Kultur | 08.02.2011

Der Schiffskapitän

Der Film "Stationspiraten" rührt zu Tränen. Die Komödie über fünf krebskranke junge Menschen hat die Schweizer Kinos erobert. Tink.ch fing den Aargauer Debüt-Regisseur Mike Schärer an den Solothurner Filmtagen ab und sprach mit ihm über die allgegenwärtige Krankheit.
Mike Schärer, der Regisseur von "Stationspiraten", im Gespräch mit Tink.ch.
Bild: Janosch Szabo "Krebs ist noch immer ein Tabuthema."

Wie konnten sich die Protagonisten mit der Krankheit Krebs identifizieren?

Mike Schärer: Das war schwierig. Vor allem in diesem Alter fühlt man sich unsterblich und stark und will nichts mit Krankheiten und dem Tod zu tun haben.

 

Was hast du gegen dieses Unbehagen getan?

Ich bin mit ihnen ins Spital gegangen, um Jugendliche zu treffen, welche die Krankheit überstanden haben. Auch die vielen Schauspielproben halfen den jungen Akteuren dabei, in ihre Rollen einzufühlen.

 

Hat diese Vorbereitung die Jungs auch emotional berührt?

Ja! Sonst hätten sie gar nicht in diese Rollen schlüpfen können. Es setzte voraus, dass sie sich komplett in Situation ihrer Rollen versetzten. Teilweise wurde es während dem Dreh zu viel für die jungen Schauspieler und wir mussten sie wieder in die Realität zurückholen.

 

Hast du zu Krebs eine persönliche Beziehung?

Nein, weder ich selbst, noch mein direktes Umfeld sind davon betroffen.

 

Warum dann gerade dieses Thema gewählt?

Alle kennen Menschen, die an Krebs gestorben sind, dies gehört zu unserem Leben. Wir verdrängen das sehr gerne, obwohl es etwas Selbstverständliches ist. Ich habe zwei Kinder und selber Angst vor der Krankheit. Drei Jahre setzte ich mich mit dem Thema auseinander, das hat mich persönlich weitergebracht.

 

Kommt die Krankheit Krebs zu kurz in unserer Gesellschaft?

Es ist immer noch ein Tabuthema. Die Leute gehen dieses Thema nicht offen an und sie sind sprachlos. Dadurch fehlt den Betroffenen oft auch die Unterstützung.

 

Hast du dich schon gefragt, ob es nicht zu weit geht, eine Komödie über eine solche traurige Materie zu drehen?

Ich habe mich vor allem gefragt, ob ich es schaffe, als nicht Betroffener Betroffene zufriedenzustellen. Wir haben sehr intensiv recherchiert. Als die Krebskranken und deren Umfeld zufrieden waren, fiel mir ein Stein vom Herzen. Sie fanden, die Essenz vom Erzählten stimme mit der Realität überein.

 

Der Film behandelt den täglichen Kampf der Krebskranken und zeigt, wie viel Durchhaltevermögen das abverlangt. Denkst du, man kann den Krebs alleine durch den Willen besiegen?

Ich kann diese Frage aus medizinischer Sicht nicht beantworten. Der Film handelt nicht über den Kampf gegen den Tod. Wir alle werden sterben und diesen Kampf verlieren. Ich denke aber, der Mensch kann noch viel lernen im Bezug auf die Haltung zur Sterblichkeit. Ich weiss nicht, ob man alleine aus Kraft und Willen eine Krankheit besiegen kann, aber ich denke, man kommt einen gewaltigen Schritt weiter, wenn man sein Schicksal akzeptiert.