Carlo Destra, Berufsberatung

Ein wahrhaft ungewöhnlich, wenn auch nicht uninteressant aussehender Berufs- und Laufbahnberater betritt das Klassenzimmer. Geschniegelt und herausgeputzt in Anzug und Krawatte stellt er sich als Carlo Destra vor. Die Haare sind sorgfältig nach hinten gegelt, die Augen aufmerksam und wach; als ob jederzeit jemand ins Klassenzimmer hereinstürzen könnte.

 

Sein Blick trifft den des Zuschauers – ein forscher, doch nicht unangenehmer Moment. Dieser Mann weiss, was Autorität bedeutet und setzt diese gezielt ein. Selbst beim Kauen von grünen Gummifröschen, welche vielen seiner Zuschauerinnen und Zuschauern seit Kindheitstagen bekannt sind, verliert er nicht an Glaubwürdigkeit – im Gegenteil.

 

Fesselnde Präsenz und Autorität

Mit einer Präsenz, wie man sie in einem Klassenzimmer nur selten erlebt, berichtet der Berufsberater Carlo Destra (Matthias Albold), wie er zu seinem “Traumjob” gekommen ist. Er erzählt von seinem Leben in Neapel, der Mülldeponie Italiens. Eine Stadt, die 20 bis 30 Prozent Arbeitslosigkeit aufweist und wo die Berufsberatung auf den Strassen bei den Dealern und auf dem Babystrich stattfindet. Doch wie im Laufe des Stückes klar wird, trügt dieser Eindruck. Tatsächlich gibt es eine sehr viel geringere Arbeitslosenquote, da wenn man Arbeit sucht, auch welche findet; und zwar bei der Camorra, der neapolitanischen Mafia, für welche auch Carlo arbeitet.

 

Jedoch lässt sich die (Leidens-)Geschichte von Destra nicht in einigen wenigen Worten zusammenfassen. Zu viel widerfuhr dem unschuldigen Kind von damals, welches die grausame Wahrheit (der Camorra) erfahren musste, um zu dem zu werden, was es, beziehungsweise wer Carlo heute ist. Auf der Wandtafel hält Destra passenderweise die Fragen “Was will ich?” und “Was kann ich?” fest. Simpel, aber dennoch schwierig zu beantworten, wird man so direkt danach gefragt.

 

Absolut empfehlenswert

“Traumjobs” – ein Stück, das dank der hervorragenden Leistung von Matthias Albold und der gut durchdachten Inszenierung von Dominik Kaschke keines mehr ist, dessen Grenzen zwischen Fiktion und Realität nur schwer erkennbar sind, was die Präsenz und Glaubhaftigkeit des Berufsberaters umso mehr unterstreicht. Albold nutzt den Raum aus, spricht zu den Zuschauerinnen und Zuschauern, setzt sich sogar zu ihnen an den Tisch, was das Stück noch realer und greifbarer macht.

 

Für Oberstufenschulen ist das Stück von John von Düffel absolut empfehlenswert. Selten hat ein “Berufsberater” so viel Eindruck bei jungen Erwachsenen hinterlassen und zum genauen Hören auf sich selbst aufgerufen. Obschon die Berufswahlfrage damit noch nicht geklärt ist, ist man sich anschliessend beim Verlassen des Schulzimmers in einem ganz sicher: “Bei der Camorra arbeiten käme für mich nie in Frage. Traumjob hin oder her.”

 

 

Theater mobil


Das Theater St.Gallen kommt mit “Traumjobs” direkt in die Ostschweizer Klassenzimmer.

 

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Ausnahmezustand in Libyen

Nachdem in Ägypten der Diktator Mubarak gestürzt worden ist und das Volk seitdem die neue Freiheit geniesst, gehen auch in Libyen die Menschen auf die Strasse. Eine ganze Nation folgte dem Ruf der Freiheit. Zu Beginn konnte noch keiner ahnen, dass es 1000 Tote und Verletzte geben würde. Gaddafi hält an seiner Macht fest und er werde diese um jeden Preis verteidigen. Das machte er in Fernsehauftritten deutlich. Die Informationen bleiben aber weiterhin spärlich. Es kommen kaum Journalisten nach Libyen. Es ist einfach zu gefährlich. Die wenigen, die es doch über die ägyptische Grenze geschafft haben, riskieren ihr Leben für eine bessere Berichterstattung. Die Bilder zeigen auf der einen Seite ein glückliches Volk, welches sich Stück für Stück seine Freiheit „erkämpft“, auf der anderen Verwüstung und Chaos.

