Wenn Gewinn nicht alles ist

Worin unterscheidet sich die ABS von einer anderen Bank?

Die ABS verkörpert die soziale und ökologische Alternative zu anderen Banken in der Schweiz. Das heisst, sie zeigt Wege auf, wie Geld ethisch korrekt angelegt oder investiert werden kann. Die ABS verzichtet auf Gewinnmaximierung und stellt ihre ethischen Grundsätze in den Vordergrund. Sie finanziert und investiert in nachhaltige Projekte und Unternehmen. ABS-Kunden wissen, was mit ihrem Geld geschieht, denn sämtliche ausbezahlten Kredite werden mit Namen, Verwendungszweck und Betrag im gedruckten Geschäftsbericht veröffentlicht.

 

Heutzutage rühmen sich praktisch alle Schweizer Banken ihrer Nachhaltigkeitspolitik, halten sich an interne Ethik-Richtlinien und bieten sogenannte Ökofonds an. Braucht es da überhaupt noch eine alternative Bank?

Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob das Wort ‘Nachhaltigkeit’ lediglich als Marketinginstrument dient, um einem Trend hinterherzujagen, oder ob die Nachhaltigkeit wirklich durch und durch im Betrieb gelebt wird. Die ABS hat nicht nur einen grünen ‘Fond’ und daneben hundert andere Sachen in ihrem Angebot: Ihr ganzes Geschäftsmodell ist auf die Nachhaltigkeit ausgerichtet. Nachhaltigkeit heisst für uns, die gleichberechtigte Berücksichtigung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedürfnisse. So bewirkt das angelegte Geld Sinnvolles für die Umwelt und den Menschen. Oft wird Nachhaltigkeit vor allem so verstanden, dass etwas langfristig Gewinn abwerfen soll. Auf wessen Kosten das passiert, ist dabei zweitrangig. Zum ABS-Geschäftsmodell gehört aber nicht nur das ‘alternative Wirtschaften’. Genauso wichtig sind für uns die Mitwirkung der Mitarbeitenden, die Gleichstellung der Geschlechter sowie die transparente Entlöhnung.

 

Sind Finanzkrise, Schwarzgeld und überbordende Managerlöhne Probleme, von denen eine alternative Bank wie die ABS nicht betroffen ist?

Schwarzgeld nehmen wir nicht an, wir verfolgen seit der Gründung vor 20 Jahren eine konsequente Weissgeldstrategie. Überbordende Managerlöhne sind bei uns sowieso kein Thema: Die Lohnspanne zwischen dem höchsten und dem tiefsten Gehalt beträgt heute 1 zu 3,5. Ausserdem herrscht Transparenz über die Lohnbezüge: Alle Mitarbeitenden haben Einblick in die Lohnprotokolle und die Löhne der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates werden zusätzlich extern publiziert.

In den letzten Jahren haben verschiedene Krisen die Menschen dazu bewegt, sich Gedanken über ihren Umgang mit Geld zu machen. Die Finanzkrise hat uns viele neue Kundinnen und Kunden und somit auch sehr viele Gelder beschert. Während der Zuwachs an Kundschaft und Geldern zeigt, dass die ABS als transparente, soziale und ökologische Bank auf grosses Interesse stösst, stellt sich die anhaltende Tiefzinsphase als Herausforderung dar, da sich die ABS primär über ihr realwirtschaftlich ausgerichtetes Zinsdifferenzgeschäft finanziert.

 

Die Gründung der ABS rief in der Schweizer Wirtschaftswelt wenig Begeisterung hervor, die Bank wurde mit ihrem alternativen Geschäftsmodell als kaum überlebensfähig eingeschätzt.  Wo steht die ABS heute?

Wir haben bewiesen, dass unser alternatives Geschäftsmodell nicht nur einfach im Markt bestehen kann, sondern darüber hinaus auch ziemlich erfolgreich ist: 1990 starteten wir mit acht Personen. Zwanzig Jahre später sind wir 80 Mitarbeitende, zählen über 25’000 Kundinnen und Kunden, rund 4’400 Aktionärinnen und Aktionäre, sowie eine Bilanzsumme von über einer Milliarde. In der Schweiz sind wir führend in Sachen ökologische und soziale Kredite. Das ist doch ziemlich erstaunlich, oder?

