Gesellschaft | 07.03.2011

Die Weltneuheiten des Genfer Autosalons

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel.
Die ganze Welt schaut im März nach Genf. Am 81. Internationalen Autosalon stellen Autohersteller aus der ganzen Welt ihre Neuheiten und Zukunftsvisionen vor. Im Rampenlicht des zweitwichtigsten Autosalons von Europa gilt es, sich gut zu präsentieren.
Back to the Roots: Der VW Bulli in seiner unverwechselbaren Form. 10'000 Presseleute drängten sich in den Palexpo-Hallen. Sergio Marchionne war, nebst seinen Wagen, eines der gefragtesten Objekten der Fotografen. Strom pur: Rolls-Royce präsentiert seinen umgebauten Phantom.
Bild: Julian Stiefel.

Längst sind die Zeiten vorbei, als in den Palexpo-Hallen nur das Auto im Mittelpunkt stand. Am Genfer Autosalon versucht sich jeder Hersteller einzigartig zu präsentieren. Neben hübschen Models stösst man auch auf prominente Gäste. Grosse Worte schwangen die Manager während den Konferenzen an den Pressetagen. Die Darbietungen versuchten einander an Professionalität und Lautstärke zu übertreffen. Zehntausend Pressevertreter von China bis Amerika versuchten im riesigen Autosalon, die wichtigsten Neuheiten und Informationen zu sammeln. Keine leichte Aufgabe bei mehr als 250 Ausstellern. In den kommenden Besuchertagen wird es in den Palexpo-Hallen sogar noch enger: Mehr als 70-˜000 Besucher pro Tag werden erwartet.

 

Eine grosse Auswahl

Für jeden Geschmack gibt es das richtige Auto. Auffallend bunte Konzepte deuten den Weg in die Zukunft der Branche an. Umgestaltete Klassiker bieten Abwechslung, sportliche Boliden verführen zu einem Höhenflug, neue Technologien und alternative Energiequellen gehen in Serie. Doch auch auf dem Boden der Realität findet sich manch ein schönes Familienauto.

 

Kleider werden immer knapper

Was wäre der Autosalon ohne hübsche Frauen? Höchste Ansprüche werden an die Hostessen gestellt. Models aus der ganzen Welt wurden für diesen Anlass gebucht. Im grellen Licht müssen sie stundenlang neben den Autos stehen. Mit einem bezaubernden, möglichst natürlichen Lächeln ziehen sie die Blicke der Besucher auf sich. Tatsache: Die Kleider werden immer knapper. Ein gewisses Niveau bleibt aber erhalten, sodass auch für die älteren Besucher noch alles seriös wirkt. Eine gute Kombination ist entscheidend.

 

Ansturm auf Marchionne

Besonders gross war der Ansturm beim Fiat-Group-Imperium. Bei keiner anderen Pressekonferenz drängten sich so viele an die Ausstellungsfläche wie beim Tochterunternehmen Ferrari. CEO Luca Cordero di Montezemolo enthüllte den revolutionären Ferrari FF. Er würdigte ihn als den vielseitigsten Ferrari aller Zeiten. Der starke 12-Zylinder verfügt nun sogar über vier Sitze und ein vergrössertes Kofferraumvolumen. Trotzdem behält er seine Sportlichkeit. Laut Montezemolo bietet der neue Ferrari auch Fahrspass in leichtem Gelände.

 

Eine aufwändigere Show legte Lancia hin. Im Nebel tauchten nach der Rede von CEO Olivier Francois die neu entworfenen Lancias auf. Besonders mit dem Lancia Thema wurde eine neue Richtung eingeschlagen. Nicht zu übersehen ist die Anlehnung an das markante Design vom Chrysler 300C. Der Ansturm auf Sergio Marchionne, CEO von Chrysler und Fiat Group, war unglaublich gross. Der Unternehmensleiter liess die ebenfalls anwesende Miss Schweiz, Kerstin Cook, im Schatten stehen. Bis am Abend wurden auf der Lancia Ausstellungsfläche mehr Interviews als irgendwo anders durchgeführt.

