Kultur | 24.01.2011

Pinocchioeffekt in der Wüste

Er ist überall: hinter den Ohren, im Laptop, im Essen, zwischen den Büchern. Wenn der Sand rieselt, gibt es kein Zurück mehr. Der einzige Ausweg ist die Wahrheit. Im modernen Märchen "Der Sandmann" erklärt Regisseur Peter Luisi den Lügen und der Arroganz den Krieg. Eine Schweizer Komödie mit Pfiff.
Versunken in seiner eigenen Arroganz: Fabian Krüger in der Hauptrolle als Beno.
Bild: Filmszene / Solothurner Filmtage

Beno ist sich selbst, ohne Rücksicht auf andere. Er ist unausstehlich, ein gescheiterter Musiker, und arbeitet in einem antiquitären Briefmarkenladen. Am liebsten schleudert er mit seinem Pseudo-Musikwissen um sich. Die Nachbarin, Sandra, ist ihm ein Dorn im Auge. Sie mischt ihre eigenen Songs mit lautstarken Instrumenten zusammen und träumt vom grossen Durchbruch. Für den kulturellen Möchtegern Beno ist dieses “Einfrau-Orchester” der Abschaum in Tönen. Toleranz kennt er nicht. In der Manier des überheblichen Stadtzürchers kritisiert er alles und jeden.

 

Die körnige Rache

Das Schicksal wendet sich gegen den verlogenen, arroganten Beno. Er beginnt sich wortwörtlich in Sand aufzulösen. Anfänglich sind es nur einige Körner, doch sein Sandverlust nimmt drastisch zu. Seine Wohnung verwandelt sich in eine Wüste und der Sand wird sein ständiger unangenehmer Begleiter. Er versucht die skurrilen Vorkommnisse zu vertuschen, wodurch sich seine Situation verschlimmert. Er macht sich auf die Suche nach der Lösung seines Problems, muss dafür mit seiner Feindin zusammenspannen und bemerkt, dass nur die nackte Wahrheit ihn vor dem endgültigen Verlust seines “ICH” bewahren kann.

 

Surreale Komik

Schweizer Komödien haben einen schweren Stand. Oft sind sie alles andere als lustig oder schlichtweg zu banal. “Der Sandmann« überzeugt mit feinem Humor und schafft es nebenbei noch eine der wichtigsten Lebensweisheiten rüberzubringen. Mit charismatischen Bildern reisst der Film mit. Das Wechselspiel zwischen Hass und Liebe ist sehenswert. Regisseur Peter Luisi liebt das Komische. Er verbindet die Wirklichkeit mit Träumen und einmal mehr ist ihm das gelungen. Die Moral der Geschichte brennt  sich unter die Haut und gewiss jeder, der den Film gesehen hat, wird am nächsten Morgen sein Bett untersuchen – nach Sand.

 

Info


Der Film “Der Sandmann” feierte an den Solothurner Filmtagen Schweizer Premiere. Am selben Wochenende gewann er in Saarbrücken am Filmfestival Max Ophüls Preis den Publikumspreis. Im Sommer diesen Jahres kommt er in die Kinos.

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