 

In welche Richtung wird sich die ABS weiterentwickeln? Werden Sie weiterhin beim klassischen Bankgeschäft bleiben?

Wir sind hauptsächlich eine Spar- und Kreditbank. Wir überlegen jedoch stets, welche Produkte wir der Kundschaft anbieten können. Seit 2007 haben wir ein Anlageberatungsgeschäft aufgebaut, welches wir vor allem in diesem Jahr noch weiterentwickeln werden, um weniger vom Zinsdifferenzgeschäft abhängig zu sein.

Aus unserer Sicht gibt es aber auch noch einiges im klassischen Bankgeschäft zu tun. Ebenso gibt sich die ABS einen gesellschaftspolitischen Auftrag, sie möchte eine Plattform bieten, um Themen rund um das Geld in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Eine Veranstaltungsreihe ist bereits in Vorbereitung.

 

Wie sehen Sie die Schweizer Finanzwelt der Zukunft? Gibt es einen Trend in Richtung nachhaltiges, verantwortungsbewusstes Handeln?

Sicher hat die Finanzkrise etwas ausgelöst. Der Staat versucht nun mit Regulierungen, die Banken zu weniger risikoreichem Wirtschaften zu zwingen. Tatsächlich scheint sich aber nicht allzu viel verändert zu haben: Viele Banken wirtschaften fast gleich wie vor der Krise. Das hat vielleicht auch mit der herkömmlichen Bankenausbildung  zu tun, wo vor allem die Profitmaximierung im Vordergrund steht. Somit ist der Rückfall in alte Verhaltensmuster vorprogrammiert und der Lerneffekt der Krise hält nur sehr kurzfristig an. Solange den Kundinnen und Kunden  der Zins bzw. ‘der Preis’ am Wichtigsten ist, wird sich nichts ändern. Um wirklich etwas ändern zu können, wäre der Druck der Kundschaft notwendig.

 

Was bringt mir soziales Engagement?

Gemeinnützige Arbeit fördert die Persönlichkeit, die eigenen Kompetenzen und ist eine wertvolle Ergänzung zur schulischen Ausbildung. Wenig überraschend war daher die Feststellung an der Konferenz “Engagement bewegt”, dass Freiwilligenarbeit vor allem in den höheren Bildungsschichten Anklang und Verbreitung findet. Bildung und soziale Stabilität sind auch für soziales Engagement wichtig. Einen Grund lieferte im abschliessenden Referat am Nachmittag  Dr. Theo Wehner, Professor an der ETH Zürich: Freiwilligenarbeit könnten Menschen vor allem dann leisten, wenn sie die nötige finanzielle, soziale und somit existenzielle Sicherheit haben.

 

Geld entscheidet nicht

Eine ausreichende Erklärung für die Bereitschaft zum sozialen Engagement ist dies nicht. In den Referaten wurden unterschiedliche Ansatzpunkte geliefert. So stellte Wiebken Düx, Diplom- Pädagogin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Technischen Universität Dortmund, heraus, dass es für Jugendliche, die unabhängig sein wollen, sehr motivierend sei, wenn sie freiwillig und selbstbestimmt handeln können. Auch der direkte Erfolg, der bei den Tätigkeiten häufig zu erfahren ist, gäbe Ansporn für weitere Aktivitäten. Den Aspekt des “Tätig-seins” hob auch Wehner später ausdrücklich hervor.

 

Obligatorisch und doch ehrenamtlich

Eine etwas andere Einstellung hat Dr. James Youniss, Professor an der Catholic University of America in Washington, DC. Auch er misst der ehrenamtlichen Arbeit grosse Bedeutung bei, sieht aber auch eine Aufgabe bei den Erwachsenen, Jugendliche zu dieser Bereitschaft zu animieren. Besonders hoch bewertet er dabei die Erziehung zu politisch-mündigen, aber vor allem -bewussten Bürgern.

 

Das Element der Freiwilligkeit hält er dabei für weniger ausschlaggebend. Als Beispiel führte er an der Konferenz Statistiken von Schulen vor, an denen der sogenannte „civil service“ obligatorisch war. Dort mussten die Schüler eine gewisse Stundenzahl an ehrenamtlicher Arbeit verrichten. Die Studien zeigten jedoch, dass nach dieser Pflichtzeit  ein Grossteil der Jugendlichen weiterhin ehrenamtlich, nun freiwillig, partizipierte. Was Youniss verdeutlichen wollte, war der Zusammenhang zwischen politischem Interesse und gemeinnütziger Arbeit.

