“Singe, wie eim de Schnabel gwachse isch”

Adrian, deine CD ist voller Liebeslieder. Als Experte hast du bestimmt ein Patentrezept für eine gelingende Beziehung?

Adrian Stern: Nein, ganz bestimmt nicht. Aber ich habe eine Frau gefunden. Wir lieben uns und möchten die Zukunft zusammen gestalten. Das ist die Basis für eine gute Beziehung.

 

Woher nimmst du die Ideen für deine Lieder?

In meinen Liedern erzähle ich Geschichten von mir. Jede einzelne habe ich erlebt, mindestens in meinem Kopf. Sie reichen jedoch lange zurück bis in meine Schulzeit.

 

Den Saal heute hast du gefüllt. Möchtest du auch mal im Hallenstadion vor versammelter Fangemeinde spielen?

Wann werde ich wohl das Hallenstadion füllen? Eigentlich möchte ich dies nicht, denn ich spiele lieber in kleineren Sälen. Das Hallenstadion würde ich einmal füllen und hätte dann für das ganze Jahr gespielt. Mir gefallen diese Stimmung und das Familiäre hier sehr.

 

Werden wir in Zukunft noch mehr Adrian Stern hören?

Es ist klar, dass ich immer Musik machen werde. Es ist einfach schön mit den Leuten zu singen und spielen. Bis im Sommer sind wir noch auf Tour, vielleicht auch bis Ende Jahr. Dann wechselt es irgendwann wieder vom Auftreten zum Songschreiben.

 

Dann wanderst du mit deiner Nr. 1 nicht nach Amerika aus?

Wer kennt diesen Gedanken nicht: einfach alles zusammenpacken, mit seiner Liebsten auswandern und ein neues Leben beginnen. Aber wenn ich davon singe, dann meine ich damit den Gedanken, der einem eine Sekunde durch den Kopf schwirrt.

 

Kannst du dir vorstellen, auf Englisch zu singen?

Mein Dialekt wird in den Medien zwar oft kritisiert. Aber ich finde, man sollte so singen, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Dann kommt das Gefühl richtig rüber.

 

Also hörst du selber auch gerne melancholische Lovesongs?

Ja, mir ist das Gefühl in Liedern sehr wichtig. Wenn Musiker einen Song darbieten, in dem das Gefühl richtig zu spüren ist, dann finde ich ihn gut. Das gelingt meistens, wenn man in seiner eigenen Gefühlssprache singt.

 

Mit wem würdest du gerne einmal ein Duett singen?

Ich finde, man soll sich nicht einen Partner suchen und dann ein Duett singen. Das Lied ist es ja, das nach einem Duett schreit. Es gibt keinen eigentlichen Wunschpartner, das ergibt sich einfach.

 

Du hast mit Ritschi gesungen.

Ja genau, das war eine gute Erfahrung. In dem besagten Lied haben wir von einer Frau gesungen, die wir beide nicht haben konnten. Es hat gut gepasst. Ritschi und ich haben uns kennen gelernt, ich durfte einige Male als Vorband spielen und es entstand eine gute musikalische Freundschaft.

 

Hast du andere musikalische Vorbilder?

Neben Kuno und Mani Matter gibt es nicht so viele. Hauptsache, das Gefühl stimmt.

 

Kannst du dir auch vorstellen, Lieder mit politischen oder gesellschaftskritischen Inhalten zu singen?

Eher nicht. Ich singe lieber über Gefühle. Es interessiert mich zwar, was in der Weltpolitik passiert, aber ich bin nicht so kompetent, als dass ich darüber einen Song schreiben könnte. Sehr viele Künstler versuchen mit Liedern etwas zu bewegen und nur wenige schaffen es, die Message auch wirklich zu vermitteln.

