Gesellschaft | 24.01.2011

Rolling Stone

Es gibt die «rolling stones«, die Globetrotter, die Weltbummler. Sie können nicht einfach an einem Ort bleiben. Auf der Suche nach dem Neuen, dem Abenteuerlichen und dem Unerschlossenen sind sie auf der ganzen Welt unterwegs. Einige bleiben nicht nur Touristen, sondern leben als Bürger dieser Welt in den verschiedensten Ländern. Erika aus Japan ist eine von ihnen.
Altes... und neues Zuhause der Weltenbummlerin. Fotos: Erika

Erika, eine junge Japanerin mit strahlendem Lächeln, wurde in Tokio geboren und ist dort aufgewachsen. Wie sie von Tokio nach Zürich kam, ist eine Geschichte, die man sich mehrmals anhören kann. An den zahlreichen Zwischenstationen auf dem Weg ist sie reifer geworden und hat Erfahrungen gesammelt, die ihren Weg mitbestimmt haben. Heute würde sie sich nicht unbedingt eine Weltbummlerin nennen – was damals als eine Reise angefangen hat, ist heute für sie eine Selbstverständlichkeit.

 

Tokio – Kuba einfach

Nach dem Schulabschluss in Tokio hat Erika zusammen mit Freunden eine Reise durch Zentralamerika unternommen – durch Mexiko, Belize und Jamaika mit Endstation Kuba. Die Erlebnisse und die Atmosphäre in Kuba haben sie dermassen geprägt, dass sie sich entschieden hat, dort zu bleiben. “Diese Erfahrung hat meine Vorstellung vom Leben völlig verändert. Fast alles dort war anders, als ich gewohnt war.”

 

Das war ein Leben mit viel Besitz und vielen Möglichkeiten gewesen. In Tokio, erzählt Erika, hatte sie Zugang zu allem, was sie nur haben wollte: “Ich hatte Kleider letzter Mode, Taschen berühmter Marken… Aber mir fehlte die Nähe menschlicher Beziehungen.” Als sie dann in Kuba ankam, war sie erstaunt, wie offen und warmherzig die Menschen sind. “Die Kubaner hatten keine Angst, ihre Liebe zu zeigen. Anders als in Tokio, wo sich die Leute davor sogar schämen.”

 

Deshalb blieb sie zwei Jahre lang dort und studierte Kunst. “Kuba war nicht einfach ein anderes Land für mich, es war ein anderer Planet.” Und das nicht nur wegen der spannenden Kultur und der interessanten Bräuche. Der Alltag war auch ganz anders und das Leben nicht immer einfach. “Die Herausforderung jeden Tag war nicht, an der Uni eine gute Note zu bekommen. Vielmehr – zu überleben.” Die Wasserversorgung wurde tagsüber für 3 bis 5 Stunden unterbrochen, und einfache Mittel wie Haarshampoo musste sie sich teilweise den ganzen Tag lang suchen, da die Geschäfte nicht so gut ausgestattet waren.

 

Neuer Anfang in New York

Nach den zwei Jahren in Kuba hat sich Erika entschieden, in New York neu anzufangen. “Ich habe New York gewählt, da mich Manhattan sehr viel an Tokio erinnert, bloss mit noch mehr kultureller Dynamik.” Dort hat sie an der New York State University Bühnenkunst studiert.

 

Zu der Zeit hat sie auch ihren Mann Danilo kennengelernt. Am Anfang waren sie Tandempartner und haben sich regelmässig nur zum gegenseitigen Sprachaustausch getroffen. In den ersten zwei Jahren waren sie einfach gut befreundet, aber nach und nach entstanden Gefühle und ihre Liebe fing an. Bald danach musste Danilo nach Amsterdam wegen seinem Job ziehen. “Damals bin ich alle paar Wochen von den USA geflogen. So stark war unsere Liebe. Sie hat trotz der komplizierten Situation bestanden.” Doch die Schwierigkeiten haben sich erledigt, als das Paar zusammengezogen ist, nach fast zwei Jahren Fernbeziehung. Sie hat eine Stelle in New York bekommen und Danilo kam zu ihr, um zusammen zu leben.

 

Zusammen um die Welt

Nach der Hochzeit verbrachten sie ein Jahr in New York, aber Danilos Karriere zugunsten zogen sie in unterschiedliche europäische Städte, wo sie für kürzere oder längere Zeit gewohnt haben. Rom, Dublin, Amsterdam und München. “Mir ist klar geworden, wie wenig man zum Leben braucht”, zieht Bilanz Erika, “Ich kann an jedem Ort der Welt wohnen und alles, was ich dafür brauchen würde, sind mein Mann, die Kleider, die ich anhabe und mein Laptop. Alles andere kommt von selbst.”

 

Seit Oktober 2010 ist die junge Familie in Zürich. Wie lange sie noch hier bleiben, wissen sie noch nicht sicher. Danilo und Erika wollen jetzt nach London ziehen. Die Entscheidung ist getroffen. Alles, was noch bleibt, sind die organisatorischen und bürokratischen Einzelheiten, die zu erledigen sind. Ab März ist die junge Familie dann in der neuen Stadt.

 

“Ich hoffe jedoch, zurück nach New York zu ziehen. Das ist auch der Grund, warum wir uns jetzt für London entschieden haben. Das ist aus meiner Erfahrung der kürzeste Weg zurück in die USA. Dort ist mein Zuhause.”

 

Also hat Erika doch einen Ort auf der Welt gefunden, den sie Zuhause nennen kann. Ob sie dort auch länger bleiben will oder ob sie der Wunsch nach dem Freien wieder auf den Weg schickt, wird nur die Zeit zeigen.