 

Systemkritik

Politische Partizipation, so betonte Youniss später im Gespräch, hiesse nicht, dass man einer Partei beitreten oder eine bestimmte, politische Einstellung einnehmen solle. Vielmehr sei ihm wichtig, dass Jugendliche sich wieder oder weiterhin für politische Themen interessierten, ihrer Rolle in einem demokratischen System gewahr würden und – Basis unserer Gesellschaft – wählen gingen. Hierfür müsse man Jugendlichen aber Werte wie beispielsweise soziales Engagement, Eigenverantwortung und Freiheit vermitteln, welche sie nicht annehmen bräuchten, aber die sie für sich individuell verhandeln könnten.

Wenn man den aufgezählten Statistiken und Zahlen Glauben schenken darf, so scheint ehrenamtliches Engagement tatsächlich ein Hebel zur Aktivierung von jungen Menschen zu sein. Die Ursache mag im Verantwortungsbewusstsein liegen, welches sich dabei entwickelt. Vielleicht ist es aber auch einfach der Austausch mit anderen Menschen. Freiwillige Arbeit kann Toleranz bildend sein und Verständnis für die Situation anderer Menschen fördern.

 

Wie man die Welt verändert

Diesbezüglich brachte Youniss in seinem Vortrag das Beispiel eines Mannes, der als Vietnamveteran Lehrer wurde und seinen Klassen zeigen wollte “how to change the world”. Seine überwiegend Afro-amerikanischen und nicht selten aus schwierigen familiären Umfeldern stammenden Schüler animierte er zur Arbeit in einer Suppenküche, direkt neben dem Capitol. Dabei kamen die Jugendlichen in Berührung mit vielerlei Menschen mit teils tragischen Lebensgeschichten Vor allem lernten sie, dass hinter den Menschen, an denen sie sonst vielleicht nur vorbeigehen würden, Schicksale stehen, dass sie eine Verantwortung gegenüber sich und anderen haben, so Youniss. Bei einer späteren Befragung habe sich gezeigt, dass alle Schüler des Lehrers angaben, wählen zu gehen und sich für politische Themen zu interessieren. Die Arbeit aber auch der Lehrer als Person habe sie geformt und positiv beeinflusst. Viele gingen zukünftig sozialen Tätigkeiten nach.

 

Natürlich, das betonte auch Youniss, sei der Lehrer eine aussergewöhnliche Persönlichkeit gewesen und dieses Beispiel nicht der Regelfall, aber es zeige doch, was durch Engagement und dem Aufruf dazu möglich sei.

 

Geprägt

Keine Frage: freiwilliges Engagement im sozialen, politischen oder ökologischen Bereich ist prägend. In der von Düx geführten Studie wurden die Teilnehmenden befragt, ob sie sich in den Kompetenzen, die man durch ehrenamtliche Arbeit gewinnen kann, als gut einschätzten. Die ehemals Engagierten beantworteten diese Frage mit einem Ja, mehr und deutlicher, als Nicht-Engagierte. Düx wies darauf hin, dass die Richtigkeit dieser Angaben und Selbsteinschätzungen natürlich nicht überprüft werden konnte. Doch ist das entscheidend? Schliesslich sind Selbstwert und Selbstvertrauen subjektive Empfindungen – wertvolle ausserdem, gerade für junge Menschen.

Nach der Wahl ist vor dem Engagement

Mehr als ein halbes Jahr haben unsere Vorbereitungen auf die Generalratswahl in der Freiburger Gemeinde Wünnewil-Flamatt gedauert. Jetzt sind die Wahlen vorüber. Und wir haben eine kleine Sensation geschafft: Von den 50 zu vergebenen Sitzen haben wir sage und schreibe sechs erhalten. Gerechnet hatten wir mit Maximum zwei oder drei.