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Erwachsen werden im Emmental

In einem verschlafenen Dorf im Emmental sind die Freunde Sascha, Moni und Patrick an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Regisseurin Christine Repond hat für ihren Film “Silberwald” ganz bewusst Schauplätze im Emmental gewählt. Sie selbst ist in dieser Gegend aufgewachsen und weiss von der Einsamkeit, die Jugendliche dort empfinden. Bevor sie begann, Schauspielerinnen und Schauspieler zu casten, nahm sie sich vier Monate Zeit, um Jugendliche zu befragen. Sie wollte wissen, wie es heute möglich ist, dass junge Erwachsene, die politisch nicht beeinflusst werden, den Weg zum Rechtsextremismus finden. Rechtsextremismus ist das zweite Thema, das der Film behandelt. Sascha hat als einziger der drei Freunde keine Lehrstelle. Er kommt auch bei den Mädchen nicht gut an und wartet vergeblich auf ein Leben, das ihn scheinbar nicht will. Sascha ist orientierungslos, weiss nicht, was aus seinem Leben werden soll.

 

Provokation als Hilferuf

Auf einem Streifzug durch den Wald entdeckt er mit seinen Freunden eine Waldhütte, in der rechtsextreme Männer eine Party feiern. Sascha ist angetan von der provokanten Musik und den Symbolen. Was für seine Freunde bloss ein abenteuerlicher Ausflug ist, bedeutet Sascha mehr. Seine Sehnsucht nach Identität, Geborgenheit und Zuneigung treibt ihn zur Hütte zurück. Dass er sich daraufhin die Haare abrasiert, rechtsextreme Musik hört und ihre provokativen Symbole aufhängt, verwirrt seine schichtarbeitende Mutter. Seine stummen Hilfeschreie nimmt sie jedoch nicht wahr.

 

“Silberwald” ist ein aufrüttelnder Film über das Erwachsenwerden, die Einsamkeit und Stille im Emmental und über die Perspektivenlosigkeit und deren Folgen. Christine Repond sagt, sie habe einen dokumentarischen Stil für den Film gewählt, denn die Geschichte solle realistisch rüberkommen. Das ist auch der Grund, weshalb während des ganzen Films keine Musik gespielt wird. Repond wollte nicht, dass die Musik Emotionen manipuliert. Im Film zeigt sie facettenreich auf, was passiert, wenn aus Orientierungslosigkeit Agression entsteht, die sich dann wie von selbst eine Richtung sucht. Ruhige Landschaftsbilder spiegeln die Langeweile und Einsamkeit wider. Einzig vom Ende wird der Zuschauer überrumpelt. Man erwartet, dass die Geschichte weitergeht. Doch die Regisseurin lässt hier sehr viel Raum für Spekulationen. Aber genau dieses offene Ende wühlt auf und lässt einen nach der Vorstellung stundenlang diskutieren.

SVP stimmte geschlossen Ja/Nein

Ob Ivan S. oder Schafe – die Abstimmungskampagne der SVP zur Ausschaffungsinitiative war im letzten Herbst omnipräsent. Ihre Forderung, wonach straffällige und verurteilte Ausländerinnen und Ausländer konsequenter ausgewiesen werden sollten, fand schliesslich am 28. November 2010 eine Mehrheit an der Urne. Der Gegenentwurf, welcher der Verfassung angepasst war und einen Integrationsartikel beinhaltete, wurde indes verworfen – trotz Unterstützung von Mitteparteien und vereinzelten Linken.

 

Die Stimmbeteiligung zeigte eins deutlich: Das Thema bewegte die Gemüter. In den letzten 20 Jahren lag die Stimmbeteiligung bei nationalen Vorlagen im Schnitt bei etwa 44 Prozent. Bei der Ausschaffungsinitiative gingen gar 52,6 Prozent an die Urne. Die Beteiligung bei den unter 30-Jährigen lag allerdings nur bei mageren 20 Prozent – im Vergleich zu 75 Prozent der über 70-Jährigen.

 

Keine Partei war beim Gang an die Urne so geschlossen wie die SVP. 98 Prozent der Parteisympathisantinnen und Parteisympathisanten folgten der Parteiparole und sagten Ja zur Initiative, 94 Prozent lehnten den Gegenvorschlag ab. Auch eine Mehrheit der FDP unterstützte die Initiative, abgelehnt wurde diese von der SP und der CVP.

