Sport | 01.02.2011

Jetzt Sarah, geniesse es!

Konzentriert geht es zu und her in der Mixed Zone, wo die Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer an der EM sich auf ihre Kür vorbereiten. Die Emotionen, die kommen erst danach. Wie bei Sarah Meier. Die 26-jährige Zürcherin beendete am Samstag ihre Karriere mit Gold.
Viele Interviews vor dem Karrierenende.
Bild: Louisa Nelle Nach einigen Höhen und Tiefen seit ihrer letzten Medaille 2003 an der EM gewann die Finnin Kiira Korpi Bronze. Zwischenrang 3 am Freitag für Sarah Meier, Gold am Samstag.

Die ersten Töne von “Summertime” klingen an. Doch das Lied kann der Kälte in der Eishalle nichts anhaben. Romy Bühler, die 16-jährige Schweizer Eiskunstläuferin, beginnt ihr Kurzprogramm. Das dunkelviolette Kleid schmiegt sich an ihren schmalen Körper. Ihre grazilen Bewegungen fesseln die Augen der Zuschauer, die jubelnd ihren Namen rufen. Jetzt kommt der erste Sprung und, nein, sie verliert das Gleichgewicht und fällt. Doch schnell ist sie wieder auf den Füssen und tanzt flüssig und ausdruckstark den Rest ihres Programms ohne weitere Stürze. Lächelnd verbeugt sie sich und winkt dem Publikum zu, das begeistert klatscht.

 

Als Romy vom Eis geht, wird sie gleich von ihrer sichtlich zufriedenen Trainerin empfangen und zum Sofa begleitet, auf dem sie auf die Punkteverteilung der Wertungsrichter warten. Auf vier grossen Bildschirmen, die über der Eisfläche hängen, werden noch einmal einige Videosequenzen von Romys Lauf gezeigt. Die Spannung steigt, alle warten auf die Resultate. 44,42 Punkte, damit geht Romy in Führung! Ganz erleichtert klatsche ich in die Hände. Erst jetzt merke ich, wie kalt mir geworden ist, und ziehe die Wolldecke, die an den Eingängen des Eisstadions verteilt werden, fester um mich.

 

Eine Gruppe weiss gekleideter Menschen kommt auf die Eisfläche, um diese für die nächsten fünf Läuferinnen zu präparieren. Über Lautsprecher wird bekannt gegeben, dass Stéphane Lambiel um 15 Uhr im Euroshop Autogramme geben wird. Wenig später versuche ich über die Köpfe der anderen Menschen einen Blick auf den Eislaufstar zu werfen.

 

Die Spannung steigt

Je näher der Lauf von Sarah Meier rückt, desto mehr füllen sich die Zuschauerränge der Postfinanzarena. Überall sind nun Fahnen der Teilnehmernationen zu sehen. Gegen 17 Uhr begebe ich mich in die Mixed Zone in den Katakomben. Nur mit einem Ausweis als akkreditierte Journalistin gelange ich hier hinunter. Im Gang begegne ich der Finnin Kiira Korpi. Im Trainingsanzug und mit Kopfhörern in den Ohren bereitet sie sich auf ihren Lauf vor. Kamerateams, Fotografen und Journalisten stehen bereit, um die nächste Sportlerin nach ihrem Lauf zu empfangen. Über einen Bildschirm können wir auch hier die Ereignisse, die sich nur wenige Meter neben uns abspielen, verfolgen. Das Klatschen der rund 6000 Zuschauer (über uns) ist zu hören. Im nächsten Moment kommt Kiira Korpi aus dem Stadion in die Mixed Zone. Die Kamerateams drängen hinter der Absperrung in ihre Richtung, um die Interviews zu filmen. Strahlend beantwortet sie alle Fragen, sie ist gerade auf Platz eins gelaufen!

 

Als nächstes macht sich Sarah Meier bereit. Ein letztes Mal fährt sie an die Bande, ihre Trainerin Eva Fehr scheint ihr noch ein paar ermutigende Worte zuzusprechen. Sarah trägt ein elegantes schwarz-weisses Kleid. Bis hier unten ist die euphorische Stimmung in der Halle zu spüren. Und diese scheint Sarah gut zu tun. Trotz eines verletzten Fusses läuft sie auf Platz drei, von dem sie auch keine der weiteren Läuferinnen mehr zu drängen vermag. Gleich darauf kommt Sarah Meier in die Mixed Zone. Was für ein Moment. Da stehe ich nur wenige Zentimeter neben einer Weltklassesportlerin.

 

Eine Gummiente für Sarah

Sarah zeigt sich den Reportern gegenüber sehr zufrieden mit ihrer Platzierung. Sie erzählt, sie sei unglaublich nervös gewesen und sei es immer noch, “denn das, was morgen Samstag zählt, ist die Kür”. Ausserdem kämen viele Emotionen zusammen. Sie hat keine gute Saison hinter sich, dazu die Verletzung und sie wird morgen Samstag zum letzten Mal um einen Titel tanzen. Dass sie kämpft, wird klar, als Sarah sagt, sie konzentriere sich während dem Lauf nur auf sich und den Wettkampf. Zum Geniessen bleibe da nicht viel Zeit. Für morgen habe sie ein gutes Gefühl, ihr Fuss habe ihr heute keine Schmerzen bereitet und wenn sie die Richtige Dosis zwischen Angriff und Ruhe finde, dann vielleicht… Sarah lacht und unterbricht den Satz. Ihr ist anzusehen, wie sehr sie sich den Abschluss ihrer Karriere mit einer Medaille wünscht. Da weiss sie noch nicht, dass sie mit ihrer letzten Kür am Sonntag Gold gewinnen wird.

 

Nach den Interviews wendet sich Sarah ab und geht in Richtung der Umkleidekabinen. In diesem Moment packe ich die Gelegenheit und spreche sie an. Sehr freundlich antwortet sie auf meine Frage, was das für eine blinkende Gummiente sei, die sie während den Interviews in den Händen gehalten hat. Sie schmunzelt und sagt, die habe ihr ein Fan vor die Füsse geworfen. Wahrscheinlich wisse diese Person, dass sie leidenschaftlich gern bade.

 

Magischer Abschluss einer erfolgreichen Karriere

Am Samstag verfolge ich die Kür von Sarah Meier im Fernsehen. Nach den ersten perfekten Sprüngen kann ich es vor Aufregung kaum mehr aushalten. Soll es wirklich wahr werden? Noch während den letzten Momenten ihrer Kür überkommen Sarah die Emotionen, die sie nun endlich zulassen kann. Das Kämpfen hat sich gelohnt, jetzt Sarah, geniesse es!