Kultur | 10.01.2011

Weg des Künstlers

Der Weg des Künstlers ist hart. Er muss sich an der Kreuzung zwischen dem Alltag und der Kunst entscheiden.
Kieren Seymour am Zürichsee. "Slightly Unstable" nennt sich dieses Werk. "For worship for now" Anbetung in der heutigen Zeit. Fotos: Ekaterina Karabasheva

“Ich weiss, dass diese Entscheidung nicht einfach ist”, sagt der Kunststudent aus Melbourne, “aber irgendwann muss man sie treffen. Entweder widmet man sich der Kunst, oder versucht weiter, ein Zwischending zu machen.” Kieren ist 30 Jahre alt und studiert an der Royal Melbourne Institute of Technology. Im Rahmen eines Austauschprogrammes macht er ein Semester seines “Bachelors in Fine Arts” an der Zürcher Hochschule der Künste.

 

Während er über sich erzählt, gestikuliert er stark mit den Händen, als ob er versuchen würde, seinen Worten mehr Ausdrucksstärke zu verleihen, als sie sonst schon haben. Aber der Glaube an seine Entscheidung kann allein an seiner Stimme erkannt werden. Die regen Bewegungen mit den Händen zeugen nur noch stärker von der Leidenschaft für das, was er macht. Ob in Australien oder in der Schweiz, die Kunst ist das Leben des emotionalen Rothaarigen.

 

Zwischen Kommerz und Kunst

Es fiel Kieren relativ leicht, die Entscheidung zu Gunsten der Kunst zu treffen. Das Leben als kommerzieller Fotograf brachte ihm damals einfach nicht die Erfüllung, die er sich gewünscht hatte. Im Jahre 2007 arbeitete er an “Spring Studios” und anderen Studios für Fotografie in London. Dort war er im Bereich der Werbung und Mode tätig. Als Künstler hat er sich aber eingegrenzt gefühlt. Im selben Jahr wurde er an der Victorian College of the Arts (VCA) aufgenommen, doch konnte er sein Studium nicht anfangen, da er sein Abitur noch nicht hatte. Deshalb schloss er im Jahre 2008 die Schule ab und fing im 2009 als Student der Künste an der RMIT an. Wenn er davon erzählt, merkt man, dass er immer noch hinter dieser Entscheidung steht. Das Studium hat ihn einen Schritt näher an seinen Traum gebracht. Seit er sich entschieden hat, sich der Kunst zu widmen, fällt es ihm leichter, kreativ zu sein.

 

Glauben und Religion

In Zürich konnte er sich entfalten und seiner Fantasie freien Lauf geben. Er hat sich auf Begriffe des Glaubens konzentriert: “Innerhalb dieses Parameters betrachtete ich Religion und Treue. Nicht als eine Kritik dieser Begriffe, sondern vielmehr als eine Deutung und persönliche Antwort dazu.” In seinem Studio in der Nähe der Zürcher Hardbrücke konnte er Kontakt zu Schweizer Kunstkollegen pflegen und sich mit ihnen austauschen. Er hatte die Freiheit für sich, mit Ideen, Materialien und Formen zu experimentieren und sich vollkommen seinen Werken zu widmen.

 

Die Inspiration

Inspiration konnte er unter anderem durch die Erlebnisse im neuen Umfeld gewinnen. Begeistert von der kulturellen Vielfalt Europas, ist er während vier Monate in der Schweiz herumgereist. Nicht nur hat er die verschiedenen Schweizer Städte besucht, sondern er war noch in Italien, Schweden und Österreich. Innere Ruhe und Erfüllung hat er in den Yoga-Stunden in Zürich geschöpft, die er regelmässig besucht hat, oder während der Ausflüge in die Natur, die er zu Fuss oder mit dem Fahrrad unternommen hat. Der Austausch in der Schweiz hat ihn somit sowohl als Künstler, als auch als Persönlichkeit weitergebracht.

 

Mit dem Künstlerblick in die Zukunft

Im Januar ist es dann so weit und Kieren verlässt die Schweiz. Bevor er sein Studium in Australien wieder aufnimmt, macht er eine Reise nach New York und Mexiko. Seine Pläne für die weitere Zukunft haben jedoch noch keine konkrete Gestalt angenommen. “Ich will meinen Bachelor abschliessen und dann Ausstellungen haben. Aber ich bin noch offen. Es wäre schön, wenn ich in Europa als Künstler für Ausstellung eingeladen werden würde.” Klar bleibt aber eins: Er geht seinen Weg als Künstler weiter.