 

Mehr Sicherheit vs. mehr Integration

Die Vox-Analyse hat auch die Gründe für ein Ja und ein Nein zur Ausschaffungsinitiative analysiert. Fast jede fünfte Ja-stimmende Person nannte als ersten Grund eine konsequentere Ausschaffung krimineller Ausländerinnen und Ausländer. Mehr als 80 Prozent waren davon überzeugt, dass so die Sicherheit in der Schweiz steige. Denn insgesamt hat fast ein Drittel der Ja-Stimmenden angegeben, dass in der Schweiz generell Probleme mit Ausländerinnen und Ausländern bestehen, beispielsweise, dass die Integration schwierig sei, oder dass Kriminalität primär ein Ausländerproblem darstelle.

 

Wer gegen die Initiative war, kritisierte die Verschärfung, den vorgesehenen Automatismus der Initiative und die Delikte, welche zu einer Ausschaffung führen. An dieser Stelle anerkannten sogar die Befürwortenden der Initiative, dass die Vorlage wohl zu viele Versprechungen mache und nicht alles umgesetzt werden könne.

 

Die Gegnerschaft war weiter der Meinung, dass mehr Ausschaffungen nicht per se für mehr Sicherheit sorgten: 78 Prozent der Nein/Nein-Stimmenden und 67 Prozent der Nein/Ja-Stimmenden sind da völlig anderer Meinung als die Befürwortenden der Initiative. Vielmehr zeigten sie sich überzeugt davon, dass Probleme mit Ausländerinnen und Ausländern durch Integration, statt mit Ausschaffungen zu lösen seien.

 

Kritisch gegenüber Ausländerinnen und Ausländern

Die Annahme der Ausschaffungsinitiative ist ein weiteres Zeichen für eine zunehmende Skepsis gegenüber Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz. Besonders rechte und traditionsbewusste Bürgerinnen und Bürger  sind laut Vox-Analyse kritisch gegenüber Ausländerinnen und Ausländern eingestellt. Insgesamt gab fast ein Drittel der Ja-Stimmenden an, in der Schweiz bestünden generell Probleme mit Ausländerinnen und Ausländer. Frauen, Linke und besser Gebildete sind in ihrem Abstimmungsverhalten eher ausländerInnenfreundlich und für eine weltoffene Schweiz.

 

Was bringt nun so eine Vox-Analyse, ausser viel Zahlenwirrwarr und Kosten? Abstimmungsanalysen sind ein Mittel, um Urnenentscheidungen interpretieren zu können. Statt nur ein “Nein” oder ein “Ja” auf ein Zettel zu schreiben, kann so erfahren werden, warum da ein “Nein” oder ein “Ja” steht und welche Personen eher zu welcher Entscheidung tendieren. Dann kann die Politik darauf reagieren, und so wahrgenommene Ängste und Probleme in der Bevölkerung angehen.

 

 

Vox-Analyse


Seit 1977 führen die Universitäten Bern, Zürich und Lausanne gemeinsam mit dem Forschungsinstitut GfS Bern die VOX-Analysen durch. In diesen politikwissenschaftlichen Analysen werden die Ergebnisse von Abstimmungen in der Schweiz nachvollzogen und Gründe dafür dargelegt, warum sich jemand für oder gegen eine Vorlage entscheidet. Dabei werden nach der Abstimmung mehr als 1000 Personen telefonisch befragt, wie sie zur Initiative oder dem Referendum standen. Das Gegenstück bei Wahlen nennt sich “SelectS”.

 

Die Analyse der Ausschaffungsinitiative und der Steuergerechtigkeitsinitiative ist der 104. Vox-Bericht. Das GfS Bern führte die Studie durch, das Institut für Politikwissenschaft der Uni Bern wertete die Ergebnisse unter der Leitung von Prof. Dr. Adrian Vatter aus.

