Kultur | 23.01.2011

Drei Patienten oder einer?

Eine Einführung in den Alltag einer Irrenanstalt. Oder ein manisch-depressives Porträt. Ein Film zweier Stundenten von der Filmhochschule Zürich. "Dürä", so der Titel. Wir sind es doch alle mal ein bisschen.
Einer, der nur noch raus will. Michael in der psychiatrischen Klinik.
Bild: www.dura-movie.com Michael schreibt. Mani und Dani diskutieren. Wer sie sind? Teile von ihm.

Eine Psychiatrische Klinik, Menschen in blaue Hüllen gekleidet oder in Morgenmäntel, die an Tapeten erinnern. Menschen, die Medikamente nehmen in kleinen Gläschen, Menschen, die manchmal sich und die Welt nicht unter Kontrolle haben. Oder umgekehrt. Immer wieder fühlt man sich im Laufe dieses halbstündigen Films an “Einer flog übers Kuckucksnest” mit Jack Nicholson aus dem Jahre 1975 erinnert. Die Anstalt. Die unfreundliche Oberschwester. Der geduldig zuhörende Direktor. Und einer, der eigentlich einfach nur eins will: raus.

 

Die Produktion unter der Leitung der Regisseure Quinn Reimann und Rolf Lang, die den Studiengang für einen Master of Arts in Film an der ZHdK besuchen, bleibt im Gedächtnis und will so schnell nicht wieder verschwinden. Sind es nun drei Patienten? Oder ist es die Hauptperson Michael samt seiner manischen und seiner depressiven Seite, sinnbildlich dargestellt in ihren Namen Mani und Dani? Die beiden scheinen immer da, immer bei ihm, und plötzlich nur noch einer und dann alle beide, einfach weg, verschwunden.

 

Der Film will Einblick in eine sonst verborgene Welt bieten. Das gelingt. Wer kennt nicht jemanden, der einmal Melanie im Wunderland war und wenig später nichts mehr, ein Loch und eine Leere, beides gemeinsam. Und trotzdem bleibt das Thema in unserer heutigen Gesellschaft mehrheitlich ein Tabu, in das dieser Film ein kleines Loch geschlagen hat und Platz für Gedanken, Diskussionen und mehr Verständnis bietet. Der am Filmfestival in Locarno gewonnene Preis scheint verdient: Innovative Kameraführung und ungekünstelte Dialoge machen den Film zu einer kleinen Reise in eine andere Welt, und ebenso zu uns selbst, denn wir alle sind doch hin und wieder ein bisschen “dürä..!”

Links