Kultur | 14.03.2011

Der Abgrund des Menschseins

Text von Tobias Häberli | Bilder von zVg
Grosse Bilder, bekannte Schauspieler, ein einziger Spannungsbogen: Johannes Hartmanns "Halbschlaf" hält meist, was er verspricht.
Nils Althaus im Halbschlaf: Die Spannung kommt gegen den Schluss hin.
Bild: zVg

“Halbschlaf” beginnt an seinem Tiefpunkt: Ein Mann (Nils Althaus) und eine Frau (Nina Bühlmann) kommen spät vom Ausgang zurück und verfangen sich in einem Geschäker. Es fallen Sätze wie: “I bi langsam chli bsoffe”, und es wird gekichert. Mit dem könnte man ja leben, wenn diese Figuren nicht von sich behaupten würden, seit drei Jahren gemeinsam in einer Beziehung zu leben. Danach steigert sich der Kurzfilm sukzessiv.

 

Grosse Namen

Der mit Traum- und Erinnerungssequenzen gespickte Thriller von Johannes Hartmann macht auf den ersten Blick mit seinem recht berühmten Cast auf sich aufmerksam, auch Beat Schlatter und Roland Sutter spielen kurz mit. Diese machen den Film aber nicht aus, es ist viel mehr das geschickte Zusammenspiel von schönen Bildern und einem unterschwelligen Schnitt, welches dem Film auf eine elegante Weise Dramatik gibt. Die übertriebenen Soundeffekte verfehlten jedoch ihre Wirkung und zwingen dem Zuschauer ein bisschen gar offensichtlich ein Spannungsgefühl auf. Über die Handlung sei hier aber noch nicht zu viel verraten, da der Film im Grunde eine einzige Pointe ist.

 

Ein Steigerungslauf

Der Film weist am Anfang eine erzählerische Schwäche auf und stürzt sich dann in mystische Szenen, welche einem klar machen, dass im Leben dieses Mannes etwas nicht in Ordnung ist, bis “Halbschlaf” sich am Ende doch noch rettet. Ein sich langsam anbahnender Schrecken, ein grausiges Erwachen, durch Jump Cuts herbeigeführt, führen zum Höhe- und Schlusspunkt des Films. Auch wenn der Film nicht ganz schlüssig ist und einige Mängel aufweist, rettet er sich durch einzelne sehr starke Momente und ist es somit klar wert, geschaut zu werden.