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Dankbar für die kleinen Dinge

Der Bürgerkrieg in Sierra Leone gilt als einer der grausamsten der letzten zwanzig Jahre. Zwischen 1991 und 2002 wurden zwei der fünf Millionen Einwohner des Landes aus ihren Dörfern vertrieben und 200-˜000 getötet. Laut Unicef wurden über 20-˜000 Kinder von ihren Familien getrennt und 8000 als Kindersoldaten missbraucht. Gefangenen und Verdächtigen, Frauen, Männern und Kindern, die zur Regierung hielten, wurden die rechte, die linke oder beide Hände abgehackt.

 

“The hand you have voted with for the civilian government, you will never vote with again.” 4000 der einst 20’000 amputees sind noch am Leben. Ein Leben, in dem sie kaum ihren Unterhalt finanzieren können. Womit auch? Zum Arbeiten braucht man schliesslich Hände. Die Zeit zieht weiter, die Mangobäume wachsen nach. Aber die Hände, die kommen nicht zurück. Sie wachsen nicht nach. Sie werden immer fehlen. Menschlichkeit dagegen floriert auf der Asche dieses Grauens in Gestalt einer Blume, eines Lachens, einer Hoffnung auf ein besseres Leben. So hofft die Prostituierte Julietta auf einen weissen Mann, der sich in sie verliebt, und die Männer vom Steinbruch leben noch immer im Bunker, der damals so viele Menschen vor dem Tod bewahrte. In den Gedärmen der Brücke verborgen. Waisenkinder an einem Schulfest. Das Lächeln ist nicht von den Gesichtern verschwunden, denn: “God just does a little something. But for that small thing I thank him.”

 

Und auch Brigitte Kornetzky nimmt die Zuschauer in ihren Bann. Sie wewegt durch die Schicksale, die im Film zu sehen sind, erinnert an viele weitere, die in diesen eineinhalb Stunden keinen Platz mehr gefunden haben. So steht sie vor uns. Die in Deutschland geborene Regisseurin ist Frau für alles. Im wahrsten Sinn des Wortes. So hat sie in ihrer neuen Produktion neben der Regie auch den Schnitt und den Ton übernommen und sogar eigens Musik komponiert. Ihr Stil ist eigenwillig, ungekünstelt, echt. Wer einen gewöhnlichen Dokumentarfilm erwartet hat, mag enttäuscht sein. Wer sich jedoch mitnehmen lässt auf diese aussergewöhnliche Reise, erlebt eine der spannendsten Dokumentationen unserer Zeit. Voller Schlichtheit und Ehrlichkeit und Menschen, deren Schicksale uns berühren, so wie sie sie erzählen. Ohne Pomp, ohne künstliche Spannung, ohne Pathos. Von Mensch zu Mensch. Und das ist trotz der Tragik des Erzählten ein wunderbares Gefühl.

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“Die ganzi Schwiz vou Solarzäue!”

Es ist Freitagmorgen früh. Lehrer Andreas Marti kommt nach der Neun-Uhr-Pause ins Klassenzimmer der achten Sekundarstufe in Allenlüften, Kanton Bern. Die Schülerinnen und Schüler sind alle schon mehr oder weniger auf ihren Plätzen, allerdings noch nicht wirklich parat für den Unterricht. Der Lärmpegel ist hoch. Einige Schüler hegen schon die Hoffnung, der angekündigte Mathematiktest werde verschoben, wenn die heutige Diskussion länger dauert. Es geht um die Abstimmung vom 13. Februar, Thema Energiepolitik.

 

Allenlüften ist ein kleines Dorf, eine Häuseransammlung inmitten der Gemeinde Mühleberg. Trotzdem erfüllt Allenlüften die Funktion eines Knotenpunktes für die Gemeinde. Hier sind Mittel- und Oberstufenzentrum sowie ein Jugendtreff untergebracht. In Mühleberg befindet sich ein Atomkraftwerk. Das AKW ist alt und soll ersetzt werden: Am 13. Februar entscheidet das Berner Stimmvolk, ob es der beschlossenen Ja-Parole des Grossen Rats zustimmt, ein neues AKW in Mühleberg zu bauen.

