Gesellschaft | 20.12.2010

Weihnachten international

Wie wird Weihnachten auf der Welt gefeiert? Und hat das Fest überall den gleichen Wert? Sechs Studierende aus verschiedenen Ländern erzählen über die Traditionen in ihren Familien.
Brecht aus Belgien. Fotos: Ekaterina Karabasheva. Saumya aus Indien. Johan aus Dänemark. Anna aus Polen. Nora aus Deutschland. Dane aus den USA.

Brecht, 20, Belgien:

In Belgien verbringt man den Weihnachtsabend zusammen mit den Eltern und Geschwistern und packt Geschenke aus, die unter dem Weihnachtsbaum gestapelt sind. Fromme Familien würden auch in den Gottesdienst gehen. Bei meiner Familie ist es ein bisschen anders, wir waren seit Jahren nicht in der Kirche und ersetzen die traditionellen Gerichte wie Truthahn, Kaninchen oder Hirsch mit was Vegetarischem. Wir versuchen auch häufig, die Geschenkübergabe interessanter zu gestalten, indem wir sie mit einem Gesellschaftsspiel verbinden – nur wer gewinnt, kann ein Geschenk öffnen.

 

Saumya, 22, Indien:

In einem multikulturellen Land wie Indien hat das Weihnachtsfest verschiedene regionale Ausprägungen. Der Nordteil von Indien feiert das Fest nur in seiner festlichen Seite – mit Geschenken und Weihnachtsbäumen, die mit Lichtern dekoriert werden. Sie ähneln sehr dem indischen Festival “Diwali”, einem bedeutenden hinduistischen Lichterfest. In Richtung zur westlichen Küste, wo ein sehr grosser Anteil Christen wohnt, wird das Fest in seinem eigentlichen Sinne gefeiert. Die Kirchen werden dekoriert und es werden Messen durchgeführt. In Indien beginnt das Ritual des Austausches der Geschenke an Weihnachten und dauert bis ins neue Jahr.

 

Johan, 27, Dänemark:

Weihnachten in Dänemark fängt fast schon im November an. Die Tage sind bereits so kurz und kalt geworden, dass sich die Dänen lieber in ihren überheizten Häusern zu “julefrokoster”, oder Weihnachtsmittagessen treffen. Davon hat man viele: eins für die Arbeit, eins mit Freunden aus der alten Schule, eins mit den anderen Freunden, eins mit der Fussballmannschaft und mindestens eins mit der Familie. Für ein richtig dänisches Weihnachtsmittagessen sind einige Gerichte typisch, die unbedingt zu viel Bier gegessen werden: “Sild”, das sind in Essig eingelegte Heringe und der Stolz der dänischen Küche, heisse Leberpastete mit Essiggurken, sowie Schweinefleischbraten mit Kartoffeln. Als Nachtisch natürlich eine Auswahl an Käse und vielen Süssigkeiten.

 

Anna, 23, Polen:

Am 24. Dezember fasten wir, deshalb gibt es beim Abendessen zwölf fleischlose Gerichte als Symbole für die Monate des Jahres. Man muss jedes davon probieren, sonst bringt es Unglück für das nächste Jahr. Bevor wir mit dem Abendessen anfangen, muss das jüngste Kind in der Familie den ersten Stern am Himmel sehen. Dann teilen wir uns eine Oblate und wünschen uns gegenseitig Glück. Nach dem Abendessen packen wir die Geschenke aus. Um Mitternacht gibt es eine Weihnachtsmesse, die “pasterka”, also Hirtenmesse, genannt wird. Unsere Weihnachtsfeier dauert ganze drei Tage. Zeit, die wir mit unseren Familien verbringen.

 

Nora, 22, Deutschland:

Der 24. Dezember, Heiligabend, ist für die meisten deutschen Familien der wichtigste Weihnachtstag. Tagsüber ist man mit den Vorbereitungen für den Abend beschäftigt, am Abend gibt es dann meistens im Kreis der Familie oder mit Freunden ein grosses Weihnachtsessen. Traditionell isst man Gans, Rotkraut und Kartoffeln. Nach dem Abendessen versammelt man sich um den Weihnachtsbaum, wo auch gesungen wird. Danach gibt es Geschenke, die das “Christkind” gebracht hat. Erst am 06. Januar, dem Tag der “Heiligen Drei Könige”, wird der Weihnachtsschmuck in den Häusern weggeräumt.

 

Dane, 23, USA:

Weihnachten in Amerika verbringt man fast genauso, wie man das aus den Filmen kennt. Abends isst man zusammen mit seiner Familie Schweinebraten zu Hause. Später packt man die Geschenke aus – am Abend diejenigen von der Familie, und am nächsten Morgen diejenigen vom “Weihnachtsmann”. Über dem Kaminfeuer hängen die Weihnachtssocken, die mit Süssigkeiten gefüllt werden. In den USA ist Weihnachten jedoch zu einem ziemlich grossen Geschäft geworden und viele Läden und Restaurants machen überhaupt nicht zu.