Kultur | 24.01.2011

Kleine Kunstwerke ganz gross

«Sound and Stories" zeigte an den Solothurner Filmtagen einen Überblick über das schweizerische Musikclip-Schaffen der letzten zwei Jahre. Da gab es einiges zu entdecken. Tink.ch hebt ein paar Perlen hervor und präsentiert die Siegerclips des Wettbewerbs.
"Gwaltbereiti Alti" von Manuel Stahlberger wird von einem unterhaltsamen Clip untermalt.
Bild: Screenshots Eine Pulsierende Stadt, ein Spektakel fürs Auge: Der Clip zum Song "The City" von Five Years Older.

Dass Musikclips mehr sind als blosse Werbemittel für Musik vermutet oder hofft man zumindest. Im besten Falle sind sie kleine Kunstwerke, die ihren Platz gleichberechtigt neben der Musik haben. Musik und Clip können sich gegenseitig ergänzen und bereichern. Clips erzählen ihre eigene Geschichte, vielleicht verbildlichen sie aber auch die Aussage des Songs. Oder es werden zur Musik passende rhythmische Bewegungen aus Farben und Formen gezeigt. Es gibt viele Möglichkeiten.

 

Musikclips sollen “ihren filmischen Stellenwert und die ihnen zustehende Anerkennung erhalten” steht deshalb im Programmheft der Solothurner Filmtage. Das gelingt mit der Aufführung der zusammengestellten Musikvideos dann auch gut: Sieht man sich Musikclips in einem Kino an, liegt der Fokus viel stärker auf dem Visuellen als dem Akustischen. Hier einige herausgepickte Highlights:

 

“König für immer” von Kutti MC (Matthias Günter)

Berührender und unaufgeregter Clip über einen, der nicht verstanden wird. Song und Clip besitzen beide grosses Identifikationspotential und ergänzen sich optimal. Hat man den Clip einmal gesehen, ist das eine ohne das andere isoliert kaum mehr denkbar.

 

“Too long” von Subraum Katzen (Sascha Tittmann)

Einfache schwarz-weisse Bilder, im Manga-Stil gezeichnet, zeigen katzenartige Wesen im Kampf gegen ihren Feind. Der Clip passt perfekt zum dunklen, verführerischen Charme der Musik. Würde wohl auch als eigenständiges Werk durchgehen.

 

“Gwaltbereiti Alti” von Stahlberger (Cesare Macri)

Zur Abwechslung ein witziger, augenzwinkernder und unterhaltsamer Clip, der den Text des Liedes präzise umsetzt. Aber Achtung: Nach dem Clip werden alte Menschen mit anderen Augen gesehen.

 

“The City” von Five Years Older (Dirk Koy)

Ein Zug durchfährt eine sich ständig verändernde, rhythmisch pulsierende Stadt. Ziemlich spektakulärer Clip, der bestimmt sehr aufwändig herzustellen war. Allerdings leidet er ein wenig unter Monotonie.

 

“Der Schein trügt” von Schöftland (Konstantin Gutscher, Mischa Hedinger)

Sehr schöner, schwermütiger und ruhiger Clip, der durch die Musik Schöftlands in einer Karaokebar ganz unterschiedliche Menschen zusammenbringt. Passt sehr gut zur melancholischen Stimmung des Songs.

 

Und das sind die Gewinner-Clips:

 

“The Destroyed Room” von Rusconi (Jonas Meier, Mike Raths)

Von der Jury zum besten Clip gewählt. Ein Lift fährt durch ein nächtliches Kaufhaus, in dessen Stockwerke seltsame Dinge geschehen. Ein Clip, bei dem man jedes Mal neue Details entdeckt.

 

“Bequem” von HTC & Süde (Raphael Fischer)

Dieser Clip überzeugte das Publikum am meisten. Gutgelaunte HipHopper geniessen den Komfort eines Sofas an verschiedensten Orten. Raphael Fischer, der den Clip gemacht hat, freut sich an der Preisvergabe, dass man auch mit einfachen Mitteln die Leute begeistern kann.