 

Ausnahmsweise findet heute der Unterricht auf Berndeutsch statt und es herrscht keine Handhochstreckpflicht.

 

Stromlücke – “Lüge der Atomlobby” oder ein tatsächliches wirtschaftliches Problem?

 

Marc: Ja, i dänke äs bruucht villech schones AKW, aber villech nid grad in Mühlebärg. Wüu äs isch nid so schlau, dr Stom eifach vo angerne Länder z importiere, äs chönnt ja scho si, dasses ä Stromlücke git. Aber z AKW sött nid in Mühlebärg si, wüu mir hie grad ir Nöchi wohne.

 

Jemand hakt nach, wo es denn sonst sein solle.

 

Marc: Ja irgendwo in Züri oder so.

 

Die Klasse lacht.

 

Livio: Aber i finges sowieso nid guet, wüus eifach d Umwäut so belastet. I wär lieber für angere Stom, aber irgendwie brucht me ja Strom.

Matthias: Mit Auternativenergie chönnt me natürlech di agsprochnigi Lücke ou no schliesse, auso… mit Solarzäue, Windreder, Wasserchraft… ja.

Livio: Auso das git nie so viu Strom wienes AKW git, Solarzäue. Da brücht mä ä Schwiz vou Solarzäue! Isch ja nid, dass mr das nid würd gfaue, aber das geit gar nid!

 

Er wirft energisch die Hände in die Luft. Wieder lacht die Klasse.

 

Livio: Ja chum… die ganzi Schwitz vou Solarzäue!

Matthias: Auso z AKW cha me ja schono bhaute, wüu z Bärn müesse zwüsche 2020 und 2043 ja sowieso aui AKWs autersbedingt abgschafft wärde.

 

Ob denn jemand etwas davon gehört habe, dass es in der Debatte auch noch um etwas anderes gehe als den Bau des Atomkraftwerkes, unterbricht der Lehrer. Die Klasse bleibt still. Ein Endlager solle auch errichtet werden. Sofort wird es laut.

 

Andreas Marti: Spiuts de ne Roue ob mer iz das AKW in Mühlebärg boue oder öb mers z Züri Oerlikon boue, wi dr Marc s vori vorgschlage het?

Marc: Ja!

Kerstin: Nei!

Andreas Marti: Auso a dä Fau, wo du dänksch Marc, spiuts de würklech ä Roue?

Marc: Nei, i dänke nid a das. I dänke eifach, äs sött nones AKW gä, wüu mr schüsch eifach z weni Stom hei und dä när nüm chöi exportiere und sogar müesse importiere. Aber äs chönnt ou nöi Technike gä villech so i füf Jahr, wo när angers Stom chöi produziere.

Livio: Mä chönnts ou z Züri mache u när eifach sone Glaschugle über Züri, de chämts nümme use.

David: Eh… so Sache würdi de nid z luut säge.

 

Einigen Schülern scheint der Kommentar zu gefallen. In einer Zürcher Klasse würde wohl ähnliches über Bern gesagt werden. Der Lehrer reagiert nicht auf den Vorschlag. Er interessiert sich stattdessen für die Frage, warum viele den AKW-Strom befürworten, aber niemand das Endlager haben wolle. Niemand antwortet. Stattdessen wirft Marc einen neuen Lösungsvorschlag in die Runde.

 

Marc: Mä chönnt ja ä Kanton eifach rume und nächhär dert eifach… ja…

Livio: Gits de nid no ä angeri Entsorgigsart für dä… Atomküdder? Z Problem isch ja gloub, dases so lang geit. Äs geit so lang, bis äs nümme radioaktiv isch. Irgendwie Millionejahr.

Marc: Und denn isches immer no radioaktiv, äs bizzli.

Larissa: …äs bizzi!

 

Was die Klasse denn von der Idee halte, das ganze ins All zu verfrachten? Die Meinungen sind gespalten.

