Kultur | 07.02.2011

Kultur im wilden Westen

Zum 25. Mal findet mit dem SXSW im texanischen Austin (USA) das grösste Indie-Festival der Welt statt. Gegen 2'000 Bands und Solokünstler werden im März auf knapp 100 Bühnen in Gärten, Garagen und Hinterhöfen stehen.
Das SXSW unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom uns Gewohnten.
Bild: SXSW Die ganze Stadt verwandelt sich zum Festivalgelände. Gespielt wird nämlich auf der Strasse, in Hinterhöfen und sogar in Garagen. Foto: Martin Sigrist

Das SXSW (ausgesprochen South by Southwest) ist ein mehrteiliges Festival vom 15. bis 20. März 2011, welches zu den Bereichen Interactive, Film, Musik und ab diesem Jahr Style die Menschen in die texanische Hauptstadt Austin lockt. Zwar gilt dieser US-amerikanische Bundesstaat nicht als besonders hip oder innovativ, was Kultur angeht, sondern eher als das Zentrum der Todesstrafe, grosser Gürtelschnallen und des Rodeoreitens, doch ist Austin eine erstaunlich grüne, alternative und mit circa 800’000 Einwohnern für texanische Verhältnisse nicht besonders grosse Stadt.

 

Tink.ch wird sich dieses Jahr wiederum auf die Musik fokussieren. Alleine im offiziellen Programm des Festivals werden 2’000 Bands auf knapp 100 Bühnen erwartet. Das komplette Programm zu lesen kann durch die schiere Masse etwas anstrengend werden, zudem sind kaum grosse Namen darin zu finden. Das SXSW klotzt nicht mit Headlinern, sondern punktet durch Künstler mit der Angewohnheit, erst nach ihren Auftritten in Austin bekannt zu werden. Es empfiehlt sich, zur Bestätigung, die Programme der vergangenen Jahre anzuschauen. Die Konzerte beschränken sich mehrheitlich auf kurze Showcases, bevor die Künstler ihre Ausrüstung packen, um kurz darauf zwei Strassen weiter im nächsten Club zu spielen.

 

Das SXSW entspricht nicht den üblichen Vorstellungen europäischer Festivals. Als Club-Festival finden die zahlreichen kaum überschaubaren Konzerte meist in den bestehenden Clubs und Bars statt. Mehr oder minder offiziell beteiligt sich ergänzend die ganze Stadt daran. In der Innenstadt wird überall Musik gespielt, sei es in Vorgärten, auf Parkplätzen, hinter Häusern, in Parks oder an allen weiteren erdenklichen und unerdenklichen Orten. Auch preislich findet sich das Festival  nicht im Rahmen des bei uns Gewohnten. Der Musik-Pass zu allen Veranstaltungen kann, sofern nicht frühzeitig gekauft, auch mal 700 Franken oder mehr kosten. Das vollständige Festival noch einiges mehr. Wer hinter das System blickt, kann jedoch viele Shows kostenlos sehen, entweder weil sie draussen stattfinden oder weil eine Gästeliste geführt wird, auf die man sich – gewusst wo – kostenlos setzen kann. Übernachtungsmöglichkeiten sind zumindest im Zentrum ebenfalls nicht günstig. Wer von der texanischen Gastfreundschaft profitieren möchte, findet sicher übers Netz eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit, wie dies viele der auftretenden Künstler auch tun. Hotels hingegen sind meist ausgebucht oder sehr teuer, insbesondere wenn sie in Gehdistanz der Konzertlokale liegen.

 

Dass es beim SXSW nicht nur um Musik, sondern auch um viel Geld geht, wird nicht nur bei der Preisliste fürs Festival ersichtlich. Hier werden Netzwerke aufgebaut und gepflegt und das Festival bringt der Gastgeber-Stadt laut Veranstaltern circa 100 Millionen Dollar Wertschöpfung. Promotion für andere Festivals und Labels sowie ganze Städte und Staaten nicht miteingerechnet.

 

Tink.ch wird im März von Austin berichten und die Fühler nach spannenden Newcomern ausstrecken. Im Internet finden sich bereits jetzt zahlreiche Empfehlungen für die nächsten angesagten Stars, die es am SXSW zu entdecken gilt.

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