Politik | 14.12.2010

Wie viel kostet dein Studium?

Text von Luzia Tschirky | Bilder von Nathalie Kornoski
In Zürich müssen ausländische Studierende 400 Franken mehr bezahlen als bis anhin. Der Regierungsrat hat mit diesem Entscheid vergangene Woche auf Vorschläge der SVP und CVP reagiert. Schon im letzten Jahr entkamen die Studierenden der Universität Zürich nur knapp einer Verdoppelung der Studiengebühren. Nun müssen nicht alle Studierenden tiefer ins Portemonnaie greifen, sondern nur die ausländischen Studierenden. Eine neutrale Diskussion fällt schwer.
Neue Entscheidungen zu einem alten Thema. Der Weg dahin ist fraglich.
Bild: Nathalie Kornoski

Die Zeiten sind hart. Die Kassen vieler Regierungen sind leer und es wird nach Sparmassnahmen gesucht. In mehreren Kantonen sind die Universitäten im Visier von Ausgabenkürzungen. Vordergründig wird im Kanton Zürich mit “Qualität” und “Kapazität” argumentiert. Hauptziel der Gebührenerhöhung ist aber, mehr Geld einzunehmen. Am lautesten meldet sich die SVP zu Wort. Die Argumentation verläuft dabei in bekannten Bahnen, wobei der Widerstand der SP, Grünen und Grünliberalen sich bisher darauf beschränkte, im Kantonsrat gegen eine Erhöhung zu stimmen.

 

Alle Jahre wieder

Im Kanton Zürich stehen die Studiengebühren im Jahrestakt in der politischen Agenda. Noch vor einem Jahr wollte der Kantonsrat die Studiengebühren verdoppeln. Das Ergebnis damals hätte nicht knapper ausfallen können: Eine einzige Stimme verhinderte eine Mehrheit. Zuvor hatte sich Widerstand unter den Studierenden geregt. Zur selben Zeit war auch der grösste Hörsaal an der Universität aus Protest gegen die Bologna Reform besetzt. Heute ist Ruhe an der Universität eingekehrt, nicht aber in die Diskussion um die Erhöhung der Studiengebühren. Wobei viele Dinge unklar sind.

 

Undifferenzierte Diskussion

Fälschlicherweise wird grösstenteils von einer Erhöhung der Semestergebühren gesprochen. Nach dem Beschluss des Regierungsrates werden die Benutzungsgebühren für Studierende um 400 Franken erhöht. Wobei Studierende aus der Schweiz keine vergleichbare Benutzungsgebühr bezahlen müssen. Die betroffenen Studierenden werden als “Bildungsausländer” bezeichnet. Der Begriff “Ausländer” wird in diesem Zusammenhang in jedem Kanton anders definiert. So spricht man in Zürich von einem “Bildungsausländer”, wer seine Universitätszulassung im Ausland erworben hat. Wenn eine Schweizerin zum Beispiel in Deutschland das Abitur absolviert, dann gilt sie in Zürich als “Bildungsausländerin”. Die Kantone scheinen sich nicht auf eine nationale Definition einigen zu können, jedoch sind an der Rektorenkonferenz hinter den Kulissen Beschlüsse gefasst worden, wie die Studiengebühren schweizweit an Universitäten auf ein ähnliches Niveau gehoben werden könnten, damit die einzelnen Universitäten sich nicht Studierende mit tieferen Gebühren abwerben.

 

Sackgasse

Die ganze Diskussion über die Höhe der Gebühren scheint stark ideologisch geprägt zu sein. Eine weniger einseitige Politikreaktion, einheitliche Bezeichnungen und eine Veröffentlichung von mehr Zahlen zu den Lebensumständen der Studierenden wären wünschenswert. Dem Studierendenrat der Universität Zürich muss Recht geben werden, wenn er die Berücksichtigung der höheren Lebenskosten in Zürich fordert. Von den Gebühren kann sich ein Studierender in der Mensa noch kein Menü kaufen. Die ganze Diskussion über die Kosten eines Studiums sollte unabhängig von der Nationalität geführt werden können und nicht für Profilierungen von Parteien missbraucht werden. Im Zentrum der Diskussion sollten die Konsequenzen für Studierende aus dem Ausland sein.