Kultur | 11.01.2011

Von Allen den Jazz, von Kubrick den Namen

Text von Louisa Nelle | Bilder von Louisa Nelle
Versteckt in den verwinkelten Gassen der Berner Altstadt liegt die nicht ganz gewöhnliche Videothek "Dr. Strangelove".
Bevor Stefan Theiler, 28, sein Hobby zum Beruf machte, studierte er Internationale Beziehungen. "Mein Laden ist kein Handelsplatz, sondern Lebensraum", sagt er über seine Filmleihbibliothek in der Berner Altstadt.
Bild: Louisa Nelle

“5.- pro Film und Woche” steht vor dem Haus Nummer 38 in der Rathausgasse mit weisser Kreide auf eine schwarze Tafel geschrieben. Der Raum hinter der Schaufensterscheibe ist in warmem Kaminrot gestrichen. Darin stehen zwei Menschen vertieft in die Betrachtung von DVDs, die sich links und rechts an den Wänden aneinanderreihen. Beim Eintreten klingelt die Türglocke. Stefan Theiler, der Inhaber, lacht lustig hinter seinem Schreibtisch gegenüber dem Eingang hervor. Ausführlich berät er seine Kunden zu ihrer Filmwahl. Diese können sich schliesslich entscheiden und verlassen zufrieden den Laden. Der 28-jährige Innerschweizer ist gutgelaunt, wie immer, wenn er das Richtige für seine Kunden oder “Mitmenschen”, wie er sie nennt, finden kann.

 

Hobby zum Beruf gemacht

Stefan Theiler hat internationale Beziehungen in St. Gallen studiert und anschliessend mehrere Jahre in der Werbebranche gearbeitet. Im Februar 2009 gründete er aufgrund seiner Liebe zum Film die “Filmleihbibliothèque Dr. Strangelove”. Vor einem Jahr im Januar hatten sich die Einnahmen so gut entwickelt, dass er sein Hobby zum Beruf machte. Hierbei gehe es ihm jedoch nicht um die Rendite, sondern um ganz andere Werte. “Ich folge nicht dem Trend und Mainstream. Der Film hat mir andere Kulturzweige zugänglich gemacht: Woody Allen den Jazz, Ingmar Bergman die Philosophie und Stanley Kubrick die klassische Musik – nach seinem gleichnamigem Film ist übrigens auch mein Laden benannt. Ich vermiete nur, was ich selber gerne sehe und was die Leute sehen sollten.”

 

Nächstes Projekt: Filmarche

Vom Zimmer der Videothek führt eine Tür in Stefan Theilers Wohnung. Bei einem Besuch im Laden wird schnell klar, dass es sich auch hier vielmehr um einen Lebens- statt Handelsraum handelt. “Meine Kunden erhalten die Zeit und Beratung, die sie sich wünschen”, sagt der Inhaber. In Zukunft soll sich dieser Raum noch vergrössern. Stefan Theiler möchte in zwei Jahren gemeinsam mit seinem Nachbarn, dem Antiquar Alexander Wild, eine Arche für Bücher, Filme und Musik schaffen. “Die Besucher werden in einem hundert Meter langen Korridor die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts durchwandern und entdecken können.”