Kultur | 14.02.2011

Feiern – bei Wind und Wetter

Tink.ch Luzern startet mit einer neuen Berichtreihe ins Jahr 2011 und stellt verschiedene Ausgangsorte und Szenen vor. Den Anfang machen die sogenannten Bunkerpartys in Luzern. Was steckt dahinter?
Bei Wind und Wetter feiern hier Luzerner, die die aussergewöhnliche Atmosphäre schätzen.
Bild: Tink.ch Direkte Nachbarn gibt es keine, weshalb sich bisher auch noch niemand von den Partys gestört gefühlt hat.

Bunkerpartys gibt es in Luzern seit etwa fünf Jahren. Viele stellen sich nun bestimmt eine Partyreihe in einem der vielen Luzerner Clubs vor. Doch hinter dem Namen steckt etwas völlig anderes. Die Partys finden nämlich in den alten und nicht mehr genutzten Bunkeranlagen des Militärs auf der Luzerner Allmend statt. Unter freiem Himmel. Im Winter in der Kälte, wenn es regnet im Matsch und im Sommer in der Wärme.

 

In letzter Zeit hört man immer öfters davon, weshalb wir dieser etwas anderen Art von Ausgang auf den Grund gehen. An einem kalten Januarmorgen machen wir uns auf den Weg Richtung Allmend. Wir erhoffen uns bei den Bunkern jemanden anzutreffen, der uns mehr über die Partys erzählen kann. In der grössten der fünf Bunkeranlagen treffen wir auf Manfred Bunker (Name geändert). Und tatsächlich weiss er sehr viel über die Bunkerpartys zu erzählen:

 

Durch die Schliessung der Boa im Jahre 2007 ging ein weiteres Kulturzentrum in der Stadt Luzern verloren. Daraus entstand die Idee der Bunkerpartys. Man wollte, dass die alternative Kultur in Luzern weiterlebt. Die Allmend schien für Manfred der beste Ort zu sein. Denn man ist in der Natur und trotzdem nahe der Stadt. Die Partys stören ausserdem niemanden, da es keine direkten Nachbarn gibt. Dieser Teil der Allmend werde sowieso nur von Personen mit Hunden aufgesucht, sonst von niemandem. Warum also sollte man denn da keine Partys organisieren?

 

Am Anfang hatte er keine richtige Vorstellung, wie er das ganze durchführen sollte. Ihm war aber vor allem wichtig, dass man mit einem möglichst kleinen Aufwand eine gute Party bieten konnte. In den Anfangszeiten waren die Bunkerpartys eher ein Insidertipp in Luzern. Doch heute sind die Partys bekannt und daher auch gut besucht.

Heutzutage kann es vorkommen, dass an einem Abend 400 Leute unter freiem Himmel feiern. Im Winter sind es der Kälte wegen deutlich weniger.

 

Seit dem Beginn im Jahre 2007 fanden schon verschiedene Veranstaltungen statt. Unter anderem ein Raclette-Plauschabend, ein Spanferkel-Abend, Sprayerevents, Minimalpartys und einmal sogar ein dreitägiges Festival. Für all diese Events macht Manfred Werbung. Insbesondere durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Er wirbt aber auch auf Facebook und per SMS. Doch selbst wenn nicht alle Leute informiert werden, kommen viele einfach spontan vorbei, in der Hoffnung, dass etwas läuft.

 

Probleme mit der Polizei gab es auch noch nie, da die Partys im Innern des Bunkers stattfinden und dieser den Ton sehr gut abdämpft. Nachbarn gibt es wie erwähnt keine in nächster Nähe und die Polizei hat wahrscheinlich auch noch keine Klagen von der Stadt oder von Anwohnern erhalten, die solche Partys nicht wünschen. Momentan sind die Partys aber so beliebt, dass man sie sich fast nicht aus dem Luzerner Nachtleben wegdenken kann. Man würde vielen Personen ein Ausgangslokal wegnehmen, wie es 2007 schon bei der Boa der Fall war. Nicht nur Personen aus der Technoszene wären bei einer Schliessung betroffen, sondern auch Personen aus anderen Szenen, die oft einfach vorbeikommen, um draussen am Feuer zu plaudern und bei einem Bier die Natur und die spezielle Atmosphäre zu geniessen. Natürlich kommen aber die meisten immer noch wegen den Partys.

 

Doch nicht nur die Gäste schätzen die aussergewöhnliche Atmosphäre. Auch national und international bekannte DJs haben hier bereits aufleggt, wie zum Beispiel Franco Bianco aus Argentinien oder Kellerkind und Benja aus der Schweiz.

Und alle wollen wieder kommen und hier an einer Party auflegen, da es einfach ein spezielles Ambiente sei.

 

Wenn ihr ebenfalls mal eine Party im Bunker erleben wollt, dann geht doch einfach mal an einem Wochenende in die Allmend und schaut, ob Manfred Bunker mit seinen Freunden gerade eine Party feiert. Vielleicht habt ihr ja Glück und werdet Teil einer unvergesslichen Nacht.