 

Livio: När expodierts – u när… ?

Kerstin: Mä chönnt im Au das Chraftwärk mache.

David: Kerstle, da giz äs chlises Problem: Im Au hets ke Atom!

Kerstin: Scheisse.

Andreas Marti: Auso, i gseh, dir weit z Problem verlagere. Z Problem bi däm Zügs isch haut, dass das AKW extrem wit würkt. Auso öb iz d Zürcher das AKW hei oder mir, spiut ungerem Stich eifach ke Roue vor Stahlig här. Ehm … mit de Abfäu: Wenn dir nech zum Bispiu bewusst sid, dä Umfau ir Urkaine. Dä isch 1986 passiert und äs isch so, dass d Strahlig immer no würkt. Auso in Dütschland zum Bispiu isches immer no verbote, Piuze z verchoufe, wüu Piuze Radioaktivität, eh, besser binde. D Frag isch wiviu besser d Piuze us dr Schwiz si.

Cederic: Isch dä Chärn dert immer no heiss?

Andreas Marti: Dä isch immer no heiss. Das geit haut äs paar 100 Jahr.

Livio: Und wenn mes ufem Mond richtig würd lagere, das Atom? Dert würds eigentlech ja niemer störe.

David: Z Problem isch: das bringsch nid dert ufe. I dene grosse Mängine!

Marc: Ja mä cha ja äs paar mau ga – kes Problem!

David: Klar! När stürzt no dr Mond ab, wüu är z schwär isch.

Livio: Mä chas ja uf die Site tue, wome nid gseht, das wär guet.

 

Spürbare Belastungen für die Einwohner Mühlebergs – die Bauzeit

Matthias bringt die Diskussion wieder auf den Boden zurück.

 

Matthias: Wenn sis z Mühlebärg nid wei, de chöme ja immer no zwöi angeri Standorte i Frag. Bi dere Abstimmig geits ja meh drum, öb dr Kanton Bärn genereu würd “Ja” säge, da isch no nüt defitiv.

Andreas Marti: Äs geit ja när ou um ne wirtschaftlechi Frag. Gwüssi Lüt möchte natürlech das AKW boue, wüu si finanziell profitiere, und das isch natürlech ou ä Konkurränz zwüsche de Stromgnosseschafte. Dr Kanton cha mau grundsätzlech “Ja” oder “Nei” säge.

Livio: Z Problem isch ja ou no di längi Bouzyt. Das geit fasch sächs Jahr. Und die ir Nöchi vom AKW würde när extrem drunger lide, under dere länge Bouzyt.

Marc: Ja, i dänke, i sächs Jahr hei si ja sicher a besseri Lösig gfunge aus äs AKW.

 

Die Klasse ist sich einig: “Ja eh!”

 

Matthias: Ohni z AKW, wi wott d Energieversorgig ir Schwiz zuekünftig usgeseh? Auso i wär scho für nes AKW, äs birgt Vorteile… Nachteile natürlech o.

 

Die Entscheidung

In der Klasse wird abgestimmt. Ein neues AKW in Mühleberg: Ja oder Nein? Der Lehrer mahnt, zu versuchen, sich bei der Entscheidung nicht von anderen aus der Klasse beeinflussen zu lassen. Marc fragt, ob alle die Augen schliessen könnten.

 

Marc: Das machts viu Spannender!

 

Einige Mädchen wollen wissen, ob man sich enthalten dürfe. Das Resultat fällt nach der angeregten Diskussion etwas überraschend aus: 44 Prozent (8 Stimmen) der 8. Sekundarstufe Allenlüften enthalten sich. 22 Prozent (4 Stimmen) sind gegen ein neues AKW, 33 Prozent (6 Stimmen) stimmen dafür.