 

Es war ein richtiger Krimi: Am Wahlsonntag trafen wir elf Kandidaten der Jungen Freien Liste uns kurz nach Mittag, da die Resultate auf den späteren Nachmittag angekündigt worden waren. Einige waren mehr, andere weniger aufgeregt, aber alle gespannt auf das Ergebnis. Bald einmal meldete uns die Gemeindeverwaltung, dass die Stimmen zwar ausgezählt seien, jedoch die Sitzzahlen wegen eines Computerproblems noch nicht berechnet werden könnten. Darum hiess es warten. Es wurde Abend. Wir hatten uns schon damit abgefunden, dass das Resultat wohl erst im Laufe des Montags klar würde. Gerade als wir im Begriff waren zu gehen, erhielten wir einen Anruf aus dem Gemeindehaus: Das Ergebnis sei auf der Gemeindeverwaltung einzusehen.

 

Geschafft!

Man hatte die Sitzverteilung von Hand ausgerechnet. Nur Sekunden später klingelte erneut ein Handy und ein befreundeter Gemeinderat meldete uns die Anzahl der Sitze, die wir erreicht hatten: sechs! Da war natürlich kein Halten mehr und wir machten uns in euphorischer Stimmung auf den Weg zum Gemeindehaus. Dort trafen wir auf die Gemeinderatspräsidentin und andere Kandidaten. Noch wussten wir nicht, welche sechs unserer elf Kandidatinnen und Kandidaten gewählt waren. In einem schmalen Heft, welches die Gemeindeverwaltung auf die Schnelle gedruckt hatte, stand das Wahlresultat im Detail.

 

Mein Co-Initiant, ich und vier weitere Mitkanditaten hatten es geschafft. Noch mehr als über meine persönliche Wahl, freute ich mich über unser Gesamtresultat. Sechs, das heisst, wir sind nun die fünftstärkste Kraft im Generalrat hinter den vier Stammparteien, die stärkste der neu gegründeten Gruppierungen. Mit sechs Sitzen können wir unsere kommenden Aufgaben aus einer guten Position heraus angehen. Die Jugend hat jetzt Gewicht in unserer Gemeindepolitik.

 

Mehr als Floskeln

Nie hätten wir uns das erträumt. Dass die moralische Unterstützung in der Gemeinde recht hoch war, hatten wir immer wieder gehört. Viele, sowohl junge als auch ältere Leute sagten: “ich finde das super, was ihr macht.” Doch wir waren uns nicht sicher gewesen, ob das nur Floskeln waren oder ob man uns dann auch wirklich wählen würde. Vor allem die Jungen galt es zu mobilisieren. Wir starteten mehrere Aktionen in der Stadt und in Sportvereinen. Anscheinend hat sich der ganze Aufwand ausbezahlt.

 

Gross und ziemlich durchmischt war das Echo vor und nach der Wahl. Einige Gleichaltrige sagten uns offen, wir sollten doch in den Ausgang und nicht in die Politik gehen, aber das waren Ausnahmen. Die Allermeisten fanden unser Engagement super und gratulierten uns nach der Wahl herzlich. Sogar im regionalen Radio und in der Presse wurde über die „kleine Überraschung“ (Freiburger Nachrichten) berichtet. Auch die übrigen Parteien der Gemeinde haben unseren Erfolg (jedenfalls nach aussen hin) gelobt. Denn es ist auch klar, dass wir einigen von ihnen einen Sitz weggeschnappt haben.

 

Wehmutstropfen Stimmbeteiligung

Was ich sehr schön finde: Wir Jungen haben durch die Wahl von den Einwohnerinnen und Einwohnern der Gemeinde das Vertrauen erhalten. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich, wo man doch immer davon spricht, dass sich die Generationen weiter und weiter voneinander wegbewegten.

 

Tief für eine Wahl mit einer derartigen Medienpräsenz war hingegen die Stimmbeteiligung. Sie lag gerade mal bei 36 Prozent. Auch dass Flamatt, das etwas kleinere Dorf unserer Zweidörfergemeinde mit 8 Sitzen nur schwach im Generalrat vertreten sein wird, ist schade. Doch im Moment zählt vor allem, dass wir uns nicht auf die faule Haut legen, sondern uns weiter engagieren und zeigen, dass wir Jungen auch Politik machen können. Ich freue mich schon auf die ersten Sitzungen des neuen Generalrats.

