Politik | 10.01.2011

Wenn Plakate lügen

... wird es wieder einmal Zeit, dass man genauer hinsieht. Tink.ch öffnet die Augen am Hauptbahnhof in Zürich.
Die Rechnung wird auch bei dieser Kampagne mit der Angst gemacht.
Bild: Nathalie Kornoski Wer hat schliesslich nicht auch Angst vor diesem Mann? Foto: twitpic.com

Immer schön gleichzeitig drehen sich die Rollen der Plakate am Hauptbahnhof in Zürich. Gleichzeitig blitzen mir Grinsen, Zigarette und Waffe ins Gesicht. Zuerst denke ich an Werbung für ein Comicmagazin. Denn genauso sieht er aus, der Mann mit seiner Sonnenbrille auf der Nase. Aber nein, das ist kein Feind von Tim und Struppi, sondern der scheinbare Feind von dir und mir. Ohne die eigene Armeewaffe wären wir nicht mehr sicher, will uns das Plakat vermitteln. Wer möchte schon, dass Verbrecher ein Monopol bekommen?

 

Monopol

Die Auftraggeber der Plakate sind meist diejenigen, die sich für mehr Disziplin in der Schule stark machen. Die Disziplin im Wirtschaftsunterricht scheint auch eher mangelhaft gewesen zu sein. Ein Staat wird erst dann zum Staat, wenn das Monopol der Gewalt in staatlicher Hand liegt. Ansonsten würde in unserem Land Selbstjustiz herrschen. Wenn man davon ausgeht, dass die Polizei aus lauter Verbrechern besteht, dann wäre die Waffenschutzinitiative tatsächlich für ein Gewaltmonopol der Verbrecher. Aber solche Vermutungen über die Polizei kommen meist aus dem entgegengerichteten politischen Lager.

 

Bär auf der Nase

Ganz unabhängig davon, ob man für oder gegen die Initiative ist: Es ist erstaunlich, wie die meisten Menschen diese falschen Tatsachen im Kampf um die Abstimmung scheinbar protestlos entgegennehmen. Ausser mir dreht sich niemand nach den Plakaten um. Sind wir abgestumpft? Die Vortäuschung falscher Tatsachen sollte nicht nur beim Goldfischkauf verboten sein, sondern auch, wenn uns jemand einen Bären aufbinden möchte. Ob dieser Bär mit oder ohne Sonnenbrille daherkommt, dürfen wir vernachlässigen. Es fällt mir schwer, die Plakate überhaupt ernst zu nehmen, wenn ich nicht wüsste, dass es nicht zum ersten Mal ist, dass die Angst den Menschen das Denken zu verunmöglichen scheint.

 

Selbstgemachte Meinung

Wichtig an dieser Stelle bleibt jedoch, ob wir uns den Bären aufbinden lassen und denken, mit der Annahme der Waffenschutzinitiative würden “Verbrecher” in unserem Staat über ein Gewaltmonopol verfügen. Der Einfluss von Kampagnen auf die Meinung der Menschen in der Schweiz ist schon oft untersucht worden. Unter anderem ist dabei herausgekommen, dass der Einfluss von Kampagnen besonders dann gross ist, wenn das Thema der Abstimmung kompliziert ist und die Stimmenden wenig darüber wissen.

 

Das ist zum Glück in diesem Falle hoffentlich nicht so, denn jede und jeder kennt wohl ehemalige Armeeangehörige, die ihre Waffe zu Hause im Kleiderschrank haben. Geschätzte hundert Menschen kommen in der Schweiz jedes Jahr durch ehemalige Armeewaffen um. Der Grinsemann und seine Waffe drehen sich weiter im Hauptbahnhof. Aber mir verdreht er bestimmt nicht den Kopf vor Tatsachen.