Gesellschaft | 07.03.2011

Die Welt steht dir offen

Text von Tobias Söldi | Bilder von Tobias Söldi
Arbeit auf einer Farm in Frankreich? Mithilfe in einem Kinderheim in Nepal? Als Au-Pair nach England? Oder nach Amerika? Kein Problem. Dank www.workaway.info findet man Arbeit auf der ganzen Welt. Gegen einige Stunden Arbeit pro Tag erhält man ein warmes Bett und Essen und lernt dazu noch Land, Leute und Sprache kennen.
Auf einer Farm in der Normandie arbeiten? Der Gast- und Arbeitgeber ist dank der Plattform Workaway.info rasch gefunden.
Bild: Tobias Söldi

Was immer wieder überrascht ist die Unkompliziertheit, mit der das Prinzip von “Workaway” funktioniert: Zuerst gilt es, in der riesigen Liste der sogenannten “Hosts”, auf deutsch Gastgeber, zu stöbern, die irgendeine Art von Hilfe suchen. Sind Phantasie und Reiselust erstmals geweckt, liesse es sich hier stundenlang mit den Gedanken bereits in der Ferne schweifend verweilen,. Entscheiden muss man sich dann aber doch. Am besten einfach für diejenigen Gastgeber, welche sich spontan am interessantesten anhören. Dann werden einige Nachrichten an völlig unbekannte Personen versendet, die Hunderte oder gar Tausende von Kilometern weit weg leben, einer ganz anderen Kultur angehören und womöglich eine andere Sprache sprechen. Die Nachrichten sausen also durch die Welt und wenige Tage später erreicht eine Antwort das heimische Postfach. Erfahrungsgemäss erhält man aber nicht von allen Angeschriebenen eine Antwort. Mit einer sympathischen Nachricht, guter Auswahl und etwas Glück lässt sich jedoch bald jemanden finden, der eine Arbeitskraft für ein paar Wochen oder Monate gebrauchen kann. Einige hin- und hergeschickte Nachrichten später weiss man, wo genau und wann man beginnen kann, wie man dorthin gelangt und was einen genau erwartet. So einfach ist das.

 

Gute Erfahrungen auf beiden Seiten

Natürlich sind Weltoffenheit, Neugierde und eine gewisse Risikobereitschaft nötig. Schliesslich hat man es mit fremden Menschen in einem fremden Land zu tun und letztlich weiss man im Vorfeld nie genau, worauf man sich einlässt. Aber diese Charaktereigenschaften bilden die Grundlagen für das Funktionieren der Idee von “Workaway”: Die Gastgeber machen gute Erfahrungen mit ihren Gästen und diese ebenso mit ihren Gastgebern. Deshalb sind Hosts oft bereit, immer wieder jemanden aufzunehmen. Von diesem grossen Angebot profitiert die ganze Internetgemeinde der «Volunteers«, welche mit ihren Eigenschaften wiederum dafür sorgen, dass es immer Gastgeber geben wird, die sich auf neue Hilfskräfte freuen. Es scheint eine Art Kreislauf zu sein, der sich selbst am Leben hält. Es bleibt nur zu hoffen, dass es nicht zu Missbräuchen kommt. Fehlendes Vertrauen zwischen Gastgebern und “Volunteers” wäre Gift für dieses Konzept.

 

Kennenlernen von Land und Leuten

So trifft man immer wieder auf sehr herzliche, interessante und spannende Menschen. Seien es andere «Volunteers« oder Gastgeber, die innerhalb kürzester Zeit nicht mehr als Fremde gelten – was vielleicht wieder mit den oben erwähnten Charaktereigenschaften in Verbindung steht. Mit ihnen teilt man einmalige Erfahrungen und knüpft vielleicht sogar eine langjährige Freundschaft. Das Kennenlernen von Menschen mit anderen Ideen und Kulturen erweitert den eigenen Horizont ungemein und ist eine äusserst inspirierende Angelegenheit. Daneben lernt man natürlich ein neues Land, seine Kultur und Sprache kennen, und dies wohl um einiges intensiver als auf einer Ferienreise. Das liegt natürlich daran, dass man eine längere Zeit an einem Ort verbringt und dadurch viel tiefer in die Eigenheiten eines Landes und seiner Bewohner eindringen kann.

 

Probieren geht über studieren

Das tönt nun wohl alles etwas gar positiv und man darf sich fragen, wo der Haken an der Sache ist. Eine Antwort kann ich nur aus persönlicher Sicht geben: Ich habe bis jetzt keinen Haken gefunden. Meine Erfahrungen waren durchwegs positiv. Dies soll jedoch keine Garantie sein. Denn wie bereits gesagt: Letztlich weiss man nie, was einen nun tatsächlich erwartet und worauf man sich einlässt. Wenn man es jedoch aus Angst vor Enttäuschungen überhaupt nicht versucht, kann man auch keine positive Überaschungen erwarten. Und diese positiven Erfahrungen können großartig sein.

Links