“Wir suchten nach dem gewissen Extra”

Als erstes möchte ich über die Digitalisierung der Musik sprechen. Was denkt ihr darüber?

Mickael Karkousse: Als wir das letzte Album veröffentlicht haben, haben wir uns sehr stark mit dessen Gesamtpaket auseinandergesetzt und uns wurde ziemlich schnell klar, dass die Band die einzige Instanz ist, die sich wirklich darum schert. Das Plattenlabel nämlich nicht. Die wollen das Ding einfach schnell veröffentlichen, um dann auch möglichst schnell Geld damit zu verdienen.

Wir wollten das Album dann auch als Vinyl und als Doppelvinyl und dazu ein schönes Cover, damit es für den Käufer einen Anreiz gibt, sich mit dem Medium CD oder Vinyl zu befassen, statt nur die Tracks herunterzuladen.

 

Und wenn ihr selber Musik kauft? Kauft ihr CDs oder oder ladet ihr die Musik herunter?

Mickael: Ich muss zugeben, ich lad Musik auf iTunes runter, weil es bei uns zu Hause nicht einen vernünftigen Plattenladen gibt. Es werden DVDs und Computerspiele verkauft, aber CDs und vor allem Schallplatten nicht. Und auf Tour ist es einfach praktischer, wenn man seine Musikbibliothek auf dem Computer hat und nicht Unmengen von CDs mit sich rumtragen muss.

Bert Libeert: Ich muss noch ergänzen: Wenn ich eine Band wirklich, wirklich gut finde, kauf ich mir das Album, weil ich es dann einfach haben muss. Ich will es dann berühren und auch wirklich in den Händen halten können. Wobei das eigentlich nur bei zwei Bands der Fall ist, nämlich bei Phoenix und Daft Punk.

 

Ihr wollt, dass eure Fans die Platten kaufen, bevorzugt selber aber die digitale Version?

Bert: Ja (lacht), nein, ich meine, wenn wir keine Schallplatten produzieren würden, so wäre manch ein Schallplattensammler wütend. Es gibt Leute, die das wirklich schätzen. Wir produzieren nicht Tausende von Platten, sondern vielleicht nur 500. Dann sind sie exklusiv und für die Leute bestimmt, die das auch wirklich schätzen. Besonders exklusiv ist vor allem, dass das Cover des Albums “Synrise” von Storm Thorgerson gestaltet wurde. Der Typ ist eine Legende! Er hat auch alle Covers von Pink Floyd entworfen. Es ist uns wichtig, dass man auch etwas Physisches davon trägt als Käufer, dass wir  also etwas hinterlassen.

Mickael: Wir kennen zwei Typen, die völlig verrückt nach Platten sind: – Too Many DJs (beide lachen).

 

Ihr stammt ja nicht vom französisch-sprachigen Teil von Belgien, und du hast vorher Daft Punk erwähnt – wen bevorzugt ihr? Daft Punk oder Kraftwerk?

Mickael: Das ist schwierig zu sagen. Aber ich glaube, es ist auch nicht nötig, sich zwischen den beiden zu entscheiden, weil sie ja nicht in der selben Zeitspanne tätig waren. Kraftwerk sind halt wirklich einzigartig, nicht nur wegen dem, was sie gemacht haben, sondern auch weil sie die ersten waren, die diese Art von Musik auf einer kommerziellen Basis machten. Zwei Jahre, bevor Kraftwerk auftauchten, gab es schon Bands, die einen ähnlichen Sound hatten, jedoch nicht aus dem Untergrund auftauchten waren.

 

Das klingt alles sehr elektronisch, trotzdem habt ihr als eine Band angefangen, die AC-DC- Songs gecovert hat –  wie seid ihr bei diesem elektronischen Sound gelandet?

Mickael: Wir wurden schon von AC-DC beeinflusst, aber tatsächlich gecovert haben wir nur einen Song von ihnen. Die restlichen haben sich einfach wie AC-DC-Songs angehört. Das passierte Schritt für Schritt, es war die Entwicklung, die wir durchleben mussten, um heute die Art von Musik zu machen, die wir machen. Eines Tages gab man uns unseren ersten Synthesizer, dann kauften wir einen zweiten. Man lernt und lernt und am Ende des Tages hast du zu viele Synthesizer.