 

Pinocchioeffekt in der Wüste

Beno ist sich selbst, ohne Rücksicht auf andere. Er ist unausstehlich, ein gescheiterter Musiker, und arbeitet in einem antiquitären Briefmarkenladen. Am liebsten schleudert er mit seinem Pseudo-Musikwissen um sich. Die Nachbarin, Sandra, ist ihm ein Dorn im Auge. Sie mischt ihre eigenen Songs mit lautstarken Instrumenten zusammen und träumt vom grossen Durchbruch. Für den kulturellen Möchtegern Beno ist dieses “Einfrau-Orchester” der Abschaum in Tönen. Toleranz kennt er nicht. In der Manier des überheblichen Stadtzürchers kritisiert er alles und jeden.

 

Die körnige Rache

Das Schicksal wendet sich gegen den verlogenen, arroganten Beno. Er beginnt sich wortwörtlich in Sand aufzulösen. Anfänglich sind es nur einige Körner, doch sein Sandverlust nimmt drastisch zu. Seine Wohnung verwandelt sich in eine Wüste und der Sand wird sein ständiger unangenehmer Begleiter. Er versucht die skurrilen Vorkommnisse zu vertuschen, wodurch sich seine Situation verschlimmert. Er macht sich auf die Suche nach der Lösung seines Problems, muss dafür mit seiner Feindin zusammenspannen und bemerkt, dass nur die nackte Wahrheit ihn vor dem endgültigen Verlust seines “ICH” bewahren kann.

 

Surreale Komik

Schweizer Komödien haben einen schweren Stand. Oft sind sie alles andere als lustig oder schlichtweg zu banal. “Der Sandmann“ überzeugt mit feinem Humor und schafft es nebenbei noch eine der wichtigsten Lebensweisheiten rüberzubringen. Mit charismatischen Bildern reisst der Film mit. Das Wechselspiel zwischen Hass und Liebe ist sehenswert. Regisseur Peter Luisi liebt das Komische. Er verbindet die Wirklichkeit mit Träumen und einmal mehr ist ihm das gelungen. Die Moral der Geschichte brennt  sich unter die Haut und gewiss jeder, der den Film gesehen hat, wird am nächsten Morgen sein Bett untersuchen – nach Sand.

 

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Der Film “Der Sandmann” feierte an den Solothurner Filmtagen Schweizer Premiere. Am selben Wochenende gewann er in Saarbrücken am Filmfestival Max Ophüls Preis den Publikumspreis. Im Sommer diesen Jahres kommt er in die Kinos.

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Flirten auf Italienisch

Italien ist uns geografisch gesehen eigentlich ganz nahe. Verbringt man aber eine etwas längere Zeit im Land unserer südlichen Nachbarn, wird schnell klar, dass die Leute auf der anderen Seite der hohen Berge eben doch anders ticken als wir nördlich geprägte Schweizer. Ersichtlich wird dies vor allem am Verhalten des männlichen Geschlechts. Keine Frau reist ohne gewisse Fantasien nach Italien; vorbelastet durch naive und gleichzeitig skeptische Ideen und Vorstellungen.

 

Schau mir in die Augen!

Nach gerade einmal zwei Wochen im Land der Römer kann ich noch nicht urteilen, aber bereits aus ein bisschen Erfahrung erzählen: Die schönsten Männer kommen anscheinend aus dem Süden, will heissen alles unterhalb von Rom. Süditaliener sind aber meistens auch klein und bei den Einheimischen im Norden unbeliebt. Italiener flirten mit Blicken, den ganzen Tag lang, immer und überall. Die Redewendung “jemanden mit Blicken ausziehen” existiert auch in Italienisch. Trotzdem sind Italiener Gentlemen, von Natur aus und bei allen Frauen. Frauen werden hier anders wahrgenommen; sie werden bewundert, umschwärmt und in Besitz genommen.

 

Frauen müssen abends fast nichts selbst bezahlen – woher die Männer das Geld für so viele Getränke haben, bleibt ein Rätsel. Manchmal spendieren sogar Kellner Drinks, flirten, hinterlassen Telefonnummern. Würde man einen Abend lang sämtliche Sätze eines charmanten Italieners sammeln, wäre wohl genug Inspiration für zehn neue Rosamunde-Pilcher-Filme beisammen, was auf Deutsch nichts hergeben würde. Auf Italienisch schon. Weil es nicht heuchlerisch oder gar lächerlich klingt, sondern einfach nur Italienisch. Diese Sprache scheint gemacht für alles Schöne, für Emotionen, Komplimente und masslose Übertreibungen.