 

Gaddafi hat sich mittlerweile mit seinen Anhängern in einer Militärbasis in Tripolis verschanzt. Am gestrigen Tag hat sich der Sohn Gaddafis zu Wort gemeldet. Er sprach vor Journalisten und äusserte sich eher amüsiert und verwirrt über die Lage in Libyen. Es gebe keinen Aufstand, das Land sei unter Kontrolle. Lediglich in zwei Städten versuche die Regierung wieder Ordnung herzustellen. In diesen beiden Städten seien die “Taliban” unter die Demonstranten gegangen und helfen beim Aufstand.

 

Die EU verhängte währenddessen Sanktionen gegen den Gaddafi-Clan. Konten wurden eingefroren und Einreisen verboten. Auch die USA verhängen Sanktionen und stellen die diplomatischen Beziehungen ein. Der französische Präsident Sarkozy sagte offiziell, dass Gaddafi zurücktreten solle. Andere Staaten sind noch verhalten. Präsident Obama äusserte sich nicht so direkt, legte dem Diktator aber nahe, die Eskalation ohne Blutvergiessen unter Kontrolle zu bekommen. Auch der Menschenrechtsrat tagte letzte Woche. Im Verlaufe dieser Tagung trat der libysche UN-Botschafter zurück und bat den hohen Rat, etwas gegen die Grausamkeiten zu tun.

 

Gaddafi, weiter ungerührt von den Ausschreitungen, bot den Aufständischen eine Verhandlung an und einen kurzfristigen Waffenstillstand. Die Forderungen des libyschen Volkes sind eindeutig. Gaddafi muss gehen, um jeden Preis. Am Wochenende wurden die bis dahin letzten 500 toten Aufständischen beerdigt. Doch es wird weiterhin Tote und Verletzte geben, denn die Menschen kämpfen weiter, für die Freiheit und ein neues und besseres Libyen.

Grandioses Gitarrengejaule

Gibt es einen besseren Anpfiff für den Freitagabend als anständiges Gitarrengejaule? Gibt es, und zwar den Abend mit grandiosem Gitarrengejaule von George Vaine und Company aka Philipp Strickler und Kaspar Fumasoli zu starten. So geschehen am 18. Februar im Zürcher Helsinki. Für alle, die ihr Wochenende schon mal am Donnerstag begrüsst haben, werden auch mal sanftere Töne angeschlagen, doch die Einflüsse von Grössen wie Chuck Berry, Lou Reed oder Neil Young animieren so manchen zum freudigen Mitwippen. Mehr liegt nicht drin, schliesslich sind wir in der Schweiz, wo ein Mindestsicherheitsabstand von eineinhalb Metern zur Bühne eingehalten wird und wo Konzertbesucher auf allzu überschwängliche Tanzeinlagen verzichten.

 

Die zwei Sets werden von einer kurzen Pause unterbrochen und trotz ein oder zwei technischen Fauxpas versprüht dieses Konzert einiges mehr an Charme als ein protziger Massenevent à  la U2 – Lichtshows in allen Ehren, aber einen epileptischen Anfall sollten sie dann doch nicht auslösen. Der Charme mag wohl an der Location, in der schon der Zürcher Film “Der Freund” gedreht wurde, liegen. Und womöglich auch an dem Gastauftritt des JESH-Gitarristen Tobey Lucas, welchem ganz offensichtlich ein paar zusätzliche Finger gewachsen sind. Eine andere plausible Erklärung fällt mir für das dargebotene Solo nicht ein.

 

Als Fazit lässt sich sagen: Der Start in den Freitagabend war weniger mit einem alten Mann, der in einen Jacuzzi steigt, zu vergleichen, als mit einer jungen Schönheit, die sich voller Elan in die Fluten stürzt.