Bert: Bands wie Daft Punk und Digitalism haben uns dazu inspiriert, unsere Musikrichtung zu ändern. Aber es war nicht so, dass wir die Entscheidung “Hey, ab morgen spielen wir Electro!” trafen. Es war mehr so, dass uns der Sound, den man mit Gitarren machen kann, noch nicht extrem genug war. Wir haben nach dem “gewissen Extra” gesucht, was uns der Klang von einfachen Gitarren nicht liefern konnte. Uns fehlte da die Power, die Energie. Zum Beispiel auch bei der Bassgitarre: Der Sound war nicht hart genug, wir wollten, dass das Publikum die Musik richtig spüren kann. Dann haben wir viele Pedals für den Bass gekauft, das klang dann wie ein Synthesizer und dann dachten wir einfach: “Warum nicht direkt Synthesizer kaufen?”

Mickael: Was ja auch Sinn macht.

Bert: Aber wir sind immer noch eine Band, und wenn man uns live sieht, merkt man schnell, dass die Rock-Attitüde noch da ist.

 

Dieser ganze Electrohype begann ja 2007, ist aber langsam auch wieder am Abflachen. Was denkt ihr, wird der nächste Hype sein?

Bert: Ich würde auf diese Country-Folk-Musik setzen. Obwohl das ja was völlig anderes ist als die Musik, die wir machen. Wenn man Rock- und Elektrobands im Radio spielt, lässt sich wirklich auch diese Rock-Attitüde raushören, beim Folk kehrt man dann eher zu den Hippiewurzeln zurück.

Ein Fremder bei mir zuhause

“Vom Geld finanziere ich eine Reise nach Indonesien oder Vietnam”, sagt Fridolin. Seinen genauen Gewinn möchte er nicht verraten, aber es seien “schon nicht viel weniger als 6-˜000 Franken”.

 

Grosse Nachfrage

Fridolin wohnt während der Baselworld bei seiner Freundin und im “Hotel Mama”. “Sie kocht eben immer noch köstlich.” Wer nun in Fridolins Wohnung wohnt, weiss nur die zuständige Agentur Basellodging. Sie vermittelt seit sechs Jahren Privatwohnungen an Ausstellende, Medienschaffende und Messebesucher. 360 Gäste wohnen in rund 160 Wohnungen. Mit der Hochkonjunktur in der Schmuck- und Uhrenbranche ist die Nachfrage grösser als das Angebot.

 

Das Bett auf einem Bücherstapel

“Wir suchen aktiv nach möglichen Wohnungen aller Art”, erklärt Christian C. Moesch von Basellodging, “aber Studenten-WGs, in denen das Bett auf einem Bücherstapel mit medizinischer Fachliteratur steht, sind für uns leider nicht weitervermietbar”. Fridolins Wohnung hat den Qualitäts-Check überstanden: An der Rheinfelderstrasse in Fussdistanz zur Messe gelegen, Wireless-Lan, Kaffeemaschine, Lift.

 

Ein halbes Jahr Currygeschmack

Zehn Tage lang darf Fridolin nun seine eigene Wohnung nicht betreten und weiss nicht, was darin vor sich geht. “Schon ein komisches Gefühl” sei das, “eine Versicherung schützt vor Schäden, nicht aber vor Diebstahl. Meine wertvollen Sachen sind aber in Sicherheit und einen Bratpfannenklau nähme ich bei dem Mietpreis auch in Kauf.” Fridolin braucht sich keine Sorgen zu machen. Laut Christian C. Moesch habe es bisher kaum Probleme gegeben: “Unsere Gäste lassen eher mal ein paar Prospekte liegen, als dass sie etwas mitnehmen. Und bei einer Kollegin roch es ein halbes Jahr nach Curry, nachdem Inder bei ihr wohnten.” Eine geschmackvolle Ausnahme.

 

Fast wie im Hotel

Frühstück ans Bett gibt’s nicht im Angebot. Doch ein täglicher Zimmerservice wäscht ab, tauscht Handtücher aus und putzt für die Gäste der Baselworld. Fast wie im Hotel. Auch für Fridolin angenehm: “Mein Bett wurde mit einer schützenden Folie überspannt und mit neuen Duvets bezogen.” Und wenn der Glanz der Baselworld Anfang April schon in alle Welt verflogen ist, glänzen sein Portemonnaie und die frisch gereinigte Wohnung.

