Politik | 28.02.2011

Ausnahmezustand in Libyen

Text von Marcus Goldhahn | Bilder von Nathalie Kornoski
Seit Tagen versucht das libysche Volk, nach dem ägyptischen Vorbild seinen Diktator Gaddafi zu stürzen. Dieser machte in skurrilen Fernsehauftritten immer wieder deutlich, dass er nicht zurücktreten werde. Er werde "bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen". Das Volk wehrt sich aber weiterhin mit allen Mitteln.
Bild: Nathalie Kornoski

Nachdem in Ägypten der Diktator Mubarak gestürzt worden ist und das Volk seitdem die neue Freiheit geniesst, gehen auch in Libyen die Menschen auf die Strasse. Eine ganze Nation folgte dem Ruf der Freiheit. Zu Beginn konnte noch keiner ahnen, dass es 1000 Tote und Verletzte geben würde. Gaddafi hält an seiner Macht fest und er werde diese um jeden Preis verteidigen. Das machte er in Fernsehauftritten deutlich. Die Informationen bleiben aber weiterhin spärlich. Es kommen kaum Journalisten nach Libyen. Es ist einfach zu gefährlich. Die wenigen, die es doch über die ägyptische Grenze geschafft haben, riskieren ihr Leben für eine bessere Berichterstattung. Die Bilder zeigen auf der einen Seite ein glückliches Volk, welches sich Stück für Stück seine Freiheit «erkämpft«, auf der anderen Verwüstung und Chaos.

 

Gaddafi hat sich mittlerweile mit seinen Anhängern in einer Militärbasis in Tripolis verschanzt. Am gestrigen Tag hat sich der Sohn Gaddafis zu Wort gemeldet. Er sprach vor Journalisten und äusserte sich eher amüsiert und verwirrt über die Lage in Libyen. Es gebe keinen Aufstand, das Land sei unter Kontrolle. Lediglich in zwei Städten versuche die Regierung wieder Ordnung herzustellen. In diesen beiden Städten seien die “Taliban” unter die Demonstranten gegangen und helfen beim Aufstand.

 

Die EU verhängte währenddessen Sanktionen gegen den Gaddafi-Clan. Konten wurden eingefroren und Einreisen verboten. Auch die USA verhängen Sanktionen und stellen die diplomatischen Beziehungen ein. Der französische Präsident Sarkozy sagte offiziell, dass Gaddafi zurücktreten solle. Andere Staaten sind noch verhalten. Präsident Obama äusserte sich nicht so direkt, legte dem Diktator aber nahe, die Eskalation ohne Blutvergiessen unter Kontrolle zu bekommen. Auch der Menschenrechtsrat tagte letzte Woche. Im Verlaufe dieser Tagung trat der libysche UN-Botschafter zurück und bat den hohen Rat, etwas gegen die Grausamkeiten zu tun.

 

Gaddafi, weiter ungerührt von den Ausschreitungen, bot den Aufständischen eine Verhandlung an und einen kurzfristigen Waffenstillstand. Die Forderungen des libyschen Volkes sind eindeutig. Gaddafi muss gehen, um jeden Preis. Am Wochenende wurden die bis dahin letzten 500 toten Aufständischen beerdigt. Doch es wird weiterhin Tote und Verletzte geben, denn die Menschen kämpfen weiter, für die Freiheit und ein neues und besseres Libyen.