Gesellschaft | 13.12.2010

Raus aus der Winterdepression

Text von Jana Kilchenmann | Bilder von Jana Kilchenmann
Schöne sonnige Wintertage sind für viele ein Fremdwort. Sie sehen nur die kalten, nassen und dunklen Seiten dieser Jahreszeit. Doch man muss nicht dasitzen und auf den Sommer warten. Winterdepression kann man bekämpfen.
Viel Bewegung im Freien hebt die Stimmung und erfreut das Gemüt.
Bild: Jana Kilchenmann

Die Tage sind kurz und dunkel geworden. Am Morgen verlassen die meisten das Haus bei Nacht und kommen erst zurück, wenn es schon wieder Nacht ist. Doch wirklich hell ist es in den Stunden dazwischen auch nicht und man hat den Eindruck, von oben drücke eine schwere Last auf unsere Schultern – es ist Winter geworden. Viele Menschen verfallen in diesen Monaten dem Trübsal. Die sogenannte Winterdepression ist eine saisonal abhängige Depression (SAD), die im Herbst beginnt und wieder verschwindet, sobald die Tage im Frühling länger werden. Betroffene klagen über Antriebslosigkeit, ein grösseres Schlafbedürfnis, gedrückte Stimmung und Gewichtszunahme. Bei anderen Depressionen dagegen zählen Schlaflosigkeit, Appetitverlust und Gewichtsabnahme zu den typischen Symptomen.

 

Eine Frage der Hormone

Der amerikanische Psychiater Dr. Peter Whybrow erklärt sich die Winterdepression als ein Vorbereiten des Körpers auf den Winterschlaf. Unsere Zirbeldrüse sendet das Signal “Winterschlaf vorbereiten”. Sie liegt in unserem Gehirn und ist ungefähr so gross wie ein Fingernagel. Im Herbst und Winter fällt weniger Licht auf unsere Netzhaut. Die lichtempfindliche Zirbeldrüse produziert dann mehr von dem Hormon Melatonin, das den Antrieb lähmt und uns schläfrig macht. Betroffene bemerken die Symptome meist ab 20 Jahren. Diese Symptome verstärken sich dann im Verlauf der nächsten Jahre – Winter für Winter.

 

Einstellungssache

Doch obwohl wir den Lichtwechsel durch das Jahr nicht steuern können, muss niemand die Depression hinnehmen. Wir können nämlich etwas dagegen tun: Es ist wichtig, sich viel im Freien zu bewegen. Mindestens eine halbe Stunde täglich, auch bei schlechtem Wetter. Durch regelmässige Bewegung wird der Serotonin-Spiegel im Gehirn erhöht und das führt zu einer Stimmungsaufhellung. Auch Süssigkeiten erhöhen den Serotonin-Spiegel, man darf sich also gerne Schokolade und Kuchen gönnen. Farben, die dem Sonnenlicht ähneln und Wärme ausstrahlen, können manchmal Wunder bewirken. Rote oder orange Bettbezüge oder ein Strauss frischer Blumen hellen die Stimmung auf. Auch Düfte, die an den Sommer erinnern, rufen im Gehirn die Erinnerungen wach und heben das Gemüt. Wie bei jeder Depression spielt auch hier die Einstellung eine entscheidende Rolle. Redet man sich ein, dass jetzt der graue, kalte und trübe Winter kommt, dem man wehrlos ausgeliefert ist, zieht man die eigene Stimmung in den Keller. Schliesslich kaufen Optimisten selbst im tiefsten Winter Sommerkleider.