 

* Name aus Diskretionsgründen geändert, Name der Redaktion bekannt

Filme des Südens

Was Fribourg von anderen Festivals abheben lässt, ist, dass sich die Auswahlkommission auf Filme aus den Ländern des Südens konzentriert. Was früher noch als ein Euphemismus für Entwicklungsländer durchgehen konnte, steht heute einer ganz anderen Realität gegenüber. Oder wie es der Direktor des FIFF, Edouard Waintrop, ausdrückte: “Die Welt hat sich schon lange verändert. Der sogenannte Süden hat bereits bevor, aber insbesondere seit die Krise die ehemals Erste Welt – Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika – erreichte, politische und wirtschaftliche Giganten hervorgebracht. Länder wie Brasilien, China oder Indien sind zu dominierenden Weltmächten geworden. Eine Vielzahl anderer Weltgegenden, aus denen die Filme des Südens traditionellerweise stammen, beeindrucken durch eine starke wirtschaftliche Entwicklung. Die Welt ist dadurch jedoch nicht gerechter geworden, im Gegenteil.”

Dass die Welt nicht gerechter geworden ist, sah man dann auch in jedem der gezeigten Filme. Die Filmemacher verfolgten den Anspruch, die Realität nachzuzeichnen, und die Realität in zwei Dritteln der Welt ist eine pessimistische.

Die Kraft dieser Filme liegt darin, dem Zuschauer Zugänge zu dieser Realität zu ermöglichen. Trotz der bedrückenden Schwere des Inhalts gelingt es, dank der kontrastreichen Ästhetik, den spannenden Formen und der überraschenden Rhythmik eine empathische Nähe zu konstruieren.

Das Film Festival von Fribourg ist kein gemütlicher DVD-Abend mit Popcorn, sondern Horizonterweiterung mit Nachwirkungen. Zum Glück.

Info


Der grosse Preis “Le Regard d’Or” geht an den Regisseur und den Produzenten: Poetry von Lee Chang-Dong, Südkorea 2010.

Der Publikumspreis und der Preis der ökumenischen Jury geht an: “Los Colores del la Montaña” von Carlos César Arbeláez, Kolumbien, Panama 2010.

Die Internationale Jury spricht eine lobende Erwähnung aus für den Film “Sin Retorno” von Miguel Cohan, Argentinien / Spanien 2010.

 

Links

Kalte Badewannen und Brustgrössen

Knapp einen Monat, nachdem die neue CD “3Ï€R” erschienen ist, sitzen die drei Mitglieder von Rapbau Amadis Brugnoni (23), Raphael Pfister (21) und Marco Schock (23) Tink.ch bei Tee und Limonade Rede und Antwort. “Mathekönner erkennen sofort, dass die Formel des Albums frei erfunden ist”, sagt Raphael und schmunzelt. Die Drei steht für die drei Mitglieder, Ï€ für die Musik und R für Rapbau. “Es kann auch anders ausgelegt werden”, meint Marco, “Aber es ist kein Konzepttitel, nach dem wir unsere Songs ausgerichtet haben”.

 

Für ihre zweite Scheibe haben Rapbau das Projekt “Band” ausgebaut. Als besonders schwierig erwies sich die Koordination, um mit allen Musikern zeitgleich zu arbeiten. “Wir haben schon Probleme, uns zu dritt zu verabreden”, so Amadis. Geklappt hat es am Ende trotzdem, so kommen die neuen Songs teilweise funkig und melodiös daher. Weg vom Rap? “Nein, natürlich nicht”, antwortet Raphael, “nur weil wir keine Gangsta Rapper sind, heisst das noch lange nicht, dass wir keinen Hip-Hop machen”. Und Amadis ergänzt: “Hip-Hop darf von der Musik her anspruchsvoller sein.”

 

Zu “Was blyybt” haben Rapbau im Januar unter der Regie von reverse einen Videoclip gedreht. “Es war arschkalt!”, erinnern sich Marco und Raphael. Amadis grinst: “Ich war gar nicht dabei. Urlaub in Neuseeland.” Böse Blicke fliegen in seine Richtung. “Es mag nicht immer den Anschein haben, aber wir mögen uns. Wirklich”, so Marco. Und: Kompromissbereiter seien sie geworden seit ihrer ersten CD, die 2009 erschienen ist. Ansonsten sind sie noch dieselben.

