Kultur | 23.01.2011

Welt ohne Krieg in einer Welt voller Krieg

Krieg - und mittendrin Kinder in einer heillos unheilen Welt. "Little fighters" der bosnisch-stämmigen Regisseurin Ivana Lalovic weckt auf und regt zum Nachdenken an.
Der kleine Harun weiss Bescheid, was läuft. Hinter den Hügeln ist der Feind.
Bild: Filmstills Seine Schwester Selma aber hat Angst vor dem Krieg. Dagegen wissen ihre Brüder etwas zu tun. Sie erzählen ihr von Indianern. Ein heikler Trick.

Es ist Krieg. Und Frühling. Grüne Felder, blühende Obstbäume, Wald, Minenfelder, durch weisse Bänder an den Baumstämmen erkennbar. Der Sprache nach befinden wir uns irgendwo in Jugoslawien. Wo, spielt keine Rolle. Krieg ist Krieg, egal ob hier oder dort, egal wann. Ivana Lalovic gelingt es, mit ihrem neuen Kurzfilm, dass wir uns in unseren bequemen Kinosesseln plötzlich unwohl fühlen – unsicher und verloren, wie die beiden Kinder Harun und Selma.

 

Selma fürchtet sich vor dem Krieg, vor dem Lärm der Granaten und vor den Schusswechseln. Harun dagegen sitzt mit seinem grossen Bruder Almen auf dem Feld und sucht mit dem Feldstecher die Hügel nach Veränderungen ab. Die beiden entscheiden sich zu einer gefährlichen List, um Selma zu beruhigen. Wie in “La vita è bella” von Benigni entsteht auch hier eine neue Ebene, eine Welt ohne Krieg, in einer Welt voller Krieg, ein Theater in sich. Die Indianer aus den Comics werden real, sie sind der Feind, den der grosse Bruder Almen töten muss. Dann würde alles gut sein. In diese Hoffnung verstrickt sich Selma immer mehr, dieses Spiel ist das einzige, was noch Halt gibt in einer zerfallenden Welt.

 

Was für eine Rolle spielt Krieg in den Leben der Kinder? Was für eine Rolle spielen Kinder in einem Leben im Krieg? Wie viel Wahrheit und Lüge sind nötig, um mit diesem täglichen Irrsinn fertig werden zu können? Wie viele Kinder kennen keine andere Realität? Sind die Indianer Selmas Rettung oder ihr Verderben? Mit diesen elementaren Gedanken und Fragen entlässt uns Ivana Lalovic nach 15 Minuten in unseren Alltag, der uns nun sehr friedlich und beschaulich erscheint. Und gleichzeitig bleibt die Erkenntnis, dass diese Ereignisse gar nicht lange her sind, dass sie auch jetzt und heute noch passieren, einen Moment in unserem Bewusstsein hängen. Und hoffentlich noch länger.

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