Kultur | 28.03.2011

Ein Fremder bei mir zuhause

Text von Felix Unholz
Basel tickt anders. Anzugträger mit dicken Handgelenken prägen das Stadtbild während der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. "Ausgebucht seit einem Jahr", meldet das Luxushotel Les Trois Rois. Pech auch bei anderen Hotels. Fridolin Huber* freut's. Der 33-jährige Sozialarbeiter und Touristiker vermietet seine Wohnung für zehn Tage.
Die "Baselworld" öffnet wie jedes Jahr ihre Türen für die Uhren-und Schmuckwelt. Fotos: Michael Dolensek Sie bringt Glamour, Touristen und somit auch viele Untermieter nach Basel. Ende März wird die Stadt am Rheinknie zur Uhren und Schmuck-Hauptstadt des Planeten.

“Vom Geld finanziere ich eine Reise nach Indonesien oder Vietnam”, sagt Fridolin. Seinen genauen Gewinn möchte er nicht verraten, aber es seien “schon nicht viel weniger als 6-˜000 Franken”.

 

Grosse Nachfrage

Fridolin wohnt während der Baselworld bei seiner Freundin und im “Hotel Mama”. “Sie kocht eben immer noch köstlich.” Wer nun in Fridolins Wohnung wohnt, weiss nur die zuständige Agentur Basellodging. Sie vermittelt seit sechs Jahren Privatwohnungen an Ausstellende, Medienschaffende und Messebesucher. 360 Gäste wohnen in rund 160 Wohnungen. Mit der Hochkonjunktur in der Schmuck- und Uhrenbranche ist die Nachfrage grösser als das Angebot.

 

Das Bett auf einem Bücherstapel

“Wir suchen aktiv nach möglichen Wohnungen aller Art”, erklärt Christian C. Moesch von Basellodging, “aber Studenten-WGs, in denen das Bett auf einem Bücherstapel mit medizinischer Fachliteratur steht, sind für uns leider nicht weitervermietbar”. Fridolins Wohnung hat den Qualitäts-Check überstanden: An der Rheinfelderstrasse in Fussdistanz zur Messe gelegen, Wireless-Lan, Kaffeemaschine, Lift.

 

Ein halbes Jahr Currygeschmack

Zehn Tage lang darf Fridolin nun seine eigene Wohnung nicht betreten und weiss nicht, was darin vor sich geht. “Schon ein komisches Gefühl” sei das, “eine Versicherung schützt vor Schäden, nicht aber vor Diebstahl. Meine wertvollen Sachen sind aber in Sicherheit und einen Bratpfannenklau nähme ich bei dem Mietpreis auch in Kauf.” Fridolin braucht sich keine Sorgen zu machen. Laut Christian C. Moesch habe es bisher kaum Probleme gegeben: “Unsere Gäste lassen eher mal ein paar Prospekte liegen, als dass sie etwas mitnehmen. Und bei einer Kollegin roch es ein halbes Jahr nach Curry, nachdem Inder bei ihr wohnten.” Eine geschmackvolle Ausnahme.

 

Fast wie im Hotel

Frühstück ans Bett gibt’s nicht im Angebot. Doch ein täglicher Zimmerservice wäscht ab, tauscht Handtücher aus und putzt für die Gäste der Baselworld. Fast wie im Hotel. Auch für Fridolin angenehm: “Mein Bett wurde mit einer schützenden Folie überspannt und mit neuen Duvets bezogen.” Und wenn der Glanz der Baselworld Anfang April schon in alle Welt verflogen ist, glänzen sein Portemonnaie und die frisch gereinigte Wohnung.

 

* Name aus Diskretionsgründen geändert, Name der Redaktion bekannt