Kultur | 31.01.2011

Erwachsen werden im Emmental

Die drei Freunde Sascha, Moni und Patrick entdecken im Wald eine Hütte, in der Nazis eine Party feiern. "Silberwald" - ein Film über die Suche nach Identität, Anerkennung, Liebe und sich selbst.
Die drei Freunde stehen stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden.
Bild: PD

In einem verschlafenen Dorf im Emmental sind die Freunde Sascha, Moni und Patrick an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Regisseurin Christine Repond hat für ihren Film “Silberwald” ganz bewusst Schauplätze im Emmental gewählt. Sie selbst ist in dieser Gegend aufgewachsen und weiss von der Einsamkeit, die Jugendliche dort empfinden. Bevor sie begann, Schauspielerinnen und Schauspieler zu casten, nahm sie sich vier Monate Zeit, um Jugendliche zu befragen. Sie wollte wissen, wie es heute möglich ist, dass junge Erwachsene, die politisch nicht beeinflusst werden, den Weg zum Rechtsextremismus finden. Rechtsextremismus ist das zweite Thema, das der Film behandelt. Sascha hat als einziger der drei Freunde keine Lehrstelle. Er kommt auch bei den Mädchen nicht gut an und wartet vergeblich auf ein Leben, das ihn scheinbar nicht will. Sascha ist orientierungslos, weiss nicht, was aus seinem Leben werden soll.

 

Provokation als Hilferuf

Auf einem Streifzug durch den Wald entdeckt er mit seinen Freunden eine Waldhütte, in der rechtsextreme Männer eine Party feiern. Sascha ist angetan von der provokanten Musik und den Symbolen. Was für seine Freunde bloss ein abenteuerlicher Ausflug ist, bedeutet Sascha mehr. Seine Sehnsucht nach Identität, Geborgenheit und Zuneigung treibt ihn zur Hütte zurück. Dass er sich daraufhin die Haare abrasiert, rechtsextreme Musik hört und ihre provokativen Symbole aufhängt, verwirrt seine schichtarbeitende Mutter. Seine stummen Hilfeschreie nimmt sie jedoch nicht wahr.

 

“Silberwald” ist ein aufrüttelnder Film über das Erwachsenwerden, die Einsamkeit und Stille im Emmental und über die Perspektivenlosigkeit und deren Folgen. Christine Repond sagt, sie habe einen dokumentarischen Stil für den Film gewählt, denn die Geschichte solle realistisch rüberkommen. Das ist auch der Grund, weshalb während des ganzen Films keine Musik gespielt wird. Repond wollte nicht, dass die Musik Emotionen manipuliert. Im Film zeigt sie facettenreich auf, was passiert, wenn aus Orientierungslosigkeit Agression entsteht, die sich dann wie von selbst eine Richtung sucht. Ruhige Landschaftsbilder spiegeln die Langeweile und Einsamkeit wider. Einzig vom Ende wird der Zuschauer überrumpelt. Man erwartet, dass die Geschichte weitergeht. Doch die Regisseurin lässt hier sehr viel Raum für Spekulationen. Aber genau dieses offene Ende wühlt auf und lässt einen nach der Vorstellung stundenlang diskutieren.