 

Retrowelle bei VW

Der legendäre VW Bulli kommt vielleicht schon 2014 zurück. Der neue Bulli hebt sich am Autosalon von allen anderen ab. Mit seiner klassischen weiss-roten Lackierung, den schmalen Tagfahrlichtern und seiner Konstruktion als kompakter Bus ist er einzigartig. Angetrieben wird er von einem Elektromotor. Das Interieur ist von Klarheit geprägt. Wie sein Vorgänger besitzt der Bulli einen flachen, durchgehenden Boden, was der Variabilität zugunsten kommt. Durch ein Panoramadach ist der Innenraum lichtdurchflutet. Multimediafunktionen lassen sich über ein iPad steuern. Die weiteren Instrumente sind gross und deutlich. Der neue Bulli ist in Sachen Design ein Meisterstück. Übrigens fährt er aktuell mit einer Akkuladung 300 Kilometer weit.

 

Länger, breiter, stärker

Die Franzosen beeindrucken mit einer stilvollen Luxuslimousine. Die Studie des Citroën Metropolis wurde in Shanghai von französischen Designern entworfen. Das riesige Fahrzeug folgt beim Design seinen Vorgängern GT und Survolt. An der flachen Dachlinie bis zum steilen Heck erkennt man den Charakter des Citroën. Kurven, Kanten und Chromelemente bieten ein perfektes Zusammenspiel. Der Metropolis scheint im Gegensatz zu den vorhergehenden Konzepten strassentauglich. Citroën versetzt ihn mit einem Hybridantrieb. Die Kombination aus Benzin- und Elektromotor soll eine Gesamtleistung von rund 460 PS bieten. Er verfügt über ein elektronisches Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und ein hydropneumatisches Fahrwerk. Des Weiteren präsentiert Citroën Modelle des sportlichen C4. Auch beim neuen C5 Tourer sind die Einflüsse vom PSA- Konzern erkennbar.

 

Die Zukunft von Rolls-Royce

Auch Rolls-Royce plant für die Zukunft. Der Phantom hat sich kurzerhand in ein reines Elektroauto mit der Bezeichnung 102 EX verwandelt. Die Antriebstechnik wurde komplett umgestellt. Unter der Motorhaube befinden sich beim neuen Rolls-Royce nun drei Batterien. Der Platz reicht für den bislang grössten Batteriepack in Elektroautos. Im hinteren Teil wurden zwei Elektromotoren eingebaut, welche den schweren Wagen in rund acht Sekunden von auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Die Reichweite des Rolls beträgt lediglich 200 Kilometer, was bei seinem Gewicht aber auch nicht verwundert. Ansonsten wurde wenig verändert. Der Rolls-Royce behält seine luxuriöse, bequeme Innenausstattung. Einige Instrumente wurden speziell an den Elektroantrieb angepasst. Äussere Erkennungsmerkmale sind die blau leuchtende Kühlerfigur und der Stromanschluss unter dem Tankdeckel. Alternativ kann er auch über eine Induktionsspannung geladen werden.

 

Autos scheinen nach wie vor wichtig

Am grossen Ansturm lässt sich erkennen, dass nach wie vor grosses Interesse an Autos besteht. Auch die extrem teuren Luxusautos werden regelmässig gekauft. Der 81. Internationale Autosalon findet noch bis am 13. März statt. Nächstes Jahr können die Entwicklungen wieder vom 3. bis 13. März bestaunt werden. Der Blick in die Genfer Glaskugel verrät, dass sich auch dann in der Autobranche wieder viel tun wird. Wer nicht bis in einem Jahr warten will, kann auch im Oktober den grössten europäischen Autosalon in Paris besuchen.

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