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Ich bin Schweizer als du

Sind die Schweizer Werte am Ende nur Käse? Der Besucher des Schweizer Landesmuseums stellt sich diese Frage, wenn er vor dem riesigen Mythenrad steht: Das Rad sieht aus wie ein überdimensionierter Laib Emmentaler. In den grossen Löchern findet man die Bilder wieder, welche in Schweizer Touristenführern oder alten Geschichtsbüchern am häufigsten auftauchen: Kuhglocken, schwörende Männer, das Matterhorn. Der Käse dreht sich fortwährend um die eigene Achse, sodass die einzelnen Sujets regelmässig im Boden verschwinden, auftauchen, ihren Zenit erreichen und wieder untergehen.

 

Der (Wahl)kampf um die Nation

Das Rad ist ein Sinnbild für unseren politischen Diskurs. Regelmässig werden Schweizer Werte, Metaphern und Traditionen hineingespült, um kurz darauf wieder ins Unterbewusstsein der Nation abzusickern. Die Linke orientiert sich an der humanitären Tradition der Schweiz, die Rechte beschwört den freiheitsliebenden Wehrmann. In diesem Jahr – wir wählen National- und Ständerat – haben sich gleich alle grossen bürgerlichen Parteien die Schweiz auf die Fahne geschrieben. Von “Schweizer wählen SVP”, über “FDP – Aus Liebe zur Schweiz” bis hin zu “Schweiz. Erfolg. CVP”: Die Parteien scheinen allerdings davon auszugehen, dass der Wähler schon weiss, für welches konkrete politische Programm diese Wahlplakat-Schweiz steht.

 

Jedenfalls sind es nicht überall dieselben Werte: Während die Schweiz bei der CVP für Konkordanz, wirtschaftlichen Erfolg und Familiensinn steht, geht es bei der SVP eher in Richtung Unabhängigkeit und Wehrbereitschaft. Ist das nicht ein Skandal? Wir regeln auf der einen Seite bis auf den Prozentpunkt genau, wie viel von einem Produkt aus der Schweiz stammen muss, damit es als Swiss Quality verkauft werden darf. Auf der anderen Seite können wir uns nicht darauf einigen, mit welchen Zutaten der Begriff “Schweiz” selbst gefüllt sein muss.

 

Leere Gräber voll von Werten

Viele Historiker halten dagegen, dass sich Nationen genau deshalb so gut vermarkten und verpolitisieren lassen, weil nicht klar ist, was in ihnen drin steckt. Schliesslich kann jeder sagen, was “seine Schweiz” tut, schützt, verbietet oder bekämpft, ohne dass man dafür belangt wird. Man kann Obst, Fleisch, Versicherungsgesellschaften oder Sackmesser in die Schweizerfahne hüllen, niemand kann es als Lüge bezeichnen. Benedict Anderson vergleicht solche nationalen Symbole mit leeren Gräbern, welche man für den unbekannten Soldaten aufstellt: Je weniger Konkretes im Grab drin liegt, desto vielseitiger lässt es sich wieder auffüllen mit Werten und Normen. Das beste Beispiel ist das weisse Kreuz auf rotem Grund: Die Flagge kann gar nichts Konkretes bedeuten, weil sie jedem Schweizer etwas bedeuten muss, ob er nun rechts oder links, liberal oder konservativ ist.

 

Jedem sein eigener Käse

Weil die nationalen Symbole nun jedem irgendetwas sagen, werden sie zu einem sehr beliebten Werbemittel. Wer nämlich die Bürger glauben machen kann, dass er selbst für die Schweiz spricht, kann diese Deutungsmacht in Geld, Wähleranteil oder Publicity umwandeln. Er wird zum eigentlichen Schweizermacher, der Pouletflügeli, Armeewaffen oder das Rote Kreuz zur Schweiz, Minarette und die EU zur Unschweiz macht. Was uns über die Schweiz erzählt wird, ist meist der Käse von jemand anderem. Das muss nicht schlecht sein. Trotzdem sollten sich alle Schweizerinnen und Schweizer hin und wieder fragen, welche Werte und Bilder in den Löchern denn in ihrem eigenen Käse ihre Runden drehen. Denn wer sich keine eigene Schweiz erschafft, wird immer in einem fremden Land wohnen.