 

Tink.ch fragt nach: Was unterscheidet die Rapbau-Mitglieder denn voneinander? In Film- und Frauenvorlieben? Oder Freizeitaktivitäten? “Also Amadis mag grosse Brüste, Marco kleinere und ich was dazwischen. Oder wars umgekehrt?”, albert Raphael herum. Die Diskussion entbrennt. Ist es die Fortbewegungsart? Amadis ist auf der Vespa unterwegs, Raphael Velofahrer aus Leidenschaft und Marco bekennender Unterstützer des ÖVs. Zu einem richtigen Abschluss kommen die drei am Ende nicht. Nach dem Interview wollen sie noch proben. Doch es geht zeitlich nicht auf. Zwei Tage später kann Marco nicht und drei Tage später ist Amadis den ganzen Tag schon ausgebucht.

 

Plattentaufe ist am – kein Aprilscherz – 1. April 2011, um Mitternacht im Rahmen der BScene im Volkshaus Basel.

 

 

Verlosung


Tink.ch verlost ein Exemplar von “3Ï€R”. Wer teilnehmen möchte, schreibt ein Mail an redaktion@tink.ch. Teilnahmeschluss ist der 03. April 2011.

 

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Rock in den Bergen

Drei Tage Rock, Metal, Punk und Rock’n’Roll: Vom neunten bis elften Juni findet dieses Jahr das etablierte Rockfestival Greenfield in Interlaken statt. Neu präsentiert es sich nicht von Freitag bis Sonntag wie bisher, sondern von Donnerstag bis Samstag. Grund dafür ist Pfingsten – der Festtag fällt dieses Jahr auf den 12. Juni.

 

Doch auch von Donnerstag bis Samstag wird Rockfans ein vielfältiges Programm geboten. Zu den grossen Namen gehören die Foo Fighters und System of a Down. Erstere ist eine US-amerikanische Alternative Rock Band, die – passend zur 7. Ausgabe des Greenfield Festivals – dieses Jahr ihr 7. Album herausgeben hat. Dave Grohl, Frontmann der erfolgreichen Gruppe, bezeichnet sein Album selbst als Festivalalbum: “Ich will es in der Nacht vor Tausenden von Menschen spielen”. Seinen Wunsch wird er am Greenfield Festival erfüllen können.

 

Würze aus dem Norden

Auch System of a Down machen dieses Jahr ihren Fans ein Geschenk: Nach einer fünfjährigen Pause zeigt sich die Band wieder vereint und geht auf Tournee. 21 Konzerte in der ganzen Welt sind angekündigt – eines davon am Greenfield Festival in Interlaken.

 

Der Rest des Programms kann sich ebenfalls sehen lassen. Mit Disturbed und Social Distortion sind zwei Bands dabei, die Interlaken bereits 2009 mächtig aufzuheizen vermochten. Bereits zum vierten Mal am Greenfield Festival spielt die beliebte irisch-amerikanische Band Flogging Molly Rock, Folk und Punk. Für die gewisse Würze – dieses Jahr aus Klassik und Metal – sorgen die Finnen: Apocalyptica gibt sich die Ehre. “Elvis-Metal” bringen Volbeat aus Dänemark mit.

 

Rekordtaugliches Programm?

Das Ziel ist hoch gesteckt: Nach dem Rekord mit 26’000 Besuchern im letzten Jahr muss vermutlich noch der eine oder andere Headliner folgen, um neben den eingeschweissten Fans ein paar Neulinge nach Interlaken zu locken. Doch bestätigt sind bis Redaktionsschluss 29 Bands, letztes Jahr gab es insgesamt 43 Acts.

 

Ein Kritikpunkt steht indes fest: Für das Greenfield Festival sind ausschliesslich Dreitagespässe erhältlich. Allerdings, so die Organisatoren, seien dafür das Campieren auf dem Gelände, der Shuttlebus vom Bahnhof sowie die Zugfahrt und die Parkplätze für die Besucher gratis.