 

Zuviel Blauäugigkeit?

Die italienische Mentalität ist erfrischend anders und emotional. Sie scheint direkt und einfach, muss aber von der nordländischen, blauäugigen Frau zuerst richtig gedeutet werden. Ist das bloss oberflächliche Fassade oder versteckt sich dahinter vielleicht etwas Echtes? Italienische Heuchlerei oder ernst gemeinte Absichten? Ich befinde mich auf dem besten Weg dieses Rätsel zu lösen, habe den Uomo Italiano und seine innerlichsten Absichten bis jetzt aber noch nicht ganz verstanden…

Herz und Stern in Uznach

Am 29. Januar spielt Adrian Stern im Kulturtreff Rotfarb in Uznach für seine Fans. Seine melancholischen, poppigen Lieder, eine Zusammenfassung diverser Lovestories, entzücken seine weiblichen Fans. Das neue Album “Herz” schaffte es bis auf Platz 2 der Schweizer Albumcharts. Das ausverkaufte Konzert zeugt vom grossen Erfolg des jungen Sängers. Ob der Hitparadenstürmer bald mit seiner Nr. 1 nach Amerika auswandert oder doch zrugg zu sich findet, erfahrt ihr nächste Woche auf Tink.ch.

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Humor vor Tiefgründigkeit

Der Trickfilmwettbewerb feierte an den diesjährigen Solothurner Filmtagen sein 40-jähriges Bestehen. 13 Trickfilme waren nominiert, die am Samstagnachmittag in der Reithalle vorgestellt wurden. Die Zuschauer spielten Jury und konnten für ihren Favoriten stimmen.

 

Die Reithalle war fast bis zum letzten Platz besetzt und die nominierten Filme zeigten auf, wie vielfältig Trickfilme sein können. Von einfach gezeichneten Strichfiguren bis hin zu aufwändig geformter Knetmasse war alles dabei. Die Ideen kannten keine Grenzen. Schiffe wurden zu Schneeschleudern umfunktioniert, ein Dorf drohte in einem Tränenmeer zu versinken und Hähne kämpften bis zum bitteren Ende. Trotz bunt gemischtem Programm, blieben alle Künstler bei der alt bewährten Stop-Motion-Technik. Inhaltich rütteln die Filme auf. Situationen aus dem Alltag werden aufgegriffen und in ein kritisches Licht gestellt.

 

Drei Stunden später war es dann soweit, der Preis für den besten Trickfilm wurde den Regisseuren Bernhard Bamert, der sich durch eine Knetfigur vertreten liess, und Lukas Egger überreicht. Mit ihrem Film “Gipfel-Gig” hat ein lustiger Film gewonnen, der jedoch nicht besonders zum Denken anregt. Drei Musikanten wollen in einem Berghotel ein Konzert geben. Der Wirt schickt sie jedoch weg und sie machen sich spontan auf den Weg, den Berggipfel zu erklimmen. Unterwegs treffen sie eine fette Kuh und setzen sich auf ihren Rücken. So ziehen sie musizierend mit dem Tier durch die Landschaft. Dabei werden verschiedene Schweizer Klischees auf die Schippe genommen.

 

Herausgestochen ist das Werk, weil es das einzige war, dessen Bilder nicht gezeichnet sondern geformt wurden. Die Macher kreierten eine detaillierte Landschaft aus diversen Kunstoffmaterialien. Als Knetmasse für die Figuren diente Plastilin.

 

Info


Gipfel-Gig läuft als Vorfilm von “Rubber” ab dem 27. Januar 2011 in den Deutschschweizer Kinos. In Zürich im Kino Riff Raff, in Bern im cinemovie, in Basel im kult.kino atelier und in Luzern im Kino Bourbaki.

 

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