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Schriftzüge

Was für ein Erlebnis das Sprayen für die Sprayer selbst ist, zeigen die beiden Dokumentationsfilmer Henrik Regel und Björn Birg in ihrem Film “Unlike U: Trainwriting in Berlin”. Sie tauchen in die Welt der Trainwriter ein und ermöglichen den Zugang zu einer Kultur, die vielen sonst verborgen bleiben würde. Vor den Augen der Zuschauer werden Interviews und Filmaufnahmen geführt, die die Künstler selber zur Verfügung gestellt haben. Ihre Aktionen sind nämlich oft mit der Kamera begleitet. Sie dokumentieren selber die Entstehung ihrer kurzlebigen Kunst. Die Züge werden oftmals gereinigt, unmittelbar nachdem sie bemalt worden sind. Deshalb ist es für die Sprayer sehr wichtig, Fotos und Videos davon zu machen. Das sind die einzigen Beweise, dass ihre Kunst entstanden ist und auch der einzige Weg, sie in die Öffentlichkeit zu tragen.

 

Die Motivation

Doch der Wunsch, sich durch die Kunst in der Öffentlichkeit auszudrücken, ist nicht das einzige Motiv für die Sprayer. Sie haben unterschiedliche Beweggründe, aber das, was sie vereint, ist die Leidenschaft zur visuellen Kunst. “Es ist auch ein Versuch, in der Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Und natürlich ein gewisser Faktor von Sucht, da Trainwriting Adrenalin und ein Gefühl von Glück gibt. Deshalb ist es schwer, davon loszukommen”, erklärt Björn. Er und Henrik haben das Material sechs Jahre lang gesammelt und haben die Motivation vieler Writer sehen können.

“Es war interessant, den Idealismus der Leute zu zeigen, gerade heutzutage, wenn jeder nur Geld verdienen will,” sagt Henrik. Im Gegensatz dazu stehen die Trainwriter, die nur ein Album mit Fotos ihrer Kunst besitzen. Selbst das können sie nicht in ihren Wohnungen aufbewahren, weil sie darauf gefasst sein müssen, dass die Polizei das Haus durchsuchen will.

 

Die Kontrolle

Trainwriting ist nämlich, so wie Graffiti, eine Sachbeschädigung und wird in vielen Ländern mit Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen geahndet. Man muss auch die Kosten für die Beseitigung, für eine Neulackierung und für den Einsatzausfall tragen. Die Kontrollen der Polizei nehmen deshalb stetig zu. Je nach Land kann die Polizei Telefone abhören und Wohnungen durchsuchen. Teilweise werden sogar Teams organisiert, die über längere Zeit einzelne Personen beobachten, um die Hauptsprayer fassen zu können.

 

Die Polizei ist jedoch nicht die einzige Quelle negativer Kiritk. “Generell wird Streetart in den Medien negativ dargestellt und wird immer in Verbindung mit Vandalismus gebracht. Kaputte Sitze und eingeschlagene Scheiben in der U-Bahn haben aber nichts mit Graffiti zu tun”, sagen die beiden Filmemacher. Doch es gibt Leute, welche das anders deuten und das ist einer der Gründe, warum die verschiedenen Formen von Strassenkunst in der Gesellschaft nicht besonders gut akzeptiert werden. In den letzten Jahren hat die Akzeptanz in gewissen Kreisen sogar abgenommen. Die beiden Filmemacher wollen jedoch nicht die öffentliche Meinung bekämpfen oder die Öffentlichkeit aufklären. “Wir verstehen uns nicht unbedingt als Vermittler einer Botschaft in die Öffentlichkeit, sondern bereiten ein interessantes Thema dokumentarisch auf.”

