jährige Hana aus Israel. Ihre unkonventionellen Ansichten und Meinungen zu Religion, Jesus, Israel, ihrem Psychiater und vielem anderen hinterlassen einen tiefen Eindruck auf den Zuschauer und lassen die meist minimalistische, einfache Machart des Films völlig vergessen. Tatsächlich würde man Knorr nach diesem Film zustimmen und sagen, dass der Inhalt gegenüber dem Formalen wichtiger ist.

 

Die Kraft der Bilder

Doch daneben gibt es auch einige abstrakte, experimentelle Kurzfilme, die sich ganz auf die Kraft der Bilder verlassen. Besonders Eindrücklich ist hier “Nouslesrevenants” von Jean-Vital Joliat. Eine wahnwitzige, fünfminütige Abfolge von Aufnahmen, die sich überlagern und so dicht aufeinanderfolgen, dass kaum Zeit zum Atmen bleibt. Hier wird keine Geschichte erzählt, die Bilder werden eher assoziativ aneinandergereiht und erzeugen einen eigenartigen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Entgegen der Aussage Knorrs muss man hier sagen, dass das Formale gegenüber dem Inhalt eindeutig überwiegt, der Film scheint aber nicht darunter zu leiden. Auch beim Videoclip zum Song “Broken Bones” von Tim Holehouse, gedreht von Fabian Lüscher, versucht man vergeblich, die Bilder durch eine Geschichte miteinander zu verbinden. Irgendwann gibt man auf und überlässt sich nur noch den eindrücklichen Bildern, die abwechselnd seltsam tanzende Menschen und einen älteren Herrn bei Whisky und Zigarette in einer Art Keller zeigen.

 

Nachwuchs mit Potential

Andere Filme aber lassen den Zuschauer unbefriedigt zurück. Meist liegen den Filmen zwar spannende Ideen zugrunde, aber man kriegt das Gefühl nicht los, dass diese nicht konsequent zu Ende gedacht sind, dass die Filme in der Umsetzung etwas schwächeln und unfertig wirken. Oft scheinen die Filme auch unter der zeitlichen Begrenzung zu leiden: Man wünscht sich, dass den Geschichten etwas mehr Platz zur Entfaltung gegeben worden wäre. Dennoch sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass es sich hier um Nachwuchsfilmer handelt, die keine Ausbildung an einer Filmhochschule geniessen, die sich am Anfang ihrer filmischen Karriere befinden und noch viel Entwicklungspotenzial haben.