Sport | 10.01.2011

„Du bist in einer Kugel“

Der Eiskunstlauf-Weltmeister Stéphane Lambiel vertrat seinen Heimatkanton Wallis am Basler Winterzauber und traf dabei seine Fans für einen Abend direkt auf dem Eis. Tink.ch traf Stéphane und sprach mit ihm über Interviews, sein Privatleben und seine Zukunft.
Tink.ch-Reporter Martin Sigrist mit Stéphane Lambiel.
Bild: Martin Sigrist "Du bist in einer Kugel und kannst nicht raus", so beschreibt Stéphane Lambiel sein Gefühl in einem Wettkampf. Kerstin Fleisch

Wie geht’s dir?

Stéphane Lambiel: Gut. Ich habe schon viele viele verschiedene Sachen gemacht, viele Shows auf dem Eis aber auch Events wie hier in Basel. Es bereitet mir immer Freude und gibt gute Energie. Das ist zwar nicht viel, aber am Ende des Tages weisst du, dass du etwas Gutes gemacht hast und die Leute zufrieden heimgehen. Für eine Show muss ich jeden Tag trainieren und in guter Form sein, aber hier kann ich mir Zeit für die Leute nehmen.

 

Du musst weniger leisten, dafür bist du näher bei den Menschen.

Wenn du im Wettkampf bist, ändert sich das. Dann versucht dich dein Umfeld zu schützen. Du kannst es nicht mehr geniessen, hast keine Zeit für Journalisten, für das Publikum. Du bist in einer Kugel und kannst nicht raus. Seit Februar hat sich mein Leben verändert, ich bin freier, muss mich nicht immer sorgen, dass ich Zeit verlieren könnte.

 

Du sprichst von Journalisten. Viele versuchen erfolglos, dir etwas Persönliches zu entlocken.

Interviews zu geben ist ein Teil der Arbeit, und wenn Journalisten schreiben, worüber ich rede, ist das nicht so schlimm. Bezüglich Persönlichem finde ich es einfach unprofessionell. Klar bin ich eine öffentliche Person, aber ich glaube nicht, dass mein Privatleben wichtig ist. Es heisst ja „privat“, es muss also nicht öffentlich sein. Man braucht nicht zu wissen, wie ich einkaufe oder wo mit meinen Freunden ausgehe. Das interessiert niemanden.

 

Die Leute möchten bei dir hinter die Kulissen blicken.

Aber bei mir ist nichts anders. Jeder macht die gleichen Sachen. Jeder hat Sex, geht in den Ausgang. Warum sollte ich das zeigen?

 

Du erwähnst Sex. Es gibt zahlreiche Artikel darüber und ziemlich penetrante Journalisten, die dir entlocken wollen, ob du schwul bist. Nerven dich Fragen auf diesem Niveau?

Diese erwähnte Frage ergibt für mich einfach keinen Sinn. Es gibt kein Schwarz oder Weiss, ich kann deshalb solche Fragen nicht beantworten.

 

Verstehst du, warum das so oft im Zentrum des Interesses steht?

Ich glaube, die Gesellschaft muss wissen, ob etwas schwarz oder weiss ist im Leben, sie versteht nicht, dass es dazwischen sehr viel gibt. Es ist aber nicht wichtig, so etwas zu wissen, deshalb brauchen die Leute keine Antwort darauf zu haben.

 

Dein Leben als Spitzensportler besteht aus langen Trainings und kurzen Auftritten. So viel Zeit für so wenige Augenblicke aufzuwenden: Wie hat sich dies auf dein sonstiges Leben ausgewirkt?

Jede Arbeit braucht viel Zeit. Ich fing mit sieben Jahren an, jeden Tag zu trainieren. Nach der Schule fuhr mich meine Mutter ins Training. Es war immer viel, aber als Kind merkst du nicht, dass es Arbeit ist. Du siehst die Opfer nicht, die du erbringst, sondern machst es einfach aus Spass. Wenn es nicht so gewesen wäre, hätte meine Mutter das nicht mitgemacht. Ich trainierte daheim immer, studierte Choreographien ein, schaute Videos, hörte Musik gehört. Es drehte sich stets alles um Eiskunstlauf. Die Augenblicke auf dem Eis sind dann sehr kurz, und du weisst nicht, was du gross geleistet hast. Doch das ändert am Ende nicht viel. Wichtig ist, dass du mit der ganzen Leidenschaft dabei bist.

 

Wie geht’s jetzt weiter mit deiner Karriere?

Ich bin Eiskunstläufer, das werde ich immer bleiben. Ich stehe schon seit 18 Jahren auf dem Eis und daran wird sich nichts ändern. Zwar bin ich offen für neue Projekte, doch es wird immer etwas mit Eiskunstlauf zu tun haben. Ohne diese Kunst kann ich nicht sein. Ich brauche eine Bühne und ich brauche Musik.

 

 

Wettbewerb


Tink.ch verlost zwei von Stéphane Lambiel signierte Kufenschoner. Wer gewinnen möchte, schreibt bis zum 16. Januar eine Mail an martin.sigrist(at)tink.ch mit dem Betreff „Kufenschoner“. Post-Adresse nicht vergessen!

 

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