Kultur | 21.03.2011

Beeindruckende Stimmen

«Tut uns leid, die Darsteller stecken noch im Stau", eine peinliche Nachricht, die die Regieassistentin (Nina Biastoch) dem Publikum mitteilen muss. Stattdessen erzählt uns die Putzfrau (Terhi Kaarina Lampi) eine Geschichte vom kleinen Schornsteinfeger und am Schluss beschliesst man: "Lasst uns doch eine Oper daraus machen."
Verzauberte Bühnenlandschaft (Peter Nolle) und Theaterjugendorchester. Sam wird von Black Bob und dessen Assistenten schlecht behandelt.
Bild: Tanja Dorendorf/T+T Fotografie

Wer bis jetzt allenfalls noch immer daran glaubte, dass die Darsteller wirklich im Stau stecken, der wird spätestens hier vom Gegenteil überzeugt: Das Ganze entpuppt sich lediglich als geschickter Einstieg in die Kinderoper von Benjamin Britten (Inszenierung: Ana Christine Haffter). “Der kleine Schornsteinfeger” erzählt uns, wie zwei Geschichten von Kindern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, am Schluss zu einer gemeinsamen Geschichte zusammenfliessen.

 

Auf der einen Seite wird die heile Welt dargestellt: Die Kinder Guy, Sophie, Jonny, Toni, Hughie und Tina wachsen in wohlhabenden Familien auf, die ihnen finanziell alles ermöglichen können. Dem gegenüber haben wir die andere Welt, die Welt, die von Ungerechtigkeit, harter Arbeit und Not geprägt zu sein scheint. Sam wurde von seinen Eltern an den Schornsteinfegermeister Black Bob (David Maze) und seinen Assistenten Clem (Nik Kevin Koch) verkauft, in der Hoffnung, er möge ein besseres Leben haben. Doch Sam muss hart arbeiten und gefährliche Arbeiten verrichten.

 

Vergangene Realität

Als Sam eines Tags im Schornstein stecken bleibt und verzweifelt um Hilfe ruft, hören das die anderen Kinder und helfen. Schnell schliessen sie Freundschaft mit dem kleinen Schornsteinfeger und gemeinsam hecken sie einen Plan aus, um ihn von Black Bob und Clem zu befreien. Die Geschichte ist keineswegs aus der Luft gegriffen: Im 18. und 19. Jahrhundert war es üblich, dass kleine Kinder die harte Arbeit eines Schornsteinfegers verrichten mussten, da die technischen Möglichkeiten noch nicht so weit entwickelt waren und Kinder noch klein genug waren, diese gefährliche Arbeit zu verrichten.

 

Die Oper mag auf den ersten Blick etwas trivial erscheinen. Kinder werden scheinbar wahllos aus dem Publikum genommen und sollen Rollen übernehmen, Putzfrau und Garderobiere werden zu Haushälterin und Kindermädchen umfunktioniert und jeder weiss sofort, wie man eine Oper schreibt. Doch wer seinen Blick etwas von der Geschichte löst, der merkt: “Der kleine Schornsteinfeger” ist keinesfalls trivial.

 

Kleine Profis

Die Leistungen der Darstellerinnen und Darsteller, insbesondere auch diejenige der Kinder, ist beeindruckend und lässt einen staunen. Dabei zeichnen sich nicht nur die Erwachsenen mit grandiosen Opernstimmen aus – auch die Kleinen zeigten bereits, dass sie den Erwachsenen in Sache Gesang dicht auf den Fersen sind. Aber auch das Theaterjugendorchester (Leitung: Stéphane Fromageot), welches für dieses Projekt mit der Kantonsschule am Burggraben zusammenarbeitet, glänzt mit Präzision, Professionalität und hervorragendem Talent. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich das Stück anzusehen. Denn auch wenn es eine Kinderoper ist, viele Erwachsene können sich von der Disziplin und dem Mut der Kinder eine grosse Scheibe abschneiden. “Der kleine Schornsteinfeger” ist ein Stück, das von A bis Z spannend, witzig und unterhaltsam ist. Grossartig!

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