Kultur | 28.03.2011

Filme des Südens

Text von Uwe Bieri | Bilder von fiff.ch / zVg
Am letzten Samstag ging das 25. Internationale Filmfestival in Fribourg (FIFF) zu Ende. Während sieben Tagen drehte sich hier alles ums Kino. 114 Filme aus fast allen Kontinenten der Welt wurden gezeigt.
Am FIFF erlebt der Zuschauer keine gemütlichen Filmabende.
Bild: fiff.ch / zVg

Was Fribourg von anderen Festivals abheben lässt, ist, dass sich die Auswahlkommission auf Filme aus den Ländern des Südens konzentriert. Was früher noch als ein Euphemismus für Entwicklungsländer durchgehen konnte, steht heute einer ganz anderen Realität gegenüber. Oder wie es der Direktor des FIFF, Edouard Waintrop, ausdrückte: “Die Welt hat sich schon lange verändert. Der sogenannte Süden hat bereits bevor, aber insbesondere seit die Krise die ehemals Erste Welt – Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika – erreichte, politische und wirtschaftliche Giganten hervorgebracht. Länder wie Brasilien, China oder Indien sind zu dominierenden Weltmächten geworden. Eine Vielzahl anderer Weltgegenden, aus denen die Filme des Südens traditionellerweise stammen, beeindrucken durch eine starke wirtschaftliche Entwicklung. Die Welt ist dadurch jedoch nicht gerechter geworden, im Gegenteil.”

Dass die Welt nicht gerechter geworden ist, sah man dann auch in jedem der gezeigten Filme. Die Filmemacher verfolgten den Anspruch, die Realität nachzuzeichnen, und die Realität in zwei Dritteln der Welt ist eine pessimistische.

Die Kraft dieser Filme liegt darin, dem Zuschauer Zugänge zu dieser Realität zu ermöglichen. Trotz der bedrückenden Schwere des Inhalts gelingt es, dank der kontrastreichen Ästhetik, den spannenden Formen und der überraschenden Rhythmik eine empathische Nähe zu konstruieren.

Das Film Festival von Fribourg ist kein gemütlicher DVD-Abend mit Popcorn, sondern Horizonterweiterung mit Nachwirkungen. Zum Glück.

Info


Der grosse Preis “Le Regard d’Or” geht an den Regisseur und den Produzenten: Poetry von Lee Chang-Dong, Südkorea 2010.

Der Publikumspreis und der Preis der ökumenischen Jury geht an: “Los Colores del la Montaña” von Carlos César Arbeláez, Kolumbien, Panama 2010.

Die Internationale Jury spricht eine lobende Erwähnung aus für den Film “Sin Retorno” von Miguel Cohan, Argentinien / Spanien 2010.

 

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