Gesellschaft | 18.01.2011

Täglich und überall

Für die einen ist es die schönste Nebensache der Welt, für die anderen ein Grund, sich das Leben zu nehmen: Mobbing, das strategische Quälen einzelner Personen. Wo tritt es auf? Was kann man dagegen tun?
Für das Opfer kann Mobbing in eine ausweglose Situation führen.
Bild: Bjorgvin Gudmondsson/stockvault.net

Der Begriff Mobbing ist nicht so neu, wie er klingt: Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat ihn bereits 1963 in Umlauf gebracht. Er bezeichnete damit Gruppenangriffe von Tieren auf ihre Fressfeinde. Heute bezeichnet Mobbing in erster Linie menschliches Verhalten. Nicht nur Forscher kennen ihn, sondern beinahe jedermann. Warum?

 

Unscheinbarer Anfang

Mobbing passiert tagtäglich und überall. Am Arbeitsplatz, in der Schule, Zuhause, im Verein und an allen Orten, wo Menschen zusammen kommen. Kaum jemand ist davon verschont geblieben: Manchmal bleibt es bei einer einmaligen Stichelei, doch nicht selten wird das Opfer über längere Zeit attackiert, kritisiert und richtiggehend fertig gemacht.

 

Mobbing kann ganz verschiedene Formen annehmen. Oftmals nutzt jemand seine höhere soziale oder hierarchische Stellung aus, um sein Opfer anzugreifen. Gründe dafür gibt es zahlreiche, auch wenn sie für Aussenstehende kaum nachvollziehbar sind. So sind es manchmal äusserliche Merkmale, die einen Angriffspunkt bieten, manchmal Fehler, die der Betroffene gemacht hat.

 

Nicht nur auf dem Pausenplatz

Seit dem Zeitalter des Internets werden die Opfer auch in Chats und Foren aufgesucht. Cyberbullying nennt sich diese Art des Mobbings. Per Mail werden Unterstellungen gemacht und Lügen verbreitet, bis das Opfer psychisch am Ende ist. Nicht selten sind die Opfer auch im richtigen Leben gefundene Fressen für Angreifer.

 

Mobbing gibt es nicht nur in der Schule. Auch in der Erwachsenenwelt wird es immer häufiger. Während es für Schüler Sozialarbeiter und Psychologen gibt, die fachkompetent intervenieren, bleibt einem Erwachsenen oft nichts anderes übrig, als selber damit fertig zu werden. Selten traut sich ein Betroffener, eine Fachstelle aufzusuchen und um Hilfe zu bitten. Und manchmal kommt jede Hilfe zu spät.

 

Im Sinne des Humanismus ist es, jeden Menschen als Individuum mit Schwächen und Stärken wahr zu nehmen und schätzen. Fehler sind menschlich und können nur dann positiv verwertet werden, wenn sie konstruktiv und lernorientiert angesprochen werden. Das Herumhacken auf einem Defizit führt nicht zum Ziel, sondern schafft neue Differenzen. Und das Opfer ist hilflos, sobald sein scheinbares Defizit aus eigener Kraft nicht geändert werden kann. Darum ist es nötig, hinzuschauen und Opfern zu helfen, die Situation nicht zu verharmlosen, sondern die Sache auf den Tisch zu bringen.