 

Die beiden Seiten der Medaille

Sie haben deshalb beide Seiten gezeigt – man hört weder die Botschaft heraus, dass Trainwriting etwas Gutes ist und von jedem ausprobiert werden muss, noch hört man eine Stimme, die Trainwriting als Kunst ablehnt. Es sind sowohl Interviews mit Writern zu sehen, als auch Interviews mit Leute mit anderen Positionen zum Trainwriting. Es gibt keine Kommentare seitens der beiden Filmemacher, wie das die Zuschauer oft von Dokumentarfilmen kennen. Statt einem Off-Sprecher sprechen nur die Protagonisten. “Und das, was sie sagen, steht für sich”, betont Henrik.

Man sieht erwachsene Menschen mit Jobs, die abends nach Hause kommen, ihre Kinder ins Bett bringen und dann in die Nacht rausgehen, um Züge zu besprühen. Viele schaffen es, die Abgrenzung zwischen dem normalen Job und Trainwriting zu wahren. Fast wie ein Parallelleben oder eine zweite Identität. Doch einige kriegen es nicht hin und schlittern in eine Sucht und in Ausweglosigkeit.

Das bleibt dem Zuschauer nicht verborgen und er hat die Möglichkeit, selber zu entscheiden, was Trainwriting für ihn bedeutet. Eins ist aber sicher. Wenn das nächste Mal ein besprühter S-Bahn-Wagen an mir vorbeifährt, werde ich ihn mit anderen Augen sehen.

 

 


Die Schweizer Filmpremiere von “UNLIKE U-Trainwriting in Berlin” hat in Zürich im Exil stattgefunden.

 

Zurück in die 80er gesurft

Nach 20 Uhr betrat David Hasselhoff die Surseer Stadthalle durch einen Hintereingang und pflügte sich zu seinem grossen Hit “Looking For Freedom” durch die bereits in den ersten Sekunden tobende Menge in Richtung Bühne. Zwar war das Konzert gestuhlt, doch die Menge hielt es keine Minute auf ihren Plätzen. Das Publikum kann als unerwartet jung bezeichnet werden, so mancher Fan war zu den Zeiten von Hasselhoffs Höhenflügen noch im Vorschulalter.

 

Fans erklommen die Bühne

Sekundiert von Ausschnitten von Knight Rider und Baywatch auf den Leinwänden liess Hasselhoff sich und damit die 80er kräftig feiern. Auch sein einst treuster Begleiter K.I.T.T., das sprechende Auto, war vor Ort. Der knapp 60-jährige Hasselhoff unterhielt das Publikum während dreier Stunden (einschliesslich einer längeren Pause). Die Stimmung kippte gerne mal in Richtung Volksfest, wenn grölende, angeheiterte und stimmig verkleidete Gruppen auf den Stühlen tanzten und hie und da versuchten, zu ihrem Idol auf die Bühne zu klettern. Da eine ungesicherte Treppe direkt von den Rängen auf die Bühne führte, klappte dieses Unterfangen immer wieder. Gemäss Veranstalter solle aber die Sicherheit für Hasselhoffs Auftritt diesen Freitag in Bern verstärkt werden.

 

Selbstironischer Bademeister

“The Hoff”, wie er auch genannt wird, präsentierte seine alten Hits genauso wie neue Songs seines neuen Albums, welches im April erscheinen soll. Seine Stimme konnte nicht immer den höchsten musikalischen Ansprüchen genügen, ob das aber wirklich der Anspruch der Anwesenden war, sei dahin gestellt. Die Fans waren auf jeden Fall begeistert. Der weltbekannte Bademeister nahm sich auch selbst nicht immer so ganz ernst, so folgten immer wieder Einspielungen aus Knight Rider und Baywatch, zu denen sich Musiker und Tänzer verkleideten. Nach drei Stunden war die Show beendet und Sursee kehrte von der Zeitreise in die 80er ins Jahr 2011 zurück.

Über die Vorzüge des Unrecht-Leidens

Sokrates Schüler Kriton versucht, seinen Lehrer zur Flucht aus der Todeszelle zu bewegen. Er will die Wächter bestechen, damit sie Sokrates gehen lassen. Dieser selbst hält aber wenig von dem Vorhaben. Also führt Kriton ihm vor Augen, dass es sich hier um einen echten Pflichtenkonflikt handle: Einerseits stehe zwar die Pflicht, dem Recht der Polis zu genügen – andererseits zählt er aber noch eine ganze Reihe weiterer Verpflichtungen auf.

 

Feigheit oder Pflichtbewusstsein?

Da Sokrates zu Unrecht verurteilt wurde, wäre es ebenso unrecht, in das Schicksal einzustimmen. Ein unrechtes Urteil zu akzeptieren, käme einer Kooperation mit dem Feinde gleich. Zudem liesse Sokrates mit seiner Weigerung zur Flucht seine Kinder im Stich. Er habe als Vater Erziehungspflichten ihnen gegenüber, derer er sich feige entziehen würde. Des Weiteren sei Sokrates Zeit seines Lebens als Tugendlehrer aufgetreten. Wer die Tugend lehre, müsse sich auch entsprechend verhalten, ansonsten würde ihm Inkongruenz im Handeln vorgeworfen. Zu guter Letzt würden die Menschen Sokrates-˜ Freunden vorwerfen, bloss aus Geiz nichts zu seiner Rettung beigetragen oder nicht alles Menschenmögliche versucht zu haben.

 

Kriton drängt, schnell zu entscheiden, da für langwierige Überlegungen keine Zeit bleibe. Sokrates lässt sich aber bewusst Zeit zum Nachdenken, wie er es sein ganzes Leben lang gemacht hat. Schliesslich tut er die oben genannten Pflichtenkonflikte als irrelevant ab. Dies seien lediglich die Meinungen von Leuten, die erst Todesurteile verhängen und sich dann darüber beklagen würden, dass der Getötete seinen Pflichten nicht mehr nachkomme.

 

Nur ein gutes Leben zählt

In Folge sagt Sokrates, dass es im Inneren eines jeden Menschen eine Experten-Instanz für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit gebe. Das Urteil, das von dieser Instanz gefällt wird, zähle mehr als das Wohl des Körpers. Aber gilt das auch, wenn der Körper vor der Vernichtung steht?

 

Sokrates geht nicht direkt auf diese Frage ein, sondern lässt sich erst von Kriton bestätigen, dass es nicht darum gehe, bloss zu überleben, sondern gut und somit auch recht zu leben. Des Weiteren stimmt Kriton dem Sokrates zu, dass man unter keinen Umständen Unrecht tun dürfe – auch nicht, wenn einem zuvor Unrecht angetan worden sei. Außerdem dürfe man einen rechtlichen Vertrag auf keinen Fall brechen – Gesetze sind immer zu befolgen, auch wenn sie auf Fehlurteilen beruhen.

 

Wider die Natur

Doch gibt es “die Gerechtigkeit” überhaupt? Zweifel daran kommen auf, wenn man beispielsweise Darwins Theorie der Entstehung von Arten nach dem einfachen Prinzip der natürlichen Auslese mit in Betracht zieht. Demnach gibt es in der Natur – und der Mensch bildet hier keine Ausnahme – keine Gerechtigkeit, sondern einfach eine ständige Selektion und ein Überleben des Stärkeren. Man kann sich fragen, ob die Idee der Gerechtigkeit vielleicht von den “Schlechtweggekommenen” in die Welt gesetzt worden ist. In einer Art “Sklavenaufstand der Moral” reden die Schwachen die Macht des Stärkeren schlecht, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

 

Diese Idee wurde auch dem Sokrates zugetragen, und zwar im Platonischen Dialog “Gorgias”. Der Sophist Kallikles argumentiert, dass das Gesetz mit der Natur im Widerspruch stehe. Dem Gesetz nach möge es besser sein, Unrecht zu erleiden, keinesfalls aber der Natur nach. Die Gesetze der Gerechtigkeit seien von den Schwachen in die Welt gesetzt, um die Starken zu beschränken und ihnen quasi ein schlechtes Gewissen einzureden. Für einen freien Mann aber sei es selbstverständlich, erlittenes Unrecht zu vergelten – einzig dem Sklaven sei diese Möglichkeit verwehrt. Die Frage bleibt: Welchem Gesetz muss man rechtmässig befolgen?