Kultur | 03.01.2011

Still alive in Gaza

Der Westschweizer Filmemacher Nicolas Wadimoff zeigt in seinem Dokumentarfilm "Aisheen - Still alive in Gaza", wie es sich in der allgegenwärtigen Zerstörung leben lässt.
Auch der Rummelplatz wurde beim Angriff zerstört.
Bild: filmcoopi.ch Die jugendlichen Fischer freuen sich diebisch über ihren Fang. Der Löwe im Zoo ist gestorben. Ausgestopft stellt er weiterhin eine Attraktion dar.

Situationsbericht nach der jüdischen Militäroffensive

In einem Freizeitzentrum spielen kleine Kinder vergnügt mit Fingerfarben. Plötzlich schlägt in der Nähe eine Bombe ein und Rauch steigt auf, die Kinder bringen sich in Sicherheit. Währenddessen bereiten sich Clowns auf ihren Auftritt vor. Gut gelaunt treten sie vor die Kinder, Thema ihrer komödiantischen Einlage sind die Bombenanschläge. Sie lassen Ballone platzen, die Kinder können wieder lachen. Was im ersten Moment surreal erscheint, ist für jene Menschen im Gazastreifen Normalität. Sie versuchen auf diese Weise, die tägliche Kriegsrealität zu verarbeiten.

 

Am 18. Januar 2009 endete eine 22 Tage andauernde Militäroffensive der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen. Bei dieser unter dem Codenamen “Gegossenes Blei” durchgeführten Operation wurden Bomben mit weissem Phosphor abgeworfen. Mehr als 1400 Menschen kamen ums Leben, lebenswichtige Infrastruktur wurde zerstört. Die Wirtschaft kam zum Erliegen, zugleich wurden Tausende von Palästinensern obdachlos.

 

Nur einen Monat nach dem Ende der Offensive machte sich Nicolas Wadimoff im Februar 2009 auf in den Gazastreifen, um dessen Bewohner und ihren Alltag zu porträtieren. Die Spuren der Auseinandersetzung sind nicht zu übersehen. Der jahrhundertealte Olivenhain liegt brach, der Rummelplatz ist zerstört, der Ansturm auf das UN Food Distribution Center riesig. Der Film zeigt die Situation im Gaza in ruhigen und starken Bildern. Es gibt viel Symbolträchtiges: Der Löwe im Zoo ist zwar gestorben, steht nun aber ausgestopft wieder in seinem Käfig. Kinder und Erwachsene berichten über ihr Schicksal auf eine sehr eindringliche Weise, bei der klar wird, dass die Zerstörung für sie trauriger Alltag ist.

 

Gaza zwischen Verzweiflung und Hoffnung

Vieles liegt in Schutt und Asche. Hier eine Frau, die verzweifelt um einen Kanister voll Benzin bittet. Dort ein alter Mann, der ein Mädchen über den Tod ihrer Mutter hinweg tröstet, indem er sie lehrt, dass nur wer Hoffnung hat, überlebt. Denn die Bewohner geben trotz alledem nicht klein bei und wollen nicht aufgeben. Auch die Mitglieder von “Darg Team” lassen sich nicht davon abhalten, über den Wiederaufbau Gazas zu rappen, auch wenn ihre westlich geprägte Musik nicht überall geduldet wird.

 

Und so dreht sich symbolhaft auch das reparierte Karussell auf dem Rummelplatz wieder, schneller und immer schneller, bis die Ruinen im Hintergrund fast nicht mehr wahrnehmbar sind.

 

 

Info


“Aisheen – still alive in Gaza” läuft im Stattkino Luzern vom 06. bis 12. Januar um 19.00 und 21.00 Uhr und vom 13. bis 19. Januar um 18.30 Uhr. Weitere Infos auf www